Wirklich im Moment ist man nur beim Meditieren, beim Orgasmus und beim Improspielen. So gesehen hatte ich schon mit all meinen Kollegen richtig guten Sex. — Ramona Krönke
Du magst Improtheater und schreibst gern? Du spielst in einer Improgruppe und möchtest gern mehr über die Szene erfahren? Du hast journalistische Ambitionen und würdest gern Kritiken schreiben? Dann kannst Du gern bei Impro-News.de mitmachen! Unsere E-Mail-Adresse findest Du unter: Kontakt.
Dass eine Szene auch sehr unterhaltsam sein kann, wenn man die Sprache der Szene nicht versteht, beweisen die folgenden Videos. Per Gottfredsson (Stockholm) und Davide Arcuri (Mailand) spielten wechselseitig einen “typischen Schweden” und “typischen Italiener”. Diese Szene begeisterte das Publikum besonders.
Matthieu Los und Julie Doyelle (Lyon) zeigten mit beeindruckender Körpersprache eine archetypische Annäherung zwischen einer “französischen Frau” und einem “deutschen Mann”.
BERLIN – Zur Impro 2012, dem internationalen Festival der Gorillas war Mike Fly in Berlin. Der Kanadische Improvisierer erlangte internationales Ansehen mit seinem Improv Monologue Project. Thomas Jäkel von Impro-News sprach mit ihm am 31.03.2012 auf den Straßen von Berlin über Impro in Kanada und seinen persönlichen Werdegang. Als kleinen Höhepunkt der Aufnahme hält Mike einen kurzen Improv Monologue über Berlin. Das Interview ist in Englisch.
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Am 30.03. spielte das kanadische Trio ein Comedyformat, die “Carnegie Hall Show”, daraus sind die Dating-Szenen.
Am 31.03. wurde unter dem Titel “Impromptu Spendor” im Stile von Tschechow und Woody Allen gespielt. Beide Langformen sind ganz zu sehen, von Woody Allen zusätzlich eine Kurzfassung. Außerdem gibt es noch einen Interviewausschnitt.
Berlin Interview with National Theater of the World
Das Interview in voller Länger als Audiodatei.
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
BERLIN – Es ist die traditionell einzige Show am letzten Festivaltag: die Open Stage. Hier können die TeilnehmerInnen der Festival-Workshops ihr neu erlerntes Handwerkszeug zusammen mit den FestivalspielerInnen und anderem spielwütigen Publikum präsentieren. Im gut gefüllten Ratibor-Theater führte Randy Dixon (unexpected productions/Seattle) durch die Show, während Katie Freudenschuß (Hamburg) am Keyboard und Evren Gülseven (Istanbul) an der Gitarre für breite musikalische Unterstützung sorgten. Als erster Programmpunkt präsentierten sich die verschiedenen Workshops mit kurzen und knackigen Szenen.
Lee von den Crumbs mit dem Kubus, Foto: Sören Boller
Der Rest des Abends war für alle Improvisateure und ein breites Festivalensemble offen. Besonders interessant wurde es, als Randy Dixon ein geschlossenes Paket von Burkhard (“Burki”) Freutel, dem Gestalter des Ratibor-Theaters, entgegennahm. Es enthielt einen bis dato niemandem außer Burki bekannten Gegenstand, der als zentrale Requisite für die folgendes Szenen dienen sollte. In ihrer Ideenvielfalt kaum zu bremsen spielte das Festivalensemble eine bunte Collage verschiedenster Geschichten mit dem mittlerweile enthüllten Gegenstand: ein metallischer Kubus.
Masse und Klasse
Mit zunehmender Zeit wurde es auf der Bühne auch immer enger. Sowohl SpielerInnen aus dem Festivalensemble als auch aus dem Publikum wollten sich die letzte Halbzeit des Festivals nicht entgehen lassen. Damit nahm dann auch die Zahl der Protagonisten in den Szenen deutlich zu, so dass zum Schluss mit knapp 20 Improvisateuren auf der Bühne nur noch Massenszenen zu sehen waren. Erstaunlich dabei, dass es den SpielerInnen immer wieder gelang, den Fokus der Geschichte auf einige wenige zu konzentrieren und eine spannende Geschichte zu etablieren.
Crumbs, NTotW und ein Gorilla gemeinsam auf der Bühne, Foto: Sören Boller
Der insgesamt gelungene Abend bildete einen würdigen Abschluss eines durch und durch gelungenen und vor allem immer wieder überraschenden Festivals. Wir danken allen Beteiligten für die zehn Tage voller Spontanität, Spielfreude, Witz, großen und kleinen Emotionen, sowie erstklassigem Theater! Zum Schluss bleibt deswegen für mich nur noch eines zu sagen: Hut ab, weiter so und bis zum nächsten Jahr!
Und hier gleich noch das Video der Kubus-Szene von Stefan Holzapfel:
BERLIN – am Freitag Abend den 30.03.2012 boten einige Teilnehmer des Improfestivals 2012 im Berliner Ratibortheater eine Darbietung der besonderen Art – ein Impro-Live-Hörspiel. Das Publikum war an diesem Abend relativ still aber dafür auch sehr aufmerksam. Das musste es an diesem Abend auch sein, denn bei diesem Spektakel handelte sich um ein improvisiertes dramatisches Hörspiel mit zusätzlichen Elementen, die ziemlich viel Raum und Aufmerksamkeit für sich beanspruchten. Eine zentrale Rolle spielte dabei der professioneller Geräuschemacher Peter Sandmann, der das sich entwickelnde Spiel mit seinen Geräuschen improvisierend begleitete. Sandmann – aktuell auch als Schlagzeuger der Jazz/Pop-Band „my flexible friends“ in Berlin und Brandburg zu erleben – wurde dabei unterstützt durch Katie Freudenschuß (placebotheater, Hamburg), die die „normale“ musikalische Untermalung beisteuerte.
Peter Sandmann beim Geräuschemachen, Foto: Manuela Hoffmann
Moderiert wurde das Hörspiel, das in dieser Form schon einmal bei Improfestival 2009 aufgeführt wurde, von Thomas Chemnitz (Gorillas, Berlin); als Sprecher wagten sich Susanne Bolf und Karin Werner (beide TheaterTurbine, Leipzig), Regina Fabian und Björn Harras (beide Gorillas, Berlin), Mignon Remé (hidden shakespeare, Hamburg) und Georg Schubert (ur-theater, Wien) an diese Herausforderung.
Der Abend bestand aus zwei Teilen. Zuerst führte der Moderator ein kurzes Interview mit Peter Sandmann, der einige Geräusch-Praktiken der Filmproduzenten erklärte. Das Publikum erfuhr, dass die beeindruckenden Szenen-Geräusche, die zur Dramatik der Filmszenen beitragen, tatsächlich meistens in der Postproduktion beigefügt werden. Diese hörbar entstehen zu lassen, ist die Aufgabe eines Geräuschemachers. Dieser präsentierte einige seiner Kunststücke, wie Wellenrausch oder Anzünden der Zigarette, die natürlich als Vorgaben vom Publikum stammten. Die Schauspieler passten sich diesen Vorgaben an und improvisierten kurze Szene und Dialoge.
Die Hörspielbühne, Foto: Manuela Hoffmann
Nach der Pause kam die Zeit des langen Hörspiels. Das Publikum durfte durch Klatschen entscheiden, welches Genre improvisiert werden sollte. Die Mehrheit entschied sich für ein mittelalterliches Epos, das eine Liebesgeschichte zum Thema hatte. Erfuhren wir, wie der Fürst seiner Frau Kunigunde die Keuschheitsgelübte abtrotzte, ihr später jedoch zusätzlich noch eigenhändig einen Keuschheitsgurt anlegte. Was aber ihren heimlichen Geliebten Ferdinand den Listigen nicht davon abbrachte, doch noch eine Kopie des Schlüssels aufzutreiben. Der Geräuschemacher untermalte die Szenen immer geistesgegenwärtig mit passenden Geräuschen, wie z.B. Klappern der Rüstung. Ebenso hat auch Katie Freudenschuß musikalisch reagiert und zur Dramatik des Hörspiels beigetragen. Diesen Impro-Leckerbissen hat das Publikum mit selbst gemachtem lautem Applaus gewürdigt.
BERLIN – Jeden letzten Freitag im Monat zeigen die Schmetterlings im BühnenRausch den improvisierten Freitagskrimi, inspiriert von Dad´s Garage (Atlanta, USA). Diesmal, im Rahmenprogramm der IMPRO12, zusammen mit einem internationalen Ensemble. Zu Beginn der Show wurden die fünf beteiligten Charaktere vorgestellt, die bereits vor der Show von den Improvisateuren charakterlich konstruiert und vom Publikum dann jeweils um eine Eigenschaft erweitert wurden. Die Protagonisten der Geschichte sollten ein Mordopfer, einen Ermittler und eine Auswahl an Verdächtigen darstellen, ganz klassisch im Agatha Christie-Stil. Die Regisseurin und Moderatorin (Anna / Schmetterlings, Berlin) übernahm im Erzählstil die Einleitung und die Szenenübergänge, während Gilly Alfeo (Springmäuse, Bonn) für musikalische Untermalung sorgte.
Die Rahmenhandlung und Charaktere
Die Protagonisten stellen sich vor, Foto: Sören Boller
Der für die Rahmenhandlung vorgegebene Club wurde vom Publikum als regionaler Fußballclub „Tore Brügge“ definiert. Die involvierten Charaktere waren: Club Manager und baldiges Mordopfer Mustafa, der mit allen anderen Charakteren schon einmal weitreichende Auseinandersetzungen hatte (Koray Bülent Tarhan / Istanbulimpro, Istanbul). Mustafas Exfrau und Clubmaskottchen Maggy, die ihre einzige Entspannung im Honigschlecken findet und anscheinend bereits durch alle Betten der Clubmitglieder gehüpft ist (Sabine / Schmetterlings, Berlin).
Stephen Sim ermittelt als „Knut Schmidt“, Foto: Sören Boller
Einzig auf die Avancen von Torwart Knut Schmidt, dem Kanadier mit deutschen Wurzeln (Stephen Sim / CRUMBS, Kanada) ist Maggy bisher noch nicht eingegangen. Knut hat im Leben nichts außer seinem Club-Engagement als Torwart. Knut bewundert vor allem den Geruch des Shooting-Stars des Vereins, Rodriguez El Matador, der mit seinem heimlichen Hobby, der Kaninchenzucht, für Furore sorgen sollte (Jeron Dewulf / De Improfeten, Antwerpen). Illegal aus Serbien eingewandert und ziemlich undankbar als Putzhilfe und Junge für alles von Mustafa eingestellt wurde Goran, der eigentlich von einer großen Balletkarriere träumt (Erkan Uyanıksoy/ Istanbulimpro, Istanbul).
Ablauf der Geschichte
Damit die Polizei keine unangenehmen Nachforschungen anstellt, entschied sich der Verein den Mord kurzerhand selbst aufzuklären. Dazu wurde Knut Schmidt beauftragt die Protagonisten zu verhören. Schon beim Kartenkauf an der Kasse bekamen die Zuschauer einen vorgedruckten Zettel in die Hand, den sie mit Mordmotiven, Mordwaffen und unverzichtbaren Sätzen ausfüllen sollten und der dann von Knut Schmidt von Zeit zu Zeit eingesetzt wurde.
Jeron Dewulf als El Matador beim Mord an Mustafa (Koray Bülent Tarhan), Foto: Sören Boller
Die Motive aller beteiligten Personen erhärteten sich während des Abends zwar allesamt, doch kam trotz der konsequent gespielten Charaktere keine richtige Spannung auf. Dass letztendlich El Matador durch einen dubiosen Deal mit der serbischen Mafia und wegen seines geplanten Verkaufs an einen russischen Fussballclub der Mörder war, wirkte leider ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Das Format „Murder on Fryday“ bleibt trotzdem hochinteressant, genauso wie der Abend auch verlaufen ist.
BERLIN – Meine Erwartungen waren hoch. Am Vorabend hatten die 3 Spieler vom kanadischen National Theater of the World (Naomi Snieckus, Ronald Pederson und Matt Baram) mit ihrer ‘Carnegie Hall Show’die Herzen des Berliner Publikums mit Witz, Geschwindigkeit, Charme und bestem amerikanischen Entertainment erobert.
Tschechow-Szene, Foto: Marco
Aber würde dieses Ensemble auch in gleicher Qualität eine abendfüllende Langform im Stile von Tschechow oder Woody Allen spielen können? Insbesondere mit Tschechow würden sie sich auf die exakt entgegengesetze Seite des Unterhaltungsspektrums begeben müssen. Um es kurz zu machen: Es gelang ihnen nicht nur gut, sondern auf eine so eindrucksvolle Weise, dass in deutschen Improkreisen sicherlich noch lange die Rede davon sein dürfte.
Die erste Hälfte begann mit einer kurzen Rekapitulation von typischen Elementen eines Tschechow-Stücks: Russland, Moskau, Einöde, depressive Stimmung, Vodka. Anschließend wurden vom Publikum Probleme und Vorzüge der Stadt Berlin eingefordert (Hundekot, unzuverlässiges Transportsystem, gute Restaurants).
Tschechow-Szene, Foto: Marco
Daraus entwickelten die genretypisch kostümierten Spieler eine ruhige, eindringliche, beklemmende und trotzdem mit improtypischen Überraschungen durchzogene Geschichte, die das Publikum sichtlich anrührte. Das von Zeit zu Zeit hörbare Jammern eines Säuglings aus dem Zuschauerraum bauten sie geschickt zu einem tragenden Element in ihre Geschichte ein, so dass man fast meinen konnte, er wäre extra dafür engagiert worden. Ein tragischer Doppelselbstmord beendete diese erste Geschichte stilecht.
Die zweite Halbzeit stand im Zeichen des Stadtneurotikers Woody Allen. Auch hier wurden wesentliche Infos zu Woody Allen und seinem Werk gemeinsam mit dem Publikum aufgefrischt (Brille, Neurose, Liebesaffären, New York, Beziehungen zwischen modernen Menschen) und Vorgaben eingeholt. Neu kostümiert machten sich die Spieler daran, unterschiedliche Charactere zu erschaffen, die im hektischen Großstadt-Dschungel aufeinandertreffen. Es entwickelte sich ein temporeiches Spiel zwischen U-Bahn, Fast-Food-Restaurant, Psychologen-Praxis und Wohnapartement, bei dem die Spieler glaubwürdig das gestresste und komplizierte Zusammenleben von Menschen in einer modernen Gesellschaft anrissen.
Großstadtneurosen à la Woody Allen, Foto: Marco
Die dabei auftretenden Fehler der Mitspieler wurden gnadenlos aufgenommen, so dass am Ende der Psychologe des überforderten werdenden Vaters nicht nur selber ständig zu Psychologin ging, sondern am Ende gleich von 2 anderen Kollegen mit Ratschlägen versorgt wurde. Das alles war ziemlich unübersichtlich, hektisch und manchmal etwas wirr, aber durchsetzt mit interessanten Figuren, hervorragendem Schauspiel, überraschenden Wendungen und vor allem einer unglaublichen Spielfreude.
Einziger Wermutstropfen: Dies war erst einmal die letzte Vorstellung des National Theater of the World, die nach einem kurzen Zwischenstopp in Wien wieder zurück nach Kanada fliegen. Genaue Pläne für einen weiteren Auftritt in Europa gibt es derzeit leider noch nicht. Aber vielleicht hilft es, wenn wir alle zum Improgott beten, uns diese wunderbare Gruppe wieder nach Deutschland zu schicken! Ein Publikum werden sie nach ihrem grandiosen Debut hier haben, da bin ich mir sicher.
BERLIN – Eine internationale Truppe des Improfestivals 2012 haben am 31.03. im Ratibor-Theater den Gorilla-Klassiker Gurke oder Banane „bearbeitet“. Das Publikum aus aller Herren Länder wurde bestens unterhalten, da diese Kultshow dieses Mal auf Englisch „vollbracht“ wurde. Und an diesem Abend kämpften folgende Mitspieler um seine Gunst: Barbara Klehr (Gorillas, Berlin), Mignon Remé (hidden shakespeare, Hamburg), Lee White (CRUMBS ,Winnipeg Kanada) und Per Gottfredsson (Stockholms Improvisationsteater, Schweden). Und die fabelhafte musikalische Unterstützung an diesem Abend kam von Norbert Riechmann alias Harry Hawai (Gorillas, Berlin).
Der Butler und sein Gebieter, Foto: Manuela Hoffmann
Der Abend lief nach dem uralten Prinzip der fiktiven Stiftung der Gorillas, die den besten Improspieler des Abends prämiert und der üblicherweise vom Publikum durch Klatschsalven gekürt wird. Und dieser Show-Dauerbrenner ist vermutlich in der gesamten Improwelt unseres Planeten mittlerweile bekannt. Dies bewiesen die Sprachen, die an diesem Abend im Publikum des Ratibor-Theaters zu hören waren.
Der verzweifelter Polarbär, Foto: Manuela Hoffmann
Am Anfang der Show gab es allerdings einige „Durchhänger“, die die ersten zwei Szenen der Show ziemlich langatmig und unkoordieniert aussehen ließ. Erst in der dritten, in der der Butler und sein Gebieter sich endlich näher kamen, gewann das Spiel an Fahrt. Das lag vermutlich an sprachlichen Missverständnissen innerhalb der Gruppe. Lee White sprach im schnellen Englisch und erst ein bisschen später korrigierte er sein Tempo und passte sich dem Sprachniveau der anderen Spieler an. Und dieser ausdrucksstarke Verwandlungskünstler Lee White fiel an diesem Abend besonders in der Rolle des Polarbärs auf.
BERLIN – Das Bonner Improvisations-Ensemble Springmaus gilt mit seinen fast 30 Jahren(!) als die älteste Impro-Gruppe Deutschlands. Obwohl das Ensemble in dieser beachtenswerten Zeit natürlich öfters gewechselt hat, weckte diese Ankündigung einige Erwartungen an den Auftritt am 29. März 2012 im Rahmen der IMPRO 2012. Die Show im Mehringhoftheater begann mit einer Animation des Publikums mit brunftschreienden Männern und stöhnenden Frauen, was schlimme Befürchtungen bezüglich des weiteren Verlaufs des Abends in mir hervorbeschwor.
Foto: Sören Boller
So verging die erste Hälfte mit bekannten und bewährten Theatersportspielen mit viel Publikumsbeteiligung. Die Springmäuse spielten den ersten Kuss eines Zuschauerpaares nach, ließen sich von zwei „Marionettenspielern“ aus dem Publikum bei einem ersten Date an den Fäden ziehen und sangen viele Songs in allen nur denkbaren Situationen. Dabei bemerkenswert, dass die Springmaus das Publikum wirklich forderte und unorthodoxe Vorgaben bevorzugte. So begnügten sich die Spieler in einer Genre-Switch-Szene mit nicht weniger anspruchsvollen Genres als einer chinesischer Oper, Kafka und Star Trek. Auch beim Gesang durfte es dann gleich mal der gregorianische Choral sein, der – genauso wie alles andere was die Springmäuse darboten – mit einer solchen Authentizität gesungen wurde, als wenn sie es schon 1000-mal gemacht hätten.
Überzeugende Charakter-Arbeit
Foto: Sören Boller
Nach der Pause sollten die „sportlichen“ Games einem zusammen mit Michael Wolf (Gorillas/Berlin) entwickelten Regieformat weichen. Dabei schlüpfte jeweils ein Schauspieler in die Rolle des Regisseurs, um je eine bewegende Liebesgeschichte zu inszenieren, die dann im Publikumsentscheid gegeneinander bestehen musste. Obwohl von den Regisseuren gelenkt, wurde an entscheidenden Wendepunkten der Geschichten immer wieder geschickt das Publikum miteinbezogen. Besonders berührt zeigte sich das Kreuzberger Publikum von der Figur „Kalle“, einem Neuköllner Klein-Ganoven, der sich unsterblich in eine bürgerliche Kunstliebhaberin verliebt hatte, ihr später aus dem Knast verhilft und letztendlich doch mit ihrem Mitbewohner das Weite suchte. Insbesondere die höchst unterschiedlichen und allesamt zu Ende gedachten Charaktere der zweiten Hälfte verliehen diesem Abend einen bei Impro-Shows nicht immer selbstverständlichen Tiefgang, der in keinster Weise zu Lasten des Amüsements ging. Fazit: besonders wertvoll!
BERLIN - Das National Theatre of the World aus Toronto/Kanada nahm das Publikum im völlig ausverkauften English Theatre mit auf eine Reise in die goldene Anfangszeit der Unterhaltung. Der Ruf eilte der Gruppe schon vor ihrem ersten Berlin-Auftritt voraus.
Foto: Macro
In Abendkleid und Smoking begannen Naomi Snieckus, Ronald Pederson und Matt Baram äußerst charmant gemeinsam moderierend den Abend. Die Carnegie Hall Show – benannt nach der berühmten New Yorker Konzerthalle – ist im ersten Teil eine historische Vorstellung der besten und bedeutendsten improvisierten Szenen, die jemals improvisiert wurden – und das natürlich live improvisiert. Ein Vorhaben, was von einem nicht ganz unbedeutendem Selbstbewusstsein der Gruppe spricht. Das Publikum wünschte sich die besten Szenen, die jemals über Lippenstifte improvisiert wurden, und so begann die historische Reise chronologisch in kleinen Szenen 1905 mit der erstmaligen Erwähnung eines Lippenstiftes auf der Bühne bis in die Zukunft, in der Alien auf dem Mond die Verwendung von Lippenstiften als staatstragendes Element einsetzen.
Mit einer geschmeidigen Leichtigkeit agierten Naomi, Ronald und Matt dabei so vielseitig, clever, energiegeladen und vor allem unglaublich lustig. Gekonnt setzten sie die Improelemente der hohen Schule ein: Wiedererkennung, Präzision im Umgang mit den Angeboten, die als erstes da sind und das charmante gegenseitige Befeuern mit Spitzen und Herausforderungen. Selbstverständlich wurde auch gesungen, begleitet vom wieder hervorragenden Felix Raffel der Gorills eroberte ein Brecht-Song von Ronald ganz besonders mein Herz.
Foto: Macro
Am Ende des ersten Teils gab es in der Carnegie Hall Show eine Gast-Nummer, der 16-jährige Florian jonglierte sehr gekonnt mit bis zu 7 Kugeln und erntete tobenden Applaus, ebenso wie der Gast in der zweiten Hälfte, Luise Schnittert von den Gorillas, die einige jazzartige Songs gekonnt lasziv vortrug.
Im zweiten Teil der Carnegie Hall Show ging die Reise in die wunderbare Zeit der live eingesprochenen Radioshows. Drei Mikrophone, vier Spieler, den als Unterstützung holten sich die drei Randy Dixon hinzu. Matt agierte als Erzähler, der die Handlungsstränge sortierte, Randy als Held kümmerte sich um das vorgegebene mystische Handtuch, Ronald war sein Gegenpart. Naomi veränderte als einzige ihre Position und tingelte von Mikrophon zu Mikrophon. Trotzdem so wenig großer Bühnenbewegung blieb die Radioshow sowohl geschichtlich wie auch visuell aufs äußerste fesselnd, was an der mimik- und gestenreichen Erzählweise wie auch den vielen unglaublichen Ideen und der deutlichen Lust am Geschichten erzählen lag – und nicht zuletzt auch hier der unglaublichen Komik der Situationen. Mit beeindruckendem Timing setzten sie enorm wirkungsvolle Pointen.
Der Saal tobte nach dem Happy End der Show und wurde noch mit sehr schnellen und bunten Tagouts als Zugabe belohnt. Und so beantwortete der Abend wieder eine Frage: kann man mit nur einem Auftritt zu Superstar der Improszene werden? Das National Theatre of the World kann es – denn Impro kann alles.
Kommentare