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Ich verbringe mein Leben damit, die Dinge gefährlich zu machen, während die meisten Schauspieler um Sicherheit kämpfen. — Keith Johnstone

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Auf der Bühne

Kölner ImproStern 2013: Wie man gefühlvoll auf Regeln pfeifen kann

von Ronald Pabst (www.ronald-pabst.com):

KÖLN – Improvisationstheater: Das kann große Gefühle, Hilfestellung und freier Umgang mit Regeln sein. Und manchmal ist es einfach Comedy zum Ablachen. Beim Goldenen ImproStern, der Abschlussshow des Kölner ImproFestivals, trafen diese Welten aufeinander. Am Ende setzte Ben Hartwig das Motto „F**k the rules“ wunderbar um. Das Publikum belohnte es nicht.

Moderatorin Eva Thiel ermittelt Punkte. Foto: Thomas Bruttel

Moderatorin Eva Thiel ermittelt Punkte. Foto: Thomas Bruttel

Alljährlich treten beim Kölner Festival, das diesmal vom 19. bis 24. März stattfand, einige der renommiertesten Vertreter der Zunft gegeneinander an. Die Regeln: In jeder Runde steht jeder Darsteller einmal auf der Bühne und spielt mit zufällig ausgelosten Partnern eine Szene. Das Publikum bewertet anschließend jede Szene mit Punkten: Die ausgelosten Darsteller erhalten dabei jeweils dieselbe Punktzahl. Nicht ausgeloste Mitspieler können Szenen unterstützen, erhalten jedoch keine Punkte dafür. Im Laufe der Show scheidet bei zwei Zwischenwertungen jeweils die Hälfte der Spieler aus, bis zuletzt drei Darsteller übrig bleiben. Im abschließenden Stechen spielen diese solo einen inneren Monolog, der in einem Lied enden soll.

Die Finalisten (v.l.n.r.): S. Kjel Fiedler, Dave Luza, Ben Hartwig. Foto: Thomas Bruttel

Die Finalisten (v.l.n.r.): S. Kjel Fiedler, Dave Luza, Ben Hartwig. Foto: Thomas Bruttel

Diesmal schafften es S. Kjel Fiedler, Dave Luza und Ben Hartwig ins Finale. Für Ben war es der zweite Auftritt beim ImproStern. Bereits 2010 war er bei der FestivalSession vom Publikum zum „Liebling“ gewählt worden und durfte daher bei der großen Abschluss-Show, dem Goldenen ImproStern, als Amateur unter den Profis antreten. Ich erinnere mich gut an einen der Gründe, warum er damals so viel Applaus bekam: Er half in vielen Szenen seinen Mitspielern und ließ sie gut aussehen. Ich muss es wissen, denn ich stand damals bei der FestivalSession mit ihm auf der Bühne.

Inzwischen ist einiges Wasser den Rhein heruntergeflossen. Ben ist mittlerweile ebenfalls professioneller Improdarsteller und spielt unter den Großen. Auch 2013 wirkt er beim Festival in vielen Szenen unterstützend mit, selbst wenn ihn das Los gar nicht dazu bestimmt hat. So bringt er einige Szenen voran, ohne von den Punkten zu profitieren. Wunderbar ist sein Einsatz als Knopf in einem Fahrstuhl, mit dem ein Pärchen den Strom an- und abschalten kann – je nachdem wie weit der Streit untereinander gediehen ist. Das Publikum fordert am Ende einen Extra-Punkt für Ben, den die Jury regelkonform verweigert. Ben bekommt ihn erst, als ihn das Los trifft: Er stellt dort einen „Kinksi-Zombie“ dar. Auch beim Stechen im Finale hilft Ben dezent und führt am Ende als Polizist einen von Dave Luza verkörperten fischdosenfixierten Reggaesänger ab.

Außerdem wirkt Ben an Szenen mit, bei denen große Gefühle auf die Bühne kommen. So in einer Vater-und-Sohn-Nummer mit Dave: Der verzweifelte dachdeckende Vater fühlt sich vom puppenspielenden Sohn allein gelassen; dieser wiederum fühlt sich nicht angenommen. Es knistert auf der Bühne: Wie normal muss man sein?

Nele Kießling und S. Kjel Fiedler, unterstützt vom gesamten Ensemble. Foto. Thomas Bruttel.

Nele Kießling und S. Kjel Fiedler, unterstützt vom gesamten Ensemble. Foto. Thomas Bruttel.

Natürlich gab es auch viele Spitzen-leistungen anderer Darsteller. Wirklich schön waren die Fische im Aquarium, in dem sich der Neue gleich als Führer aufspielt: Nach einem Ausbruch finden sich die drei Fische am Ende statt im ersehnten Meer auf dem Teppichboden wieder und drohen qualvoll einzugehen. Die Bewegungen, der Gesang, die Statuswechsel – alles einfach toll. Unschlagbar war Daves Reggae im Finale, mit dem er souverän den Titel abräumte. Danke an die Organisatoren von Clamotta, die mit dem Kölner Festival mittlerweile zum achten Mal eine Plattform für viele großartige Bühnenmomente geschaffen haben.

Für mich waren die erwähnten Szenen die Höhepunkte beim Goldenen ImproStern. Der leider nicht nur leuchtete. Der zweite Teil der Show begann mit auf die Leinwand projizierten Filmszenen, die dann von zwei Darstellern weitergespielt wurden. Zwei von drei Episoden endeten mit Sex. Wie gewagt. Und auch einer der Monologe im Finale beschäftigte sich – hört, hört – mit den sekundären Geschlechtsorganen der Nachbarin. Das ist vorhersehbar. Das ist Comedy. Es ist, das sei gesagt, das Ziel der Veranstaltung. Es wird erreicht. Bis Ben für die letzte Nummer des Abends auf die Bühne tritt.

Für seinen Monolog bekommt er von einer Frau aus dem Publikum die Vorgabe: „Nasepopeln“. Zum sichtbaren Entsetzen von Moderatorin Eva Thiel holt er die Frau auf die Bühne. Er kündigt an, ihr zu zeigen, was solche Vorgaben für Impro-Spieler bedeuten – und scheitert dabei. Er scheitert groß und fröhlich. Er scheitert mit Sentenzen wie „Menschen sind Bücher; schau immer auf den letzten Satz, auf den kommt es an.“ Freilich stimmt das nicht. Denn das Leben ist wie Impro und über keinen von uns ist der letzte Satz schon geschrieben. Zum Glück.

Ben nimmt in seiner Nummer die losen Enden aus den Szenen des Abends auf – so rettet er die Fische, indem er sie vom Teppich in die Vase befördert. Zum Abschluss tanzt er mit der Vorgabengeberin auf der Bühne.

Nach dieser Szene wiesen die Jury und Eva Thiel übertrieben deutlich darauf hin, dass es sich nicht um einen Monolog gehandelt habe. Denn es ist natürlich ganz schlimm, wenn ein Impro-Spieler die Regeln verletzt. Dabei war es ein wunderbarer Impro-Moment. Es war ein grandioses Beispiel für freudiges Scheitern. Für diese Szene hat Ben den Goldenen ImproStern wohl wirklich nicht verdient. Doch es stellt sich die Frage: Darf ein Impro-Spieler die Regeln brechen? Nun, es gibt Momente, wo er es sogar muss: „F++k the rules“!

Dave Luza, Gewinner des Goldenen ImproSterns 2013, umrahmt von allen Mitwirkenden. Foto: Thomas Bruttel

Dave Luza, Gewinner des Goldenen ImproSterns 2013, umrahmt von allen Mitwirkenden. Foto: Thomas Bruttel

Personen&Gruppen

Gruppenfragebogen: Improkalypse

NRW: Köln ist einiges gewohnt. Ob 1. FC, DSDS oder Bombenentschärfungen – die Domstadt kennt das wahre Grauen. Kein Wunder, dass angeblich bevorstehende Weltuntergänge hier nur müde belächelt werden. Viel aufregender finden die Kölner eine echte Naturgewalt, der niemand entrinnen kann und will:

1. Name der Gruppe?

Improkalypse

2. Seit wann existiert die Gruppe?

Die Gruppe wurde 2004 gegründet. Manche Lebensumstände ändern sich mit der Zeit, so dass es über die Jahre einige Ab- und Zugänge bei uns gab. Neue Spieler bringen aber immer wieder frischen Wind in die Gruppe, so dass uns noch nie die Motivation ausgegangen ist.

3. Wo tritt die Gruppe vorwiegend auf? Weiter lesen…

Kunst&Handwerk

Köln: Noch Plätze frei für Langform-Workshop

NRW – IMPRO-SHAKE bietet vom 10.10. – 12.12.2012 (mittwochs, 19:30 – 21:30, 10 Termine) in Köln den Workshop Langformen im Improvisationstheater an.

Bei den sog. Langformen liegt der Schwerpunkt auf erzählerischen Elementen, d.h. auf der Entwicklung von Szenen und Geschichten, die auf den Beziehungen zwischen den Figuren basieren. Während des Improvisierens finden die Darsteller/innen gemeinsam heraus, worum es in der Szene bzw. Geschichte geht. Aus dieser vertrauensvollen Teamarbeit, die von Moment zu Moment geschieht, indem die Darsteller/innen einander aufmerksam zuhören und emotional aufeinander reagieren, entstehen die interessantesten Szenen und Geschichten, die das Publikum am meisten fesseln und berühren. Zu den in Deutschland bekanntesten Langformen zählen der „Reigen“, der „Lotus“ sowie der maßgeblich von Del Close entwickelte „Harold“.

Im angebotenen Workshop werden die TeilnehmerInnen verschiedene Langformen kennenlernen und ausprobieren. Dabei wird vor allem der gruppenorientierte Ansatz nach Del Close im Fokus stehen. Del Close (*1934, †1999) zählt neben Viola Spolin und Keith Johnstone zu den Begründern des modernen Improvisationstheaters und wurde vor allem in den USA durch sein legendäres Wirken als Darsteller, Regisseur und Lehrer bei The Second City und Improv Olympics (iO Theater) in Chicago bekannt.

Mehr Infos und das Anmeldeformular stehen hier zum Download bereit:
Workshop-Info mit Anmeldeformular. Wer sich bis 20.09.2012 anmeldet, kann vom Frühbucher-Preis profitieren!

Allgemein

Springmaus Casting am 30.09./01.10.2012 in Köln

Die deutschlandweit bekannte Improvisationstheatergruppe Springmaus ist seit 1982 mit diversen Ensembles in ganz Deutschland unterwegs. Comedians und Kabarettisten wie Dirk Bach, Bernhard Hoëcker, Tetje Mierendorf und Ralf Schmitz haben ihre Karriere als Ensemble-Mitglied der Springmaus begonnen.

Casting am 30.09./01.10.2012 in Köln

Für neue Projekte in 2013 sucht das Springmaus Improvisationstheater talentierte Schauspieler und Pianisten mit Gesangs-, Improvisations- und Comedy-Talent. Erfahrungen als Schauspieler, Sänger und/oder Improvisationskünstler sind von Vorteil. Bewerbungen mit Foto und Vita für das Casting bitte bis zum 01.09.2012 per Mail an springmaus@hpr.de

Alle Bewerber erhalten bis zum 15.09.2012 Rückmeldung zu der eingereichten Bewerbung.

www.springmaus.com

Allgemein

Kölner ImproFestival sucht Teilnehmer für Masterclass Workshop

KÖLN – Die Veranstalter vom Kölner ImproFestival bieten kurzfristig noch einen Workshop für sehr erfahrene Improspieler an. Wenn sich bis zum 05.03.2012 acht Teilnehmer finden, findet der Workshop statt. Also nichts wie ran…

Titel:

Impro-Masterclass bei Frederik Malsy

Kurzinfos:

  • Zielgruppe: Langjährige ImproSpieler mit regelmäßigen Bühnenauftritten.
  • Beitrag: 160 Euro. Nur 8-10 Teilnehmer.
  • Workshopzeiten: Samstag, 10.3.: 9h-17h und Sonntag, 11.3.: 9h-13h (nicht am Freitag!)

Beschreibung:

Viele – vor allem erfahrene – Impro-Spieler finden sich in „gängigen“ Impro-Workshops nicht wieder, weil die Themen, mit denen sie „zu kämpfen“ haben, an denen sie wachsen wollen und mit denen sie sich beschäftigen, doch komplexer und individueller sind als das viele Workshops abdecken.

In dieser Masterclass werden wir in einer kleineren Gruppe intensiv daran arbeiten, die persönlichen Stärken der einzelnen Teilnehmer weiter auszubauen und zu erweitern. Inspiriertes, partnerschaftliches Impro-Spielen soll im Vordergrund stehen. Beziehungen, Emotionen, Authentizität, Timing, Handwerkliches und Inspirierendes soll uns erwarten.

Mit jedem Teilnehmer führt Frederik im Vorfeld ein telefonisches Vorgespräch. Darin werden die Themen, Erwartungshaltungen und Ziele gemeinsam abgeklärt.

Für Buchung und weitere Infos bitte Mail an: info(ät)clamotta.de

Allgemein

Impro-Festivals 2012 in NRW

NRW – Auch 2012 werden in ganz Deutschland wieder zahlreiche Improtheater-Festivals scharenweise Besucher anziehen. In Nordrhein-Westfalen werfen gleich zwei Highlights ihre Schatten voraus:

Vom 6.-11. März 2012 findet das 7. Kölner ImproFestival statt. Laut Veranstalter, dem Kölner Improtheater-Ensemble Clamotta, wird es diesmal noch anspruchsvoller und auch noch internationaler. Ausgewählte und hochkarätige Improdarsteller zeigen ihre Kunst in insgesamt 8 Shows auf verschiedenen Bühnen. Schwerpunkt des Kölner ImproFestivals ist die Schweiz. Daneben werden Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet mit von der Partie sein. Auf dem Programm stehen viele bereits von den früheren Festivals bekannte Showformate wie der “Kampf der Giganten”, die “MarathonNacht” und “Der Goldene ImproStern”, doch auch einige Neuheiten sollen geboten werden, darunter die Premiere der deutsch-schweizer Liason “Jukebox”, die Köln-Premiere der Bochumer Erfolgsshow “MordArt” und die Premiere der Kindershow “Der kleine LINK”. Neben dem abendlichen Show-Programm locken tagsüber 6 Workshops für Anfänger und fortgeschrittene Improspieler. Ausführliche Infos zu den Shows und Workshops gibt es hier.

Vom 16.-18. März 2012 folgt dann das kleinere doch nicht weniger interessante Düsseldorfer Improfestival mit insgesamt 3 Shows, organisiert vom dort heimischen Ensemble Phoenixallee. Angekündigt ist eine Show mit den Vorjahressiegern, ein Maestro sowie eine Improshow für Kinder ab 5. Mehr Infos zu diesem Festival finden sich hier.

Personen&Gruppen

Die ImproVisaToren

NRW: Opern mit dem Titel “Ein Glatzkopf Namens Krause” gehören ebenso zum Repertoire der Kölner ImproVisaToren wie betrunkene Bienen oder datende Pharaonen. Ihre Krönchen tragen sie zu Recht und eigentlich gebührt ihnen noch eins dafür, dass sie sich Zeit für unseren Fragebogen genommen haben. Danke!

Die ImproVisaToren

1. Name der Gruppe?

Die ImproVisaToren
Unser aktuelles Programm heisst: „Richard Gere tanzt Shakespeare!“ Davor haben wir die Show „Mel Gibson singt Ibsen“ gespielt.

2. Seit wann existiert die Gruppe?

Gegründet wurden die ImproVisaToren 1998 in Köln. Vom aktuellen Ensemble gehörten damals schon Thomas Schweinsberg und Jörg Fuhrländer zur Premierenbesetzung dazu. 2007 wurde Roland Griem ins Ensemble geholt. Seit 2008 stehen auch Lena Baader und Sandra Sprünken mit dem Improvisationstheater auf der Bühne.

3. Wo tritt die Gruppe vorwiegend auf?

Wir treten in ganz NRW auf. Unsere „Home-Base“ wo wir regelmäßig auftreten ist in Köln, das Theater 509, im Bürgerhaus Stollwerck.

4. In welchem Abstand finden Auftritte statt?

Wir treten im Stollwerck einmal im Monat auf. Dazu kommen regelmäßige Auftritte bei diversen Shows, Galas, Geburtstagen und Firmenfeiern.

5. Aus wie vielen Mitgliedern besteht die Gruppe derzeit?

Die ImproVisaToren haben derzeit 6 Mitglieder. 5 Spieler und ein Musiker.

6. Wie ist der Hintergrund der Spieler?

Bei uns stehen eine Musicaldarsteller und jetzt Radiomoderatorin, ein Schauspieler und Regisseur, eine Schauspielerin und Stuntfrau, ein Comedy-Autor und ein Musiker auf der Bühne.

7. Welche Formate spielt die Gruppe?

Wir spielen hauptsächlich kürzere Games mit viel Musik und Gesang.

8. Wo liegen die Spezialitäten der Gruppe?

Genau in den Formaten die wir spielen.

9. Über welche Homepage und welche soziale Netzwerke ist sie erreichbar?

www.improvisatoren.de

10. Werden Mitspieler gesucht?

Derzeit werden nicht dringend neue Mitspieler gesucht. Aber wer Interesse hat kann sich gerne melden. Wir freuen uns immer über Zuwachs.

11. Kann man die Gruppe für Events buchen und welche wären das?

Die ImproVisaToren spielen regelmäßig auf Galas, Shows, Geburtstagen und Firmenfeiern. Man kann uns jederzeit gerne buchen.

Auf der Bühne

KIF 2011: Festival-Kindershow mit Kängurus und Currywurst

von Axel Bungert:

Am Sonntag, 17.4. fand im Rahmen des 6. Kölner ImproFestivals eine Improshow für Kinder statt. Leider waren die Erwachsenen im Publikum weit in der Überzahl, sodass Moderator Michael Stadler anfangs kaum Feedback von den Kleinen bekam. Doch er ließ nicht locker, forderte immer wieder zum Mitmachen auf und hatte dabei die Geschichte fest im Griff. Immer wieder führte er von einem Schauplatz zum nächsten und brachte so die vielen Handlungsstränge fachmännisch zum Abschluss.

Auf der tropischen Insel, wo alle Geschichten spielten, lebte der einsame Robinson, der so gerne eine Prinzessin kennen lernen wollte. Diese gab es auch – natürlich im Insel-Schloss. Doch die hatte den sehnlichsten Wunsch, Segelboot zu fahren, sodass sie für ein Boot sofort ihr Schloss dem Segelbootbauer schenkte. Der benahm sich im Schloss dann doch ziemlich daneben und ließ die Bediensteten für sich schuften – die Kinder im Publikum entschieden, dass er in eine Currywurst verwandelt werden sollte. Und so geschah es natürlich.

Nachdem die Prinzessin am anderen Ende der Insel mit ihrem Boot anlandete, traf sie auf drei Kängurus. Hier nahm sich Musiker Jörg Fuhrländer sogar eine Trommel zur Hand und hatte so die passenden Rhythmen für die Tiere bereit. Die Kängurus berichteten angstvoll von dem bösen „Schwuppwa“, der sich im verbotenen Wald herumtreibe und gerne Kängurus grille. Doch gerade durch diesen bösen „Schwuppwa“ trafen Robinson und die Prinzessin letztendlich aufeinander – und es war Liebe auf den ersten Blick. Ein Kind schlug vor, den bösen Schwuppwa nun einfach „gut zu zaubern“. Gesagt – getan. Und so bezogen Robinson und seine Prinzessin ihr Schloss, mitsamt dem nun guten Schwuppwa, den Kängurus und der Currywurst, die einmal der Segelbootbauer war.

Auf der Bühne

KIF 2011: FestivalSession - Alle Neune mit Musik

von Ronald Pabst:

Bei der FestivalSession des 6. Kölner ImproFestivals am 15.04. kämpften neun Spieler aus ganz Deutschland darum, Publikumsliebling zu werden: Der Sieger durfte am nächsten Tag mit den ganz Großen unserer Zunft beim Goldenen ImproStern auf der Bühne. Die Regeln des Abends waren hart: Die Spieler durften ihre Lieblingsnummern aufschreiben, die anschließend gelost wurden. Es gab keine Zwischenwertungen – das Publikum entschied sich erst am Ende für einen Sieger. Wer also in der großen Show mitspielen wollte, musste im Rampenlicht überzeugen. Trotzdem entwickelten sich viele gute Szenen, in denen gemeinsam agiert wurde.

Mit Musik geht alles leichter

FestivalSession mit vielen Gesangseinlagen. Foto: R. Pabst

Schön waren die markanten Musikeinlagen von Sebastian Fuhrmann, der mit Keyboard und E-Gitarre lärmte und musizierte. Mit Tango oder Heimatlied trieb er die Spieler zu Höchstleistungen an. Dabei verzichtete er auf Vorgaben durch Geräusche; nach seiner Aussage geht dies nur, wenn ein Musiker die Gruppe gut kennt. Meine Lieblingsszene an dem Abend war die Gesangseinlage im Replay der hohen Künste: Alle Neune spielten auf der Bühne gemeinsam. Schön war aber auch das Gesangsduell zwischen guter und böser Fee. Letztere spielte eine wunderbare Heavy-Metal-Nummer. So schön kann das Böse sein.

Drängelt alles nach vorn?

Entgegen der Logik dieser Show war es nicht so, dass alle stets auf die Bühne drängten. So gab es eine Emo-Achterbahn mit Schwiegermutter und -sohn, die nahezu danach schrie, vor dem Abgleiten ins schlüpfrige Leidenschaftsende von einer beherzt auftretenden Tochter gerettet zu werden. Aber sie kam nicht. Dafür sprang eine Nummer später bereits bei Nennung des Worts Gebär… die …dendolmetscherin auf die Bühne. Da hatte tatsächlich jemand ein Lieblingsspiel. Warum auch nicht; das gehört dazu. Nach der Show sagten die Spieler, dass für sie unklar war, wann sie auf die Bühne springen sollten. Es gab keine Auslosung, die für eine ausgeglichene Präsenz sorgt. Es lag im Ermessen der Spieler; wer zögerte, der blieb im Hintergrund. Im Verlauf der Show hatten die Spieler zwei Gelegenheiten, dass Publikum so richtig zu umschmeicheln. Dann wurden sie auf das Publikum losgelassen und konnten mit Massagen, Seifenblasen oder Kamellen Sympathiepunkte ergattern.

Darf man Impro gegeneinander spielen?

Bei dieser Veranstaltung ging es um etwas: Es winkte ja die Chance, tags darauf beim Goldenen ImproStern mitzuspielen. Nichtsdestotrotz wirkte das Zusammenspiel an diesem Abend größtenteils harmonisch – obwohl die Neun in dieser Kombination noch nie auf der Bühne standen. Bei ihnen stand der Spielspaß im Vordergrund. Die ausgelegten Wertungszettel führten allerdings bei manchen Zuschauern dazu, die Abstimmung zu ernst zu nehmen. Manch eine unfreiwillig belauschte Debatte am Rande hätte mir fast die Laune verdorben. So war eine Dame ehrlich empört, beim Verteilen von Leckereien kein Weingummi bekommen zu haben. Die Arme.

Die Entscheidung

Am Ende entschieden die Zuschauer per Applaus. Bei der abschließenden Wertungsrunde bat Moderatorin Eva Thiel vier Spieler zu einem Stechen noch einmal auf die Bühne; darunter waren die beiden Kölner. Die sich dann direkt verabschieden durften: Sie hatten keinen Heimvorteil. Das Rennen machte Sebastian aus Hannover. Das Publikum honorierte seine starke Präsenz in vielen Szenen. Mit im Publikum saß der Vorjahressieger Benjamin von den Kölner Taubenhauchern, der vor seinem Umzug in die Domstadt langjähriger Spielpartner von Sebastian war. Die beiden waren sogar schon zusammen auf Impro-Tour. So schöne Geschichten kann Impro schreiben.

Es wirkten mit:
Kirsten – Wiesloch
Lea – Köln
Simone – München
Verena – Osnabrück
Dirk – Siegen
Florian – Düsseldorf/Köln
Michael – Bremen
Sebastian – Hannover
Tobias – Bremen

Auf der Bühne

KIF 2011: Sechs Stunden Impro-Marathon

Von Axel Bungert

„Es wird gespielt, bis weniger Zuschauer als Spieler da sind“ – das war die Maßgabe für den Impro-Marathon des 6. Kölner ImproFestivals am 15.4. 2011 in der Lutherkirche. Der Rekord von 2009 wurde zwar um eine Viertelstunde verfehlt, dennoch hielten die Darsteller aus ganz Deutschland tapfere vier Stunden durch, musikalisch begleitet durch eine Impro-Band bestehend aus Sebastian Fuhrmann, Marco Seypelt und Jakob Schöttle. Zusammen mit der vorhergehenden Show „Köln sucht die Superszene“ waren das geballte sechs Stunden Improtheater für Spieler und Zuschauer. Hut ab!

Die Impro-Show bestand aus der Vorgabe: Alles kann – nichts muss. So entstand Szene nach Szene, mal ein kurzer Gag, mal eine längere Geschichte, mal ein Song, mal ein Tanz. Sichtlich Spaß hatten zwei Workshopleiter des Festivals, Ralf Schmitt und Frederik Malsy, die immer wieder gemeinsam auf die Bühne gingen und auch die beste Szene des Abends improvisierten: Als Maler (Schmitt) und Vorarbeiter (Malsy) lieferten sie sich zunächst einen Schlagabtausch in Form von kurzen, ans Publikum gerichteten Monologen. Völlig organisch fanden sie dadurch die Geschichte: Beide hatten sich im Internet-Chat als Frauen ausgegeben, um sich mit anderen Frauen zu verabreden. Die Szene endete beim „Date“ der beiden im Café, in dem sie (singend) erkennen mussten, dass sie sich in Wahrheit miteinander verabredet hatten. Schmitt und Malsy, beide Organisatoren eigener Festivals bzw. Impro-Hotels, ließen es sich später nicht nehmen, innerhalb einer Szene eine weitere Festivalorganisatorin, Nadine Antler aus Würzburg, von der Bühne aus anzurufen und ihr vom gesamten Publikum ein Geburtstagsständchen auf die Mailbox singen zu lassen.

Das Flipchart aus der vorherigen Superszene-Show wurde ebenfalls gerne zu Hilfe genommen, um Szenen mit einfachen Zeichnungen oder kurzen Kommentaren zu bereichern. Veranstalter Stefan Thiel improvisierte daraufhin eine Flipchart-Präso, indem er auf das erste Chart zurück klappte und jedem Chart durch seine Präsentation eine komplett neue Bedeutung verlieh.

Manch eine Szene ließ es an Spannung vermissen, doch als ein Zuschauer sein Missfallen durch den Einruf „Langweiler!“ ausdrückte, zog Ralf Schmitt ihn spontan auf die Bühne und ließ ihn live erleben, wie schwer es ist, das Publikum bei Laune zu halten. Die daraus hervorgehende Szene war auch nicht besonders spannend (positiv ausgedrückt), doch Hut ab vor dem Zuschauer, der tapfer mitspielte! Schließlich lichteten sich die Reihen, und so stimmten die verbliebenen Darsteller gegen zwei Uhr nachts den Schluss-Song „Wir haben nur für euch gespielt“ an.