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Ralf Schmitt über die Impro-Hotels

von Ralf Schmitt / Claudia Hoppe:

Ralf Schmitt ist Initiator und künstlerischen Leiter des Phänomens Impro-Hotels. Im Folgenden berichtet er ein wenigImpro_hotel_Iüber die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe dieses langjährigen Projekts.

Die erste Vision des Impro-Hotels war es, echten Sonnenurlaub und Impro zu verbinden. Dabei lag uns der Austausch der damals recht inselartigen Improlandschaft am Herzen. Mit dieser Idee sind wir im Jahr 2003 zusammen mit gut 20 Leuten aus Deutschland und der Schweiz ganz pragmatisch nach Frankreich aufgebrochen. Dort haben wir eine wirklich perfekte Zeit zusammen verbracht. Als dann alle nach einer Wiederholung gefragt haben, waren die Impro-Hotels geboren und lassen uns bis heute nicht mehr los. Nach einem Ausflug nach Korfu in der letzten Saison sind wir in diesem Jahr wieder zurück in der viel gelobten Location „Casa de la Vida“ (ehemals „Casa Poesia“) im Südosten Mallorcas. Der Grund für unseren kurzzeitigen Ausflug nach Griechenland war Weiter lesen…

Auf der Bühne

12 Stunden Ausnahmezustand beim 3. Berliner Impro Marathon

bim_aufbaeumen_color_300BERLIN – Wer die Vielfalt der Berliner Improszene im Konzentrat erleben will, der sollte den 3. Berliner Impro Marathon nicht verpassen. Am Samstag den 25. April 2015 präsentieren in 12 Stunden 17 Berliner Gruppen unter dem Motto AufBäumen ihr Können. Dabei zeigen sie das beste, was Improvisationstheater zu bieten hat: Das Zusammenspiel von Menschen, die sich noch nie zuvor gesehen haben.

Leistungsschau und Kraftakt

Der Berliner Impro Marathon ist für die Teilnehmenden ein Kraftakt. Jede Gruppe darf zwei Mitglieder für 12 Stunden auf die Bühnen der Brotfabrik schicken, aber es wird nicht ausgetauscht oder ersetzt. Entweder durchhalten oder aufgeben. Das gilt natürlich nicht fürs Publikum, dass 12 Stunden das Spektakel verfolgen kann, aber natürlich nicht muss. Jedoch hat jeder Zuschauer zur vollen Stunde die Möglichkeit ein Los abzugeben. Wer lang durchhält, erhöht somit seine Chancen um 3 Uhr Nachts einen der attraktiven Preise ausgelost zu bekommen.

Die Vielfalt der Gruppen spiegelt sich im Programm: Neben dem zentralen 12-Stunden-Match, bei dem alle Marathoniken gegen die 3 Moderatoren spielen, werden verschiedene Formate präsentiert und auch die Gruppen stellen sich vor. Neu 2015 ist, dass auch eine vorwiegend französisch- und englischsprachige Gruppe mit von der Partie sein wird.

Ein Motto auf dem Holzweg

Der Tag des Baumes am 25. April war Anlass für die Organisatoren dem Marathon in diesem Jahr das Motto AufBäumen mitzugeben. Nicht nur in den Titeln der einzelnen Stunden, auch im Rahmen des Marathons ist das wiederzufinden. So wird das Waldmuseum Grunewald eine Ralley auf dem Vorplatz der Brotfabrik veranstalten und viel Wissenswertes über die heimischen Bäume präsentieren. Der Nachmittag gestaltet sich also absolut tauglich für Kinder und Familien!

3. Berliner Impro Marathon
25. April 2015, 15 Uhr – 3 Uhr
Brotfabrik Berlin, Caligariplatz 1, 13086 Berlin

Mehr Infos und Tickets unter: www.berliner-impro-marathon.de

Kunst&Handwerk

Frequenz9 Podcast über das Impro Musiker Camp

POTSDAM – Am kommenden Freitag beginnt in Potsdam im KuZe das erste Impro Musiker Camp. Vom 10.-12. April treffen sich dort Musiker aus ganz Deutschland zu einer offenen Konferenz um sich auszutauschen und zu vernetzen.

Im Interview bei frequenz9.de mit Stephan Ziron, dem Initiator der Veranstaltung, erfährt man mehr zu den Beweggründen für das Camp und den Ablauf der drei Tage.

Zum Download des Podcasts auf frequenz9.de:
frequenz9.de/frequenzimpro-036-impro-musiker-camp
Mehr Infos und Anmeldung zum Camp:
www.impromusiker.com

Personen&Gruppen

Interview mit Verena Lohner von der Steifen Brise, Hamburg

Brise_Biker

Steife Brise (v.r.n.l. Katharina Butting, Ralf Schmitt, Wiebke Wimmer, Verena Lohner, Markus Glossner, Jessica Glossner (?) )

von Claudia Hoppe:

Zum dritten Mal hatte ich das große Vergnügen, eine Spielerin der Steifen Brise aus Hamburg in meinem Podcast zu interviewen. Neben Ralf Schmitt und Katharina Butting, mit denen ich vor ein paar Monaten sprach, war diesmal Verena Lohner bei mir zu Gast.

Die Steife Brise ist mit 23 Jahren eine der ältesten Impro-Gruppen Deutschlands. “Die Brise” zeichnet sich nicht nur durch eine außerordentliche Formats-Vielfalt auch, sondern auch durch eine hohe Kompetenz im Businesstheater- und Coaching-Bereich. Um all diese Themen geht es auch in meinem Interview mit Verena.

Weiterführende Links findet Ihr im unteren Teil des Artikels auf meinem Blog. Noch mehr Interviews rund um das Thema “Impro” findet Ihr hier: Blog, Podcast-Feed, iTunes-Feed.

Download MP3 (73 MB)

Auf der Bühne

IMPRO 2015: Das Format – wegformatiert

von Sören Boller:

BERLIN – Am Abend des 16. März 2015 begrüßte Leon Düvel (Die Gorillas) das zahlreich erschienene Publikum im Ratibor Theater zur Festivalshow „Das Format“. Dabei standen nicht, wie sonst beim Festival üblich, Spieler_innen des Festivalensembles auf der Bühne, sondern die Teilnehmer_innen eines Workshops, die unter Anleitung von Leon Düvel eine neue Impro-Langform entwickelt hatten. Als musikalischer Support war Danny Jaffé am Piano (Drama Light, Mannheim).

Das Format

Das Workshopensemble holt Vorgaben für ihre Langform ein (Fotos: Sören Boller)

Das an nur vier Wochenenden von der bunt zusammengewürfelten Truppe entwickelte Format startete mit drei Geräuschvorgaben aus dem Publikum, zu denen die Gruppe anschließend eine Reihe von Freeze-Takes spielte. Im Folgenden wurden vom Publikum zwei der angespielten Charaktere ausgewählt und als Helden ihrer jeweiligen Geschichten ausgestattet.

Beide Erzählstränge wurden parallel fortgeführt und verwoben sich zu einer Langform, ohne dabei jedoch inhaltlich verknüpft zu werden. Soweit so gut. Das Konzept schien sinnvoll strukturiert und ermöglichte besonders durch feine Schnitttechniken dynamische Szenenübergänge.

Das Format

… in verschiedene Richtungen …

Format C: <Story>

Was leider nicht besonders gut funktionierte war das Storytelling. Die beiden Hauptcharaktere wurden in den ersten Szenen noch halbwegs gut mit Hintergrundinfos ausgestattet, danach verloren sich jedoch beide Erzählstränge in einem Wirrwarr aus Nebencharakteren, unklaren Zielen, halbherzigen Emotionen und konsequent nicht angenommenen Angeboten. In der Geschichte um eine Berliner Street-Workerin mit alkhoholabhängigem Ehemann ging erst um ein nicht weiter definiertes Beziehungsproblem, dann um einen nicht benannten Konflikt zwischen Kolleginnen und schließlich um ein nicht ausgesprochenes Geheimnis der Heldin.

Der andere Erzählstrang handelte von den letzten Überlebenden einer außerirdischen Spezies („Klingor(!)nen“), die auf ihrem Flug durchs Weltall Flashbacks der Berufswahl erlebten, dann von einem bösartigen Parasiten befallen wurden, welcher dann aber keine Rolle mehr spielte, und schlussendlich wurde die Suche nach einem neuen Planeten, der aus unbekannten Gründen das Überleben der Spezies garantieren sollte, erzählt. Die Show war nach nur knapp 50 Minuten ohne ein klares Ende der Erzählstränge vorbei, worauf noch ein paar Out-Takes aus beiden Geschichten gespielt wurden.

Wer hochkarätiges Improtheater erwartet hatte, wurde an diesem Abend enttäuscht. Als Workshoppräsentation – und so war die Show ja auch angekündigt – trotzdem ein unterhaltsamer Abend und vor allem eine schöne Abwechslung im Festivalprogramm.

Auf der Bühne

Impro 2015: Die Hoffmanns 1990

von macro:
BERLIN – Am 20.3.2015 gab es den nun schon fünften Teil der Hoffmanns-Familiensaga. Wir befanden uns im für die Stadt spannenden Jahr 1990 direkt nach dem Fall der Mauer. Die immense Vorgeschichte der Familie wurde auf zwei A4-Seiten jedem Zuschauer vorher überreicht und ein Stammbaum hing im Foyer des English Theater.

Die Hoffmanns 1990: Alan Cox, Lara Mottola, Mike Fly, Inbal Lori

Die Hoffmanns 1990: Alan Cox, Lara Mottola, Mike Fly, Inbal Lori

Naomi Snieckus (The National Theatre of the World, Toronto), die Regisseurin für Teil 5 und 6 ließ vom Publikum die Spieler für die jetzt lebenden Hoffmanns bestimmen: Hilde Hoffmann wurde von Lara Mottola (Quinta tinta, Turin) gespielt, Alan Cox (The School of Night, London) war Hildes Bruder/Onkel Karl, Hildes Kinder wurden Mike Fly (Toronto) und Inbal Lori (Three Falling, Tel Aviv). Ebenso wurde das Publikum zu diesem Jahr nach Ereignissen, Musik, Erfindungen u.ä. befragt.

Marko Mayerl, Inbal Lori, Robert Munzinger, Felipe Ortiz

Marko Mayerl, Inbal Lori, Robert Munzinger, Felipe Ortiz

Es wurde wieder in Kostümen gespielt, diesmal auch mit Garderobe an der Seite zum schnellen umziehen nach Bedarf. Der Sonderpunkt für die mutigste Kleidung ging dabei an Felix Raffel (Die Gorillas, Berlin), der am Piano mit einem Trikot der Fußball-Nationalmannschaft begleitete. Ähnlich wie in der von mir gesehenen Show Die Hoffmanns 1925 wurde mit einer zweigeteilten Bühne gearbeitet. Fokuswechsel waren das Häufigste Schnittmittel, die Szenenübergänge waren sehr organisch und flüssig.

Marko Mayerl

Marko Mayerl als Elfmeterschütze im WM-Finale 1990

Das Stück als gesamtes funktionierte im Gegensatz zu 1925 diesmal nicht so gut. Das initiale Angebot von Hilde, das Haus zu verkaufen, was sicherlich storytechnisch viel Potential entfalten könnte, wurde nur halbherzig auf die Auswirkungen der Familie untersucht. Es war Thema vieler Szenen, in denen wir kaum mehr über die Beziehung zwischen den Personen erfuhren und es mehr ein Abarbeiten am Plot war. Einige Nebenplots entwickelten mehr Kraft. Hildes Freund Felipe Ortiz (Picnic, Bogota) und ihr Sohn Matthias waren auf einer Technoparty (toll anzusehen) mit Afterhour auf einem Kreuzberger Dach bevölkerten Robert Munzinger (Die Gorillas, Berlin), Marko Mayerl (inédit théâtre, Straßburg) Maja Mommert (frei.wild, Berlin) und trafen dort auf den grummeligen Bewohner Lee White (Crumbs, Winnipeg). Eine Anti-George W. Bush-Demo geriet zum Desaster, als von diesem Dach Hildes Sohn Matthias mit einem Steinwurf einen Polizisten schwer verletzt. Im weiteren Verlauf ist hier vor allem Robert Munzinger stark, der sich berühren und uns teilhaben lässt, wie seine Figur zerbricht.

Hoffmanns 1990: Robert Munzinger, Inbal Lori

Hoffmanns 1990: Robert Munzinger, Inbal Lori

Lee White mit klar definiertem Want seiner Figur, der aufmerksam supportende Marko Mayerl oder die darstellerischen und physischen Fähigkeiten von Felipe Ortiz sorgen für schön anzusehende einzelne Szenen. Ebenso nehmen wir am WM-Final-Elfmeter teil, den die Hoffmanns im TV schauen. Viel an dem plotlastigen Stück scheint diesaml kopfgesteuert, ein*e Spieler*in spielt seine*ihre Idee, es wird nicht unbedingt Zug um Zug gemeinsam aufgebaut. Durchbricht dieses Muster, entsteht pure Schönheit – wie bei einer stockenden Flirtszene zwischen Karl und Siri (Beate Fischer, Theatersport Berlin), die Marko Mayerl als wuselnde Emotion in Gang und so die Liebe in des Stück bringt. Die beiden setzen dann auch den dramatischen Endpunkt mit dem Tod Karls und der Gänsehaut bereitenden Verzweiflung Siris.

Hoffmanns 1990 Mike Fly, Felipe Ortiz, Robert Munzinger

Mike Fly, Felipe Ortiz, Robert Munzinger

Gedanken zu den Hoffmanns

Das Konzept war mutig. Die Saga war klar das Zentrum des diesjährigen Festivals und es war ein Experiment. Sechs Shows sind auch ne ganze Menge. Ich hab mich vielen Zuschauern unterhalten – die häufigste Frage dieses Jahres war: Welche Jahre hast du gesehen? Wie es mir aus Erzählungen scheint, waren die Ensemble-Übergangsjahre am schwierigsten, also 1955 und 1990. Das Ensemble bekam unglaublich viel Informationen und Vorgaben, die sie sich erst zueigen machen mussten.

Die Nennung der konkreten Jahreszahl setzte die Erwartung an geschichtliche Daten hoch – was in der Improvisation schnell an die Leistungsgrenze für die Spieler kommt. Letztlich ist das Behaupten ja eine Spielqualität, die mit Fakten stark kollidiert. Im Nachhinein regte es zu Diskussionen an, was war falsch, was war richtig. Ich erfuhr einiges über die 20er Jahre in Berlin und unterhielt mich über Computer und Musik 1990. Und damit schafft das Stück etwas Wesentliches, was über den Moment hinausgeht.

Auf der Bühne

Impro 2015: Improvision Song Contest - singen macht glücklich

von macro:

BERLIN – Am 18.3.2015 fand im sehr gut gefüllten Mehringhof-Theater ein Dauerbrenner des Berliner Festivals statt – der Improvision Song Contest. Hier steht die Kunst des improvisierten Singens im Zentrum des Abends. Moderator Leon Düvel (Die Gorillas, Berlin) eröffnet mit einem vorbereiteten Song und fasste es so schön zusammen: improvisiert ist besser und er sollte recht behalten. Eine Jury aus 6 Zuschauern, die Wertungskarten von 1-5 Punkten erhielten, wurde etwas langatmig gefunden, dann ging es los.

Improvision Song Contest

Begleitet vom musikalischen Leiter des Abends Rudi Redl (Die Gorillas) schmetterte Luise Schnittert (ebenfalls Die Gorillas) gekonnt einen Song über die Berliner Müllabfuhr und das mit Inbrunst. Der erste Song macht gleich klar – das wird heute großartig. Jim Libby (English Lovers, Wien), der als nächstes einen Schlager über Affen performen sollte, fing gleich an viel direkten Kontakt zum Publikum zu suchen. Mit seinem Charme erreichte er viele Herzen.

Lara Mottola (Quinta tinta, Turin) wurde von Moderator Leon, dessen schwaches Englisch inzwischen schmerzhaft ist, zu einer Diashow-Einlage gebeten, deren Sinn mir nicht ganz klar wurde. Das Impro-Game war schnell vorbei, ein Song über Rasierklingen auf französisch folgte, denn für Lieder sind wir ja hier. Beate Fischer (Theatersport Berlin) erhielt die Vorgaben Froschkönigin als Rap, was sie umwerfend gut meisterte. Die Reime so gestellt, dass das Hauptwort am Ende der zweiten Zeile steht, wirkt immer unglaublich smart. Inzwischen unterstützen die anderen mit Background-Performances den Sänger und hatten gemeinsam sichtlich Spaß. Roberto Garelli (ebenfalls Quinta tinta) chansonierte über Casalinga – Hausfrau oder Madrelinga – Muttersprache, was der Moderator leider nicht herausarbeiten konnte. Rama Nicholas (Impro Melbourne) beendete rockig einen euphorischen Song über das gegenseitige Kratzen wegen einer Laus.

In der zweiten Hälfte hatten die drei Finalisten (Beate, Rama und Jim, der im Stechen gegen Luise weiter kam) jeweils die Regie: Jim als erster nutzte die Wildcard, um ein Musical als Romantic Comedy über die Liebe festzulegen. Und mit seinem ganzen Charme trieb er die beiden Haupthelden zu einem furiosen Kussfinale. Es war toll zu sehen, wie er als Regisseur die Eckpunkte der Story so präzise festlegte, das es leicht wurde für die Spieler und sie glänzen konnten. Insbesondere Beate und Luise brillierten hier!

Beate Fischer als zweite Finalistin inszeniert ein Musical im Businessbereich. Jim und Rama zeigten ihre ganze Spielfreude. Eine Szene in italienisch zwischen Lara und Roberto war lustig und klar, ohne das ich ein Wort verstehen konnte. Mit einem der längsten Sätze, die je eine Geschichte beenden hat, löste Jim Libby den Auftrag der Regie unglaublich humorvoll.

Improvision Song Contest

Die Zeit war stark voran geschritten, so konnte Rama nur das Ende einer Oper inszenieren. Eine Fechtszene, deren Teilnehmerinnen sich ums klare Definieren drücken wollten, legte kurzerhand Rama Nicholas selbst fest und formte sie zu einem würdigen Finale. Jim Libby ging als Sieger aus dem Abend hervor, was aber allen herzlich egal war – denn es war eine tolle Show. Zwei Zugaben gab es noch, das Publikum hätte gern noch mehr gehabt, das sagt eigentlich alles. Singen macht eben glücklich.

Auf der Bühne

Impro 2015: Die Hoffmanns 1925 - Beginn der Familiensaga

von macro:
BERLIN – Am Montag den 16.3.2015 begann im vollbesetzten English Theater im Rahmen der IMPRO 2015 “Die Hoffmanns – eine Berliner Familiengeschichte”. Die insgesamt 6 Teile spielen jeweils in einer anderen Zeit – beginnend 1925 entspinnt sich die Familiensaga weiter mit den Stationen 1937, 1955, 1970, 1990 und 2015.

Die Hoffmans. A Berlin Family Story.

Mignon Remé läßt die Charaktere und ausstatten

Zu Beginn wird das Grundsetting der Familie vom Publikum festgelegt. Mignon Remé (hidden shakespeare), Regisseurin der ersten beiden Zeiten fragt nach dem Familienstand und Namen der Hauptfiguren und wer von den insgesamt neun Spielern, die alle in passenden Kostümen der Zeit auftreten, diesen Character verkörpert. Die Hoffmanns sind Banker Günter (Thomas Chemnitz, Die Gorillas) und seine Frau Käthe (Naomi Snieckus, The National Theatre of the World) sowie deren Kinder Alfred (Jim Libby, English Lovers) und Ingeborg (Rama Nicholas, Impro Melbourne). Es wird noch der Geschäftspartner des Vaters Heinz Krüger (Randy Dixon, unexpected productions) definiert, die anderen Spieler bleiben vorgabenfrei. Mignon Remé fragt das Publikum noch nach Ereignissen aus der Zeit, Verkehrsmitteln, Politik und Lebensstil. Obwohl eine ganze Menge abgefragt wird, wirkt es keinesfalls langatmig, sondern schön auf den Punkt. Die Familiengeschichte beginnt.

Die Hoffmanns 1925

Die Bühne ist zweigeteilt – die linke Bühnenhälfte dominiert ein großer Tisch mit mehreren Stühlen und wird zum Wohnraum der Familie. Der rechte Teil der Bühne bleibt frei und bietet flexibel Raum für diverse Locations. Es beginnt mit einer Familienszene und wir lernen die Charaktere kennen. Es gibt keine harten Schnitte außer einigen Schwarzblenden vom Licht (das sonst die Bühnenausleuchtung oft etwas zu dunkel hielt für meinen Geschmack). Die Figuren treten frei auf und ab. Geschickt werden Fokuswechsel von den Spielern zwischen den Bühnenhälften benutzt (unterstützt vom Licht), um die Handlung voranzubringen und uns über die Motivation der Figuren aufzuklären. Ebenso werden von diversen Figuren innere Monologe gehalten, was eine schöne Nähe zu den Personen erzeugt.

Die Hoffmanns

Die Hoffmanns. Naomi Snieckus, Rama Nicholas, Thomas Chemnitz und Jim Libby

Das Ensemble spielt großartig zusammen. Besonders Naomi Snieckus und Jim Libby setzten ihre Mitspieler_innen mit präzisen Angeboten toll in Szene, so dass alles leicht und natürlich erscheint. Ebenso Thomas Chemnitz als steifer und bürgerlicher Preuße überzeugte mich sehr in seiner Rolle. Und auch die Nebencharaktere (Luise Schnittert, Konstanze Kromer, Roberto Garelli, Beto Urrea) spielten stark und hatten einen Blick dafür, was gerade fehlte. Leichte Missverständnisse werden sofort geklärt, vieles wirkt sehr geschmeidig und stark im Zusammenspiel als Team. Schauspielerisch sind alle stark, Naomi Snieckus könnte ich mir stundenlang bei staubsaugen und schüchternen flirten mit einem Reparateur ansehen.

Mixed Fokus

Mixed Fokus: Beto Urrea und Naomi Snieckus sowie Randy Dixon und Luise Schnittert

Der Zeitbezug zu Berlin bleibt etwas unterbeleuchtet. Wir sehen zwar sowohl Upperclass wie auch Arbeiterklasse, aber die konkrete Zeit um das Jahr 1925 bleibt eher schemenhaft. Publikumsvorgaben wie Inflation, Nazionalszialisten, Kommunisten oder die U-Bahn wurden nicht aufgegriffen. Dafür entwickelte sich die Beziehungsebene innerhalb der Familie sehr stark. Und auch so wurde es eine sehr komplexe Geschichte, und es war gut, nicht jeden Strang weiterzuführen.

Berlin 1925

Berliner Party- und Konzertleben 1925. An der Musik: Rudi Redl

Dan Richter schrieb als Chronist die Ereignisse mit – und das in der Pause sichtbar per Beamer, was mir sehr gut gefällt. Die Mitschriften werden täglich veröffentlicht und an Zuschauer und Spieler verteilt, um die Geschichten wirklich aufeinander aufbauen können. Und ein kleiner gesetzter Cliffhanger am Schluss war ein smarter Zug. Ich hörte von etlichen Zuschauern nach der Show, das sie unglaublich gern wissen würden, wie es weiter geht. Und mir geht das auch so. Diese Familiensaga zeigt, wie stark Improtheater im Zusammenspiel sein kann.

Mehr Fotos gibt es auf dem Impro-News Google Plus Kanal.

Auf der Bühne

IMPRO 2015: Our Lives - gute Idee ohne Konzept

Impro 2015von Thomas Jäkel:

BERLIN – Am Samstag den 14.03.2015 verhieß das Programm der Impro 2015, das die Spieler in der Show mit dem Titel “Our Lives” zu bestimmten Begriffen “das charakteristische ihres Landes in Bezug auf dieses Thema improvisiert auf die Bühne bringen”. Diese wunderbare Showidee, die aus der kulturellen Vielfalt der Teilnehmenden schöpft, blieb leider weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Die Bühne des Ratibortheaters war sogar mit 10 statt der angekündigten 8 Spieler gefüllt. Die kulturelle Vielfalt des Casts erstreckte sich von Deutschland, Österreich, Italien über Israel, USA, Kanada bis nach Columbien und Argentinien. Christoph Jungmann begrüßte in seiner Anmoderation die Zuschauer und erklärte das Prozedere des Abends: Auf Karten geschriebene Begriffe wurden vom Publikum gezogen und eine_r der Spieler_innen verband diesen mit einem persönlichen Erlebnis.

So erinnerte der Begriff Bildung zum Beispiel Beatrix Brunschko an ihre Schulzeit, als es begann, dass auch Jungs in ihrer Schule unterrichtet wurden und dies schnell zu Konflikten führte. Das Publikum hatte seinen Spaß an den Albernheiten, mit denen die erzählte Episode nachgespielt wurde. Leider blieb das Format an dieser Stelle stehen. Das angekündigte “Unter-die-Lupe-Nehmen” der Themen in den unterschiedlichen Kulturen blieb aus. Statt dessen wurde ein neuer Begriff gezogen und von einem anderen Improvisateur mit seiner Geschichte beantwortet.

Die Idee war gut, aber es fehlte an Konzept. Die Spieler wirkten damit oft allein gelassen und so wurden meist die monologisch vorgetragenen Erfahrungen lediglich nachgespielt. Das Potential dieses theatralen Kulturaustausches zeigten hingegen Szenen wie die von Lee Withe, der zum Thema City über Winnipeg sprach. Aufgrund der Kälte und flachen Weite (“You can see your dog run away for days”) setzte er eine Situation mit 3 Fremden an einer Bushaltestelle bei minus 35°C auf, die als Beginn einer Szene die Kollegen zu echter Improvisation anregte. Auch versuchte Randy Dixon eine Collage zum Thema Arbeit und Improvisation, die eine sehr abstrakte Möglichkeit zum Umgang mit der Showidee zeigte. Was für Potential.

Mehr von solchen Inspirationen, aber auch das Entgegenstellen von typischen Eigenarten aus den Ländern oder eine tiefer fragende Moderation hätten diese gute Idee zu einem Konzept ausgebaut. Das Publikum des Abends schien auf seine Kosten gekommen zu sein, die Improvisierer vielleicht nicht so sehr. Daher die Bitte: Die Idee wieder ins Programm aufnehmen, aber am Konzept noch feilen.

Auf der Bühne

IMPRO 2015 - Geschichte und Geschichten

BERLIN – Am Freitag den 13.03. startet die 14. IMPRO – das internationale Festival von Die Gorillas. Die 27 Künstler des Festivalensembles stammen aus 13 verschiedenen Ländern und werden in 27 Shows improvisieren. Als Medienpartner wird Impro-News auch in diesem Jahr wieder umfassend berichten.

Die erste Neuerung 2015 ist, dass die Eröffnung des Festivals an drei Orten stattfinden wird. Das Publikum wechselt am Eröffnungsabend zu allen drei Spielstätten und lernt so das gesamte Ensemble kennen.

Impro 2015 – Die Hoffmanns

Mit “The Hoffmanns – A Berlin Family Story” steht ein Format im Zentrum des Festivals und ist auch Bildmarke in diesem Jahr. Der internationale Cast sowie die gastgebenden Gorillas werden diese Familie an sechs Abenden im English Theatre Berlin zum Leben erwecken. Beginnend im Jahr 1925, wird das Publikum bei der Entwicklung der Charaktere eingebunden und sie dann über Generationen bis ins Jahr 2015 begleiten.

Von Solo bis Geschrieben

Einigen Shows aus den Vorjahren (Women‘s Show, ImproVision, That‘s it) stehen wieder auf dem Spielplan. Doch auch Neuerungen hat das Festival zu bieten wie zum Beispiel “Our Lives”, in dem Besonderheiten der eingeladenen Länder im Zentrum des Geschehens stehen. Ein weitere Schwerpunkt sind 2015 Soloshows: Beto Urrea (Kolumbien) ist mit seinem körperbetonten Ein-Mann-Abend erstmals beim Festival dabei sowie Omar Galvan aus Argentinien, mit »Blank«.

Ein absolutes Novum bei der IMPRO: zwei nicht-improvisierte Theaterabende stehen auf dem Spielplan. Rama Nicholas aus Australien präsentiert ihre Märchenfortsetzung “After Ever After” und Marko Mayerl aus Frankreich seine Familiengeschichte: “Mon nom est Némo”.

Impro 2015
13.-22. März 2015
www.improfestival.de