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Auf der Bühne

Solo-Festival Impro à la carte! in Karlsruhe

Impro a la Carte Festival 2016KARLSRUHE- Im Mai wird das Festival Impro à la carte! ein Wochenende nur mit Solo-Formaten präsentieren.

Die Idee entstand aus der Anfrage von Ben Hartwig, mal eine Gastspiel-Gelegenheit für sein Solo zu bekommen, aber keinen ganzen Abend füllen zu können. Nach etwas Recherche und Anfragen, sind nun insgesamt vier Soloshows bei Impro à la carte! Und damit hat es sich den Namen Solo-Festival durchaus verdient.

Am 6. Mai zeigen drei Spieler ihr jeweils eigenes Solo-Format: Claudia Stump (Für Garderobe keine Haftung, Wiesbaden) mit „Sterntalergeschichten“, Ben Hartwig (u.a. Springmaus, Köln) mit „Grauzone“ und Nicole Erichsen (Stupid Lovers, Bremen) mit „Ich mit mir“.

Am 7. Mai wir Thomas Kreimeyer mit „Kabarett der rote Stuhl“ ein Steh-Greif-Kabarett nach Karlsruhe bringen. Er ist unter anderem Preisträger des Goldenen Kleinkunstnagels Wien 2013 und unterhält sich komplett improvisiert mit dem Publikum und bietet dabei allerbeste Unterhaltung.

Hier geht’s zum Programm: http://impro-a-la-carte.de

Kunst&Handwerk

2. Impromusiker Camp - die Plattform für spontane Musiker

DARMSTADT – Vom 5. bis 7. Mai findet in Darmstadt das 2. Impromusiker Camp statt. Impro-News sprach mit Initiator Stepahn Ziron über das Camp.

Impro-News: Was ist das Impromusiker Camp?

Stephan Ziron, Quelle: www.improworkshop.com

Stephan Ziron: Das Impromusiker Camp ist im Grunde eine Art offene Konferenz oder Barcamp, das ich 2015 ins Leben gerufen habe. Es fand erstmalig in Potsdam statt und 13 Musiker, die mit Improtheatern auftreten, trafen sich zu drei Tagen Austausch unter Kollegen. Das Konzept ist ganz einfach: Die Teilnehmer legen die Themen, Inhalte und Form des Austauschs selbst fest. Das reichte beim ersten Camp von ganz praktischen Übungen, die ausgetauscht und ausprobiert wurden über Techniktalk bis hin zu Harmonielehre. Außerdem probten wir für unser gemeinsames Konzert, das es auch in diesem Jahr wieder geben wird.

Ich bin der Meinung, dass jeder ein Experte für ein oder mehrere Themen ist und etwas beisteuern kann, damit andere Kollegen besser werden und voneinander lernen können. Es gibt ja im Grunde kaum Weiterbildungsmöglichkeiten, die sich so spezifisch mit Musik im Improtheater beschäftigen. Zumindest nicht rein für Impromusiker. Da liegt der Fokus ja meist auf den Sängern oder Improspielern und der Musiker begleitet den Workshop. Damit Musiker spezifische Themen bearbeitet werden können, habe ich diese Plattform geschaffen.

Impro-News: Warum sollte ein Musiker da mit machen und warum sollte man sich das als Publikum ansehen?

Stephan Ziron: Es ist ein Mordsspaß! Mit so vielen Improtheatermusikern auf einem Haufen zu sein und zu fachsimpeln macht einfach Spaß. Die frische Inspiration für das eigene Spiel ist einfach unbezahlbar. Das kann mir meine Improgruppe in der Form nicht geben. Man spricht eine Sprache und die gilt es weiterzuentwickeln und zu trainieren. Inputs für Szenenbegleitung, Genres, Songgestaltung, Dramaturgie und musikalisches Storytelling sind wichtig, um als Impromusiker nicht stehen zu bleiben, sondern diese spannende Form des Theaters auch von der musikalischen Seite weiter voran zu bringen.

Wir spielen auch dieses Jahr wieder ein gemeinsames improvisiertes Konzert. Das ist nicht nur für uns als Musiker spannend, sondern auch das Publikum ist hautnah dabei, wenn Kompositionen im Moment entstehen, ohne dass sich jemand die Mühe gemacht hätte, vorher etwas aufzuschreiben. Man kann musikalische Impulse wahrnehmen und spüren. Da ist auch immer ein klein wenig Magie, die da zwischen den Musikern entsteht, wenn sie gemeinsam improvisieren. Beim Improtheater spielt die Musik ja eine andere Rolle. Beim Konzert sollen die Musiker im Mittelpunkt stehen und experimentieren.

Impro-News: Warum findet es dieses Jahr in Darmstadt statt und was ist das DingsDA Festival?

Stephan Ziron: Ich wollte das Impromusiker Camp rotieren lassen. Das hat erstens den Grund, dass nicht alle Musiker, z.B. aus Süddeutschland den weiten Weg nach Potsdam machen konnten letztes Jahr und zweitens hatte ich Lust in andere Städte zu reisen und mal rauszukommen, um Kollegen kennenzulernen.

Es fand sich ein Musiker, Johannes Linder aus Darmstadt, der beim ersten Camp zwar nicht dabei war, aber bei mir einen Workshop besucht hatte Ende 2015. Johannes ist Ensemblemitglied bei KurzFormChaos, die erstmalig das DingsDA Improfestival ausrichten. Auch hier wird es ein Barcamp geben, das sich damit beschäftigt, wie sich Improtheater auch in alltäglichen bis professionellen Umgebungen anwenden lässt. Dazu werden neben Improspielern auch Experten aus Wissenschaft, Berufsleben und weiteren angewandten Kunstdisziplinen erwartet. Aber auch Showformate, wie zwei Musikshows, ein Wettkampf der Improvisateuere beim “Game of Krones” oder die “WohnzimmerGeschichten” werden präsentiert. Bei letzteren werden Improshows an den verschiedensten Orten, wie private Wohnungen, Gärten, Garagen zu Bühnen.

Impro-News: Was hast Du gelernt auf dem letzten Camp?

Stephan Ziron: Ich habe viele neue Übungen für die Arbeit mit Improsängern kennengelernt, spannende Aspekte der Harmonielehre und konnte die Erfahrung machen, selbst zu singen, während einmal ein andere Musiker begleitet. Das hab ich sonst ja eher selten. Außerdem habe ich gemerkt, dass die meisten Musiker Langformen und Songs lieber spielen, als Gameshows, in der die Musik oft keine Zeit findet, sich zu entwickeln. Das geht in Soundtracks zu einer Langform natürlich viel besser. Auch hier haben wir über Genre spezifische Musik gesprochen und viel ausprobiert. Ein kleiner Tipp kam von Joe Weis aus Mannheim, der meinte, man müsse im Horrorgenre einfach mal ein Kinderlied in der einer falschen Tonart begleiten. Gruselig.

Impro-News: Was konnte das Publikum erleben, was es sonst nicht gibt?

Stephan Ziron: Wir starteten in Potsdam mit dem spannenden Format “Impropedia”, bei dem ein Experte interviewt wird zu seinem Spezialthema, in diesem Fall war ich der Gast und die Improvisateure spielen inspiriert von dem Gespräch. In unserem Fall waren es dann mehrere Musiker, die spielten. Das Konzert mit allen 13 Musikern war für viele Zuschauer das Highlight, da die meisten nicht glaubten, dass wir wirklich mit so vielen Musikern gleichzeitig improvisieren. Ein sehr abwechslungsreicher Abend, da jeder Musiker ja einen anderen Background mitbringt.

Impro-News: Wann ist das Camp in diesem Jahr für Dich ein Erfolg?

Stephan Ziron: Wenn sich so viele Teilnehmer, wie nur möglich anmelden. Das erhöht die Chance neue Sachen zu lernen, nette Leute kennenzulernen und ein noch spannenderes Konzert zu spielen. Außerdem würde es mich freuen, wenn sich wieder jemand findet, der auch im kommenden Jahr das Camp ausrichtet.

Impro-News: Danke Stephan für das Interview. Alle weitere Informatinen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter: www.improworkshop.com/impromusiker-camp

Auf der Bühne

4. Berliner Impro Marathon – Mach mit!

BERLIN – Ob auf Deutsch oder Englisch, ob Musical oder Drama, ob Frei Schnauze oder nach Regeln, die ganze Vielfalt der Berliner Impro Szene können Fans des Improvisationstheaters geballt an einem Tag erleben. Am Samstag, 23. April 2016, steht das größte europäische Ein-Tages-Impro-Festival in der Brotfabrik am Caligariplatz ganz unter dem Motto „Mach mit!“.
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Ab 18 Uhr zeigen 20 Berliner Gruppen auf vier Bühnen gleichzeitig Improvisationstheater in seinen zahlreichen Facetten. Auf der Hauptbühne wird es dabei ein zehnstündiges Impro-Match geben und auf zwei weiteren Bühnen können Besucher weitere Formate kennenlernen oder ihre Lieblingsgruppe bewundern. Zu ausgewählten Stunden wird das Mitmachen auch für das Publikum möglich und experimentierfreudige Zuschauer können sich dann auf die „Open Stage“ wagen und gemeinsam mit den Spielern des 4. BIM glänzen.

Mitmachen werden auch einige Musiker, ob als Solist oder spontan gegründete Band werden sie die Impro-Darsteller unterstützen oder sich auch mal ohne die Spieler musikalisch austoben. Eine Bühne widmet sich ausschließlich improvisierten Songs und Musik.

Für internationales Flair sorgen die Berliner Gruppen „Good Luck, Barbara“ und „Improfusíon“, die lieber auf Englisch und Französisch improvisieren. Darüber hinaus sind auch spanische Improkünstler eingeladen. Dieses Jahr improvisieren die Künstler zehn Stunden lang bis 4 Uhr morgens. Anschließend gibt es für Besucher und Schauspieler eine After-Show-Party bis zum Sonnenaufgang.

Schau- und spiellustige Besucher können dabei sein, wann sie wollen. Ein spontanes Vorbeischauen für zwei Stunden ist genauso möglich wie ein stundenlanges Begleiten oder den gesamten Impro-Marathon durchzuhalten. Mitmachen lohnt sich, denn es gibt auch wieder tolle Preise zu gewinnen.

Karten sind im Vorverkauf erhältlich unter www.berliner-impro-marathon.de oder direkt in der Brotfabrik.

Kunst&Handwerk

Nutze die Aufregung: Improvisation trifft die Grinberg Methode

Sophie Kinkel und Andi MuellerBERLIN – Am 17. April 2016 gibt es einen ungewöhnlichen Workshop – die Kombination der Grinberg-Methode mit Improtheater.

Wenn wir aufgeregt sind oder Stress haben, halten wir oft Energie in unserem Körper zurück. Dies zeigt sich beispielsweise in Verspannungen. Mit der Grinberg-Methode wird die Aufmerksamkeit auf den Körper gelenkt und diese Energie zurückgeholt. Durch die bessere und intensivere Wahrnehmung des Körpers bietet sich eine große Quelle für die Darstellung bisher ungesehener Bühnenfiguren.

Ein weiterer Schwerpunkt im Workshop ist die Aufdeckung von alten und neuen Bewegungsmustern. Welche Bewegungen machen wir viel zu oft? Welche können uns selbst überraschen? Diese körperlichen Überraschungen schaffen vielschichtige Bühnenfiguren und werden anschließend auf der Improbühne ausgespielt.

Der Workshop wird von Sophie Kinkel und Andreas Mueller geleitet. Sophie Kinkel ist professionelle Bodyworkerin und qualifizierte Praktikerin der Grinberg Methode. Andreas Mueller ist Kommunikationstrainer & Coach, studierter Kulturwissenschaftler und improvisiert bei den Improbanden.

Mehr Infos und Anmeldung: http://www.hellopresence.com/detail/improvisationtrifftgrinberg

Kunst&Handwerk

Alex Berg (UCB L.A.) im Comedy Cafe Berlin

Alex Berg & hive improv
Die Hive Improv School hat einen weiteren hochkarätigen Workshop: Alex Berg von der Upright Citizen Brigade (UCB) Los Angeles zeigt euch „The Game of the Scene/Emotional Heightening“ vom 6.-8. Mai. Das UCB ist berühmt für das Finden des Games der Szene innerhalb der Langform. Wer schon vorher etwas von Alex Berg lesen will, dem sei sein Blog Improv Octopus empfohlen.
Ein weiterer sehr spannender Kurs bei Hive Impro ist „Position Play & The Deconstruction“. Chris Rock von Good Luck, Barbara! unterrichtet dort das Langformat Deconstruction mit dem „Position Play“ Ansatz von Miles Stroth, dem legendären Spieler des von Del Close geleiteten Teams „The Family„. Der Workshop richtet sich an erfahrene Improspieler.
Alle Workshops sind in english und finden im Comedy Café Berlin in Neukölln statt.

Mehr Infos und viele weitere Workshop-Angebote: www.hiveimprov.com/courses/

Auf der Bühne

Impro-Kabarett-Premiere in der Distel

Eins_auf_die_PresseBERLIN – Die Distel ist eine Kabaretthochburg in der Hauptstadt und bietet schon seit einiger Zeit improvisiertem Theater eine Bühne. Seit nun bereits 3 Jahren spielt IMPRO BERLIN dort donnerstags die Ding-Show, in der Gegenstände den Dreh- und Angelpunkt bilden. Ab den 6. April 2016 kommt nun ein Format hinzu, dass die Verbindung zwischen Kabarett und Improcomedy schaffen will: EINS AUF DIE PRESSE.

Angekündigt ist das Format mit einem Blick „hinter die Schlagzeilen„. IMPRO BERLIN will Komisches und Nachdenkliches aus Tagespresse und dem Boulevard improvisieren. „Beunruhigend, amüsant, immer top aktuell und ganz ohne Plan – wie die echte Politik.“ In einem Kabarett-Theater auch politisches Kabarett zu improvisieren liegt nahe und lässt viel Spannendes erwarten. Nach der Format-Premiere am 6. April wird die Show an jedem 1. und 3. Mittwoch im Monat zu sehen sein.

Neben IMPRO BERLIN ist aber noch ein anderes Duo Gast in der Distel: Linner & Trescher zeigen dort ihre Personality-Impro-Show. Am 15. und 16. April treten sie das nächste Mal im Studio auf.

www.distel-studio.de

Auf der Bühne

IMPRO 2016: Meta Impro macht Impro über Impro

von Sören Boller:

Internationales Festival Impro 2016 BerlinBERLIN – Nach einem Jahr Pause kehrt am 18. März 2016 das Format „Meta Impro“ in den Festivalspielplan zurück. In diesem Format wird keine Improshow, wie wir sie kennen, gespielt. Vielmehr wird über Improtheater und Improvisateure selbst improvisiert. Dabei entstehen keine szenischen Geschichten, sondern gesteuerte Interviews. Dass die Show in diesem Jahr wieder im Programm auftauchte, ist weder verwunderlich, noch zufällig, endete doch die Show vor zwei Jahren während des finalen Ausfadens mit Inbal Loris Worten „It is political!“. Die Fortsetzung in diesem Jahr drängt sich also praktisch auf.

Andere Form – anderer Inhalt

Bereits der Bühnenaufbau offenbart den speziellen Charakter der Show. Im Zentrum der Bühne steht ein Mikrofon. Jeweils versetzt und einen halber Meter weiter hinten stehen zwei Stühle, ebenfalls mit Mikrofonen ausgestattet und am Bühnenrand, wie gewohnt, die Installation aus Keyboard und weiteren technischen Equipment für einen Musiker. Die Anordnung erinnert an ein bevorstehendes Kreuzverhör. Für ein szenisches Spiel ist erstmal kein Raum auf der Bühne vorgesehen.

Das von Maja Dekleva entwickelte Format kam in diesem Jahr ohne sie selbst – zumindest auf der Bühne – aus und so betraten, wie angekündigt, die vielen BerlinerInnen bestens bekannten SpielerInnen Lee White, Inbal Lori, Gilly Alfeo und Rama Nicholas die Bühne. Dabei nahm als erste Rama Nicholas ihren Platz am zentralen Mikrofon ein. Die erste Frage war ein Fingerzeig für den weiteren Verlauf des Abends: „Haben Männer manchmal vor dir – als starke Improspielerin – Angst?“.

Ernste und persönliche Fragen, die ehrlich beantwortet wurden. Zusätzlich zu den Fragen gaben die drei „verhörenden“ SpielerInnen auch Regieanweisungen in das Gespräch, um z.B. die Emotion zu verstärken, bestimmte Mimiken zu vergrößern, in einer bestimmten Rolle zu sprechen oder so zu sprechen, als würde man mit sich selbst eine Ein-Wort-Geschichte erzählen. Durch die Verstärkungen und Verfremdungen stieg die Unterhaltsamkeit der Antworten enorm. Die Komik lebte hier vom Zusammenspiel der Ehrlichkeit, der Wahrhaftigkeit der dargestellten Emotion und der auf der anderen Seite klaren Übertreibung. Kam aber auch nur das Gefühl auf, dass eine SpielerIn nicht ehrlich antwortete, wurden die Stilmittel wieder reduziert und wir konnten ganz klar nur den Menschen erkennen.

Persönliche Bekenntnisse

Durch die Fragen, die sich sowohl um die Improvisation als auch um die Menschen drehte, wurde es zu einem Abend, an dem die SpielerInnen ihre Geheimnisse, ihre Weisheiten und ihre Ansichten über ihre Kunst, aber auch ein Stück von sich preisgaben. Rama Nicholas erzählte davon, für wie wichtig sie Liebesszenen auf der Bühne hält und gab gleich noch ein paar Tipps für diejenigen mit, die sich nicht trauen diese zu spielen: Weiter lesen…

Auf der Bühne

IMPRO 2016: Freedome Game – An Impro Odyssee

von Sören Boller:

Internationales Festival Impro 2016 BerlinBERLIN – Zu „The Freedom Game“ im Rahmen der IMPRO2016 versammelten sich am Mittwochabend den 16.03. ca. 60 Menschen im English Theatre. Angekündigt war ein „Theaterexperiment in zwei Akten“ über Wechselwirkungen des gesellschaftlich Politischen, wie Terrorangst, Vorratsdatenspeicherung oder Fremdenfeindlichkeit, auf die Freiheit und zwar mit den Mitteln des Improvisationstheaters. Ambitionierter kann eine Show schon fast gar nicht mehr angekündigt werden und deswegen war das Publikum auch mehr als gespannt darauf, was am Abend denn nun eigentlich konkret passieren sollte.

Rudy Redl überrascht das Publikum mit Sci-Fi / Foto: Sören Boller

Rudy Redl überrascht das Publikum mit Sci-Fi / Foto: Sören Boller

Begrüßt von Rudy Redl (Die Gorillas) ging es ohne große Umschweife zur Vorstellung des Casts. In einer schönen Inszenierung aus Licht und Soundeffekten stellten sich die einzelnen Spieler_Innen jeweils mit ihrer eigenen Definition von Freiheit vor: Vasiliki Kissa, Menelaos Prokos (beide Bus Kai, Athen), Rama Nicholas (Melbourne), Torgny Aanderaa (Det Andret Teatret, Oslo), Laurel Ryan (unexpected productions, Seattle) sowie Gilly Alfeo (Springmaus, Köln) und Björn Harras (Gorillas, Berlin).

Ein stark inszenierter Beginn, dem es gemeinsam mit dem Ankündigungstext zuzurechnen ist, dass die Erwartungen schnell stiegen. Rudy Redl kündigte ohne weitere Erklärungen an, in der ersten Hälfte eine Science-Fiction-Geschichte zu spielen, die in einer großen Stadt spielt.

Ein unerwarteter Genre-Abend

Dafür wurden verschiedene Vorgaben eingeholt, beginnend bei der Ferne der Zukunftsvision. Für unsere zu etablierende Zukunftsgesellschaft sollten soziale „Go‘s“ und „No-Go‘s“ vom Publikum aufgestellt werden. Also Dinge, die uns in unserer Freiheit einschränken, durch gesellschaftliche Konventionen oder sogar Gesetze. Während es in dieser Zukunft strengstens verboten war, Hunde zu streicheln wurde es sozial honoriert, in der Öffentlichkeit nackt zu singen. Zudem wurde noch der Held der Geschichte ausgewählt und es ging los. Die folgende Geschichte handelte schließlich von einer Gruppe Werhunde, halb Hund, halb Mensch, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen ihren neuen Anführer suchten.

Bjön Harras als Held der Werhunde / Foto: Sören Boller

Bjön Harras als Held der Werhunde / Foto: Sören Boller

Begleitet von wirklich sehr guten Soundeffekten und stimmungsgeladener Musik, sowie passgenauen Lichteffekten nahm die Geschichte ihren dramaturgisch wenig überraschenden Lauf. Es hatte sehr den Anschein, dass der Ablauf angelehnt an einer typischen Sci-Fi-Geschichte klar strukturiert und fast schon gescripted war. Die Vorgabe des Hunde-Streichelns wurde in der Geschichte vom Cast wundervoll verflochten und erklärt. Zuerst passive Hunde wurden später zu handelnden Figuren der Geschichte integriert. Das nackte Singen in der Öffentlichkeit wurde zwar ausgespielt aber in keinerlei sinnhaften Zusammenhang gestellt. Am Ende hatte unser Held alle Aufgaben erledigt, alle Prüfungen bestanden, alle Zweifler überzeugt und wurde anschließend von einem Polizisten kommentarlos erschossen. Black.

Fragezeichen

In der zweiten Hälfte, die mit Verzug begann, war schon eine leichte Stimmung von Unverständnis zu spüren als Rudy Redl ankündigte, in der zweiten Hälfte wieder eine Science-Fiction-Geschichte spielen zu wollen, nur mit anderen Vorzeichen: Die Geschichte soll auf dem Land spielen und der Plot dreht sich um zwei gesellschaftliche Gruppen, die einander bekämpfen, eine davon mit typisch-anarchischen Strukturen. Am Ende durfte nur eine Gruppe in der Geschichte übrig bleiben. Die Spieler sollen dazu „alle Mittel der Improvisation“ verwenden, um die jeweils andere Gruppe zu überzeugen, zu verführen oder zu vernichten. Zusätzlich wurde noch eine mittelgroße gesellschaftliche Katastrophe eingeholt, die die beiden Gruppen gespalten haben soll: Alles Wasser wurde zu Coca-Cola.

Aus den absurd wirkenden Vorgaben konstruierten die Spieler_Innen eine doch sehr ansehnliche und spannende Geschichte eines Coca-Cola-Regimes, welches seine Untertanen durch Zuckerabhängigkeit gefügig machte und versuchte, die kleine Gruppe der Unabhängigen zu bekämpfen. Die Geschichte lebte trotz einiger Anspielungen auf die potenziell politische Dimension dennoch ausschließlich von ihren Beziehungen. An einigen wenigen Stellen war das „Game“ spürbar, indem sich die Spieler_Innen gegenseitig vor inhaltliche Herausforderungen „mit den Mitteln der Improvisation“ stellten: Ansonsten überzeugten die Spieler_Innen allesamt durch wunderschön gezeichnete Charaktere und ein harmonisches Zusammenspiel. In der zweiten Hälfte ging es dann wenigstens auch ab und zu in der Geschichte um die Freiheit der Akteure, einen wirklichen Zusammenhang zwischen dem Ankündigungstext und dem schlussendlich Dargebotenen war jedoch über den gesamten Abend nicht erkennbar.

Die Frage ohne Antwort

Durch die klamaukhaften Vorgaben wurde insgesamt viel Handlung von der möglichen Realität des Publikums entfremdet und damit bedeutungslos gemacht, anstatt das Spiel mit aktuell Politischem zu verbinden. Natürlich ist das Genre des Science-Fiction ein spannendes, wenn es um die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen geht. Aber einfach nur diese Form und seine typische Dramaturgie auf eine Improshow zu setzen reicht leider nicht, wenn es dabei weiterhin ums Nackt-Singen geht und das Publikum den größten Spaß dabei hat, dass da gerade von Improspielern Tiere auf der Bühne gespielt werden. Insgesamt enttäuschte das Konzept auf ganzer Linie, der Cast überzeugte und begeisterte von vorne bis hinten und es bleibt die große Frage nach dem Warum?

Menelaos Prokos und Rama Nicholas in der Zukunft / Foto: Sören Boller

Menelaos Prokos und Rama Nicholas in der Zukunft / Foto: Sören Boller

Auf der Bühne

IMPRO 2016: Women's Show im Korsett

Internationales Festival Impro 2016 Berlinvon M. Voigt & T. Jäkel:

BERLIN – Am Sonntag den 13.03.2016 fand in der Kunstfabrik Schlot die Women’s Show statt, die als „Kultshow“ seit vielen Jahren fester Bestandteil des internationalen Festivals von Die Gorillas ist. Und wegen des hervorragenden Casts wurde dieser Abend auch ein Genuss zum Zuschauen.

Wie angekündigt moderierte „Gorilla Luise“ diesen Abend, der eine Bühne für hoch talentierte weibliche Improvisiererinnen bot. Im Rahmen des Festivals, mit dem Motto Borders, Limits und Liberty und einer klaren politischen Ausrichtung kam aber schnell die Frage auf, warum dieses Format? Es wurde tatsächliche in einem Maestro die „Queen of Impro“ gesucht und das mit den alten bewährten Improgames. Mach das eine Improshow von Frauen aus? Wettkampf? Games? Schnelle Lacher und kleine Geschichten?

Glanz und Wettk(r)ampf

Wie man aber aus dem Publikum vernehmen konnte, gefällt das, was die Frauen da tun. Wenn Rama Nicholas (Improv Melbourn, Australien) eine Zahnbürste besingt oder selbst beim von Moderation verratenen Expertenspiel Laurel Ryan (unexpected productions, Seattle, USA) und Elena Taimatova (Almaty, Kasachstan) als Roboter und Katze die Szene retten. Sie sind wirklich talentiert und ungeniert an diesem Abend und was könnten sie für wunderbare Geschichten erzählen, wenn man sie ließe. Man sieht das Können und den Glanz.

Unschön an diesem Abend gerät das Ende und das leider wegen der Moderation. Tess Degenstein (Toronto, Kanda) ergattert die Meisten Punkte und steht als Siegerin fest. Aus irgend einem Grund muss nun aber zwischen den zwei Zweitplatzierten noch eine Entscheidung fallen, damit es ein Stechen in Form zweier Regieszenen gibt. Hier hat nun auch das Publikum keine Lust mehr diesen Wettk(r)ampf zu unterstützen und votiert für Tess Degenstein und Vasiliki Kissa (Bus Kai, Athen) in gleichem Maße. Scheinbar entgeistert entscheidet sich die Moderatorin für die vormals Zweitplatzierte und damit hat auch das endlich ein Ende. Man lehnt sich sicher nicht mit der Idee zu weit aus dem Fenster, dass eine Women’s Show auch zwei Siegerinnen hätte vertragen können.

Das Fazit dieses Abends: Ja, bitte mehr Shows von Frauen, aber bitte durchdachter und gern auch mit mehr Weiblichkeit. Frauen brauchen kein Korsett.

Auf der Bühne

IMPRO 2016: Our Lives nur halb lebendig

Internationales Festival Impro 2016 Berlinvon macro:

BERLIN – Am Freitag den 18.3.2016 gab es wie schon im letzten Jahr „Our Lives“. Dabei waren 10 Spieler*innen aus 10 Ländern im English Theater zu sehen. Jeweils zwei Spieler*innen interviewten sich gegenseitig über ein von Christoph Jungmann reingerufenes Thema, wie etwa Beruf, Familie, Essen, Lernen und letztlich den Tod. Die Themenreihenfolge stand fest, die Auswahl der zu interviewenden Person kam vom Publikum. In den Gesprächen sollte es um die persönlichen Erfahrungen gehen und die nationalen Eigenheiten des bunt gemischten Casts in das Interview einfließen. Danach wechselte der Interviewte in die Rolle des Regisseurs für die davon inspirierte Szene. Im letztjährigen Artikel über „Our Lives“ forderte Thomas Jäkel die Weiterführung des Formats mit einem ausgefeilterem Konzept. Die Schwächen des Formats scheinen sich mir eher noch vergrößert zu haben.

Seichte Interviews und Energielöcher

Our Lives - Brad Fortier und Farah Shaer

Our Lives – Brad Fortier und Farah Shaer

Die Unterhaltungen auf dem Sofa waren eher von Seichtheit geprägt, Wahrhaftigkeit und Einblick in die Seele der Spielerin bzw. des Spielers oder Eigenheiten des Landes blieben leider die Ausnahme. Ich würde den Interviewteil schon als Energieloch bezeichnen. Dazu kam die umständliche Abfrage des nächsten Spielers. Christoph Jungmann tauchte beinahe überfallartig aus dem Off auf und griff sich jemand in der ersten Reihe. Diese Zuschauer sollten eine*n im dunklen Seitenoff sitzenden Spieler*in wählen, was die meistens verdutzten Zuschauer überforderte und ohne Mehrwert für die Improvisation war. Hier würde ich mir einen geschmeidigeren Rahmen wünschen.

Die erzählten Geschichten wurden in der ersten Hälfte fast nochmals vom Ensemble nachgespielt – was zum Teil von der regieführenden Person so forciert wurde. Dieses reine Reenactment doppelt für den Zuschauer die Information ohne es interessant zu erweitern. So blieb die Energie in den Szenen niedrig, ebenso die Spannung in der ersten Hälfte.

Our Lives - energetische Maschine

Our Lives – energetische Maschine des gesamten Ensembles

Mehr Spielfreude in Halbzeit zwei

Immerhin die zweite Hälfte, die nach dem exakt gleichen Muster fortgeführt wurde hatte etwas mehr Schwung. Vielleicht gab es eine Kabinen-Halbzeit-Ansprache mit einem hüpfenden Trainer – so stelle ich mir das zumindest vor. Es griff jedenfalls deutlich sichtbare Spielfreude um sich, Brad Fortier (Happy Improv Fun Time, Portland) machte den Anfang, Vasiliki Kissa (Bus Kai, Athen), Ben Hartwig (Springmaus, Köln) und Raouf Khelifa (Impro Beirut) folgten. Endlich wurden die Inspirationen eben auch mal interpretiert und die Szenenlängen und Arten etwas variiert. Selbst die Interviews nahmen etwas Schwung auf, eine gekonnte Moonwalk-Tanzeinlage von Lucien Bourjeily (Impro Beirut) mit Hilfe von DJ Mama Cutsworth (Speechless, Winnipeg) machte richtig Spaß.

Our Lives - DJ Mama Cutsworth mit wunderbarem Score und Tänzer Lucien Bourjeily

Our Lives – DJ Mama Cutsworth mit wunderbarem Score und Tänzer Lucien Bourjeily

Handwerkliche Schwächen

Von der handwerklichen Seite muss das Thema Lautstärke angesprochen werden. Das English Theater ist groß und deshalb stimmlich herausfordernd. Einige Spieler*innen waren schlichtweg kaum zu verstehen und ließen sich auch nicht von deutlich lauteren Spielpartnern volumenmäßig nach oben ziehen. Auch hemmten diverse Blocks die Entwicklung von Erzähltempo. Und zu guter Letzt wirkte für mich die Moderation von Christof Jungmann aus dem Halb-Off in Konkurenz mit der Szenenregie eher unharmonisch und fügte sich nicht in das Stück ein.

Die letzte Szene über den Tod sollte die entscheidende Weggabelung sein und diese surreale Szene funktionierte. Barbara Klehr (Die Gorillas, Berlin) und Vasiliki Kissa fanden ein schönes aus einem Mund sprechen Game und Brad Fortier, der mit seiner süßen Körperlichkeit sehr schön anzusehen war, zeigten die Klasse des Casts. Es gab dafür relativ lautstarken und anhaltenden Beifall. Ich kann mich dem nur teilweise anschließen. Die Spieler*innen waren sehenswert, die musikalische Untermalung großartig, jedoch das Konzept bräuchte für mich drastischere Veränderungen.