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Impro-Zitate

Der Impro-Spieler, der keine Geschichte erzählt, ist gefangen in einer Tretmühle, immer einen neueren, besseren Witz zu machen. — Keith Johnstone

Shows Berlin

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Auf der Bühne

IMPRO12 - Das Spiel mit Klischees (Videos)

von Stephan Holzapfel:

Dass eine Szene auch sehr unterhaltsam sein kann, wenn man die Sprache der Szene nicht versteht, beweisen die folgenden Videos. Per Gottfredsson (Stockholm) und Davide Arcuri (Mailand) spielten wechselseitig einen “typischen Schweden” und “typischen Italiener”. Diese Szene begeisterte das Publikum besonders.

Matthieu Los und Julie Doyelle (Lyon) zeigten mit beeindruckender Körpersprache eine archetypische Annäherung zwischen einer “französischen Frau” und einem “deutschen Mann”.

Auf der Bühne

Potsdamer Improfestival die 2.

POTSDAM – Das erste Potsdamer Improfestival fand Ende Oktober 2011 statt und brachte eine Woche lang improvistertes Theater ins Studentische Kulturzentrum, dem KuZe. Der Erfolg des Festivals spornte den Organisator Sören Boller an, 2012 den Weg weiter zu gehen. Da wir von Impro-News.de im vergangenen Jahr das Festival präsentierten, kam es dazu, dass Thomas Jäkel (Gründungsredakteur) mit in die Organisation einstieg. Boller und Jäkel übernehmen nun also Organisation und künstlerische Leitung des Festivals.

Improvisateure, Gäste aus Kanada und Studenten

Das Festival 2012 hat drei große Schwerpunkte. Erstens wird der Berliner und Brandenburger Improszene eine Spielfläche geboten. Dazu wird es in den ersten Festivaltagen (2.-6.11.2012) Themenshows geben, die wie im letzten Jahr mit Spielern und Spielerinnen verschiedener Gruppen besetzt werden. “Das ist Impro, wie es besser nicht sein kann. Man lernt sich kurz kennen und spielt miteinander. So habe ich letztes Jahr viele spannende Leute kennengelernt.” sagt Thomas Jäkel.

Der zweite Teil findet am Mittwoch und Donnerstag statt. Hier wird es ein außergewöhnliches Workshopkonzept geben. Eingeladen sind Dennis Cahill und Shawn Kinley aus Kanada. Beide kommen vom berühmten Loose Moose Theatre aus Calgary, das Keith Johnstone gründete. Dennis Cahill ist dort als Artistic Director und unterrichtet, wie auch Shawn Kinley. Kinley ist sicher einer der gefragtesten Lehrer für Improvisation, mit seinen über 30 Jahren Unterrichtserfahrung. “Es war nicht einfach sie zu buchen, aber wir sind froh, dass wir 2 Tage Workshop mit beiden anbieten können und zum Abschluss noch eine Show.” so Sören Boller.

Der dritte Teil des Festivals ist ganz auf improvisierende Studenten ausgerichtet. Bisher haben deutsche, aber auch eine österreichische Gruppe ihre Teilnahme an dem StudentenCup zugesagt. Neben Improshows in verschiedenen Kategorien wird es auch Zeit und Freiraum für die Studenten geben sich auszutauschen und voneinander zu lernen.

Bei Interesse bitte mailen

Da das Festival noch keine eigene Hompage hat, kann man momantan den Verantwortlichen bei Interesse nur eine E-Mail schicken. Wer sich also für den Workshop oder das Mitspielen bei den Shows interessiert, kann so weitere Informationen erfragen. Unter dieser Adresse findet man eine Kontaktformular: thomasjaekel.theaterblogs.de/?page_id=469

Kunst&Handwerk

IMPRO12: Wie hat Impro dein Leben verändert?

von Stephan Holzapfel:

“How did improv change your life?” Das war das Motto der Podiumsdiskussion am 31.03.12 im Rahmen des internationalen Festivals für Improvisation der Gorillas. Unten gibt es den kompletten Videomitschnitt, außerdem eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte.

Es diskutierten:

Lee White, The Crumbs (Kanada)

Sena Taşkapılıoğlu, Istanbulimpro (Türkei)

Jeron Dewulf, De Improfeten (Belgien)

Einig waren sich alle drei, dass Impro ihr Leben verändert habe. Lee erzählte, dass er durch Impro regelmäßig in Situationen käme, bei denen er nicht wisse, wie er mit ihnen klarkommen solle und dann schaffe er es doch. Das sei auch eine hilfreiche Erfahrung fürs sonstige Leben.

Für Sena verändert Impro das Verhältnis zum Publikum und das Auftreten auf der Bühne auch bei klassischen Theaterstücken. Impro hätte sie gelehrt, auch außerhalb der Bühne besser zuzuhören. Sie mag an Impro vor allem, dass man etwas tut, an das man nie gedacht hat. In einer Szene hätte jeder Spieler tausend Ideen, aber gespielt werde keine davon, stattdessen erschaffen sie etwas Gemeinsames. Interessant sei auch die Erfahrung, dass man noch lange nicht etwas tun kann, nur weil man es weiß.

Freiheit statt Regeln

Jeron betonte vor allem die Freiheit des Improtheaters. Er sei davon abgekommen, von “Regeln” zu sprechen, denn dann würden sich die Spieler hinter der Bühne gegenseitig Fehler vorwerfen oder sich geblockt fühlen. Die einzige Regel sei, dass man selbst, die Mitspieler und das Publikum Spaß haben solle. Wenn das nicht passierte, sollte man z.B. fragen, warum der Mitspieler unzufrieden mit einem war. Vielleicht lag es tatsächlich an einem selbst, vielleicht hat man aber auch einfach nur nicht seine Erwartung erfüllt. Dann sei es sein Problem, denn Impro bedeute ja, das Unerwartete zu erwarten.

Statt Regeln lehre er Techniken und Werkzeuge (“tools, not rules”). So sei es z.B. erfahrungsgemäß günstig, eine Szene positiv zu beginnen, aber auch mit einem negativen Anfang könnten großartige Szenen entstehen. Beim Impro könne man in jedem Moment rechts oder links abbiegen. Im echten Leben habe er deshalb starke Probleme mit Regeln, die ihm sinnlos erschienen und würde schon mal Polizisten in Diskussionen verwickeln.

Es sei aber nicht so, dass er im echten Leben genauso schlagfertig sei wie auf der Bühne, auf der eine andere Konzentration herrsche. Durch eine blöde Bemerkung sei er im Alltag ziemlich schnell aus dem Konzept zu bringen.

Lee hat zu Hause seinen Raum, in den niemand darf. Wenn er aber raus gehe, versuche er genauso offen zu sein wie auf der Bühne. Impro habe sein Leben aber auch zum Negativen verändert, denn er sei immer auf der Suche nach der nächsten großartigen Show. Das sei wie bei einer Droge, ständig müsse man mehr investieren und höhere Risiken eingehen, um das nächste Level zu erreichen. Die 10-20 Shows dazwischen seien manchmal hart, aber das sei es wert.

Improspieler brauchen Input

Lee meinte, man müsse ständig nach Dingen suchen, die einen inspirierten, er würde z.B. schon mal 8 Std. Star Wars gucken. Er habe oft Schüler, die die besten Improspieler werden wollten, dabei hätten sie einen Full-Time-Job in einer Bank. Er sage ihnen dann, dass sie alles für die Kunst, an die sie glauben, aufgeben müssten. Er selbst habe weder Ehefrau noch Kind noch Hund noch Auto.

Jeron hat seine Frau immerhin durchs Impro kennengelernt, ist inzwischen aber wieder geschieden. Auch er betonte die Wichtigkeit von Input – um etwas herauszukriegen muss vorher etwas hinein. Eine belgische Prominenten-Quizsendung würde ständig von Comedians gewonnen, weil die jeden Tag Zeitung läsen, er selber läse täglich drei.

Sena findet Inspiration vor allem durch das tägliche Leben. Lee meinte dazu, Winnipeg sei da nicht so anregend wie Istanbul.

Die Frage, ob man sagen sollte, dass man improvisiert, wurde einhellig bejaht. Aber kurz sollte es sein, in Deutschland werde vor der Show manchmal 5-10 min. geredet. Lee meinte, er wolle eine Show sehen und keinen Showmaster. “Less talk, more rock”. Viel Reden könne die Magie verringern. Jeron meinte, dass es einem einen Vorteil gäbe, wenn man sagt, dass man improvisiert. Das Publikum würde einem mehr Zeit geben und nicht wie bei einer Standup-Show alle 30 sec. einen Witz erwarten. Und wenn etwas Lustiges passiert, seien die Zuschauer überraschter und lachten schneller, weil es spontan erfunden wurde.

Immer wieder die gleichen Geschichten

Auf die Frage, ob sie schon mal die gleiche Geschichte mehrfach erzählt hätten antwortete Lee, dass seit Anbeginn der Menschheit immer wieder die gleichen Geschichten erzählt würden, z.B. Mann trifft Frau und sie verlieben sich oder nicht. Star Wars und Harry Potter z.B. seien im Grunde die gleichen Geschichten. Die Herausforderung sei, die gleiche Geschichte auf immer neue Art und Weise zu erzählen. Jeron meinte, dass es trotz allem genug Freiheiten gäbe. Vor 10 Jahren hätte er gesagt, dass er nie einen Gag wiederhole, weil man das von einem Improspieler erwarte, doch letztlich würde jeder Sachen wiederholen. Allerdings würden sie aus dem Moment heraus wieder neu erfunden, manchmal erinnere man sich auch gar nicht daran, sie schon einmal gespielt zu haben.

Wie wichtig Publikumsvorschläge sind, wurde unterschiedlich eingeschätzt. Sena fand sie sehr wichtig, denn sie wolle etwas mit dem Publikum zusammen machen. Lee meinte, dass von Leuten in einem dunklen Raum die miesesten Sachen kämen (Ort: Klo, Gegenstand: Dildo). Aber er habe Spieler gesehen, die wirklich gute Sachen vom Publikum kriegten und andere, die einfach mittendrin das Publikum fragten, weil sie selbst nicht inspiriert seien. Brauchen täte man Vorschläge nicht unbedingt.

Jeron sagte, er wolle in der Langform keine große Publikumsbeteiligung.

Ohne Idee auf die Bühne

Die Frage, ob sie auch mal leer auf die Bühne gingen, wurde von Lee und Jeron mit „ständig“ beantwortet. Lee vergäße oft die ersten Szenen, gehe ahnungslos auf die Bühne und warte, bis sein Partner Steve ihn anspräche und er sich so erinnere. In der Szene selbst habe er solche Momente allerdings nicht. Jeron meinte, ohne Idee auf die Bühne zu gehen könne einen aufmerksamer machen. Man solle darauf vertrauen, dass es immer irgendeinen Impuls gäbe, und sei es ein Knack aus dem Publikum

Echte Angst vorm Scheitern hätten die drei inzwischen nicht mehr, man sei auch vorher gescheitert und habe es überlebt. Sena meinte, man scheitere sowieso immer wieder, entscheidend sei, wie man damit umgehe. Lee regte an, das Scheitern nicht negativ zu sehen, es mache einen erfolgreich, wenn auch langsamer. Der einzige echte Fehler sei, nichts zu tun. Jeron habe beobachtet, dass manche bei Stress regelrecht erstarrten. Er habe gelernt, sich dann einfach wieder zu bewegen, dann ginge es auch weiter

Personen&Gruppen

IMPRO2012: Interview mit Mike Fly

BERLIN – Zur Impro 2012, dem internationalen Festival der Gorillas war Mike Fly in Berlin. Der Kanadische Improvisierer erlangte internationales Ansehen mit seinem Improv Monologue Project. Thomas Jäkel von Impro-News sprach mit ihm am 31.03.2012 auf den Straßen von Berlin über Impro in Kanada und seinen persönlichen Werdegang. Als kleinen Höhepunkt der Aufnahme hält Mike einen kurzen Improv Monologue über Berlin. Das Interview ist in Englisch.

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Hier noch die in der Aufnahme erwähnten Videos mit Billa Christe und Mike Fly:

Auf der Bühne

IMPRO12: Videos vom National Theater of the World

von Stephan Holzapfel:

Am 30.03. spielte das kanadische Trio ein Comedyformat, die “Carnegie Hall Show”, daraus sind die Dating-Szenen.

Am 31.03. wurde unter dem Titel “Impromptu Spendor”  im Stile von Tschechow und Woody Allen gespielt. Beide Langformen sind ganz zu sehen, von Woody Allen zusätzlich eine Kurzfassung. Außerdem gibt es noch einen Interviewausschnitt.

Dating Scenes from “Carnegie Hall Show” (siehe auch Impro-News Artikel zu dieser Show)

Scenes from “Impromptu Splendor – Woody Allen” (siehe auch Impro-News Artikel zu dieser Show)

Complete Story “Impromptu Splendor – Woody Allen” (siehe auch Impro-News Artikel zu dieser Show)

Complete Story “Impromptu Splendor – Tschechow” (siehe auch Impro-News Artikel zu dieser Show)

Berlin Interview with National Theater of the World

Das Interview in voller Länger als Audiodatei.

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Auf der Bühne

IMPRO12: Gurke oder Banane – eine Gorillas-Kultushow ist in der Welt angekommen

von Manuela Hoffmann:

BERLIN – Eine internationale Truppe des Improfestivals 2012 haben am 31.03. im Ratibor-Theater den Gorilla-Klassiker Gurke oder Banane „bearbeitet“. Das Publikum aus aller Herren Länder wurde bestens unterhalten, da diese Kultshow dieses Mal auf Englisch „vollbracht“ wurde. Und an diesem Abend kämpften folgende Mitspieler um seine Gunst: Barbara Klehr (Gorillas, Berlin), Mignon Remé (hidden shakespeare, Hamburg), Lee White (CRUMBS ,Winnipeg Kanada) und Per Gottfredsson (Stockholms Improvisationsteater, Schweden). Und die fabelhafte musikalische Unterstützung an diesem Abend kam von Norbert Riechmann alias Harry Hawai (Gorillas, Berlin).

IMPRO 12: Der Butler und sein Gebieter Foto: Manuela Hoffmann

Der Butler und sein Gebieter, Foto: Manuela Hoffmann

Der Abend lief nach dem uralten Prinzip der fiktiven Stiftung der Gorillas, die den besten Improspieler des Abends prämiert und der üblicherweise vom Publikum durch Klatschsalven gekürt wird. Und dieser Show-Dauerbrenner ist vermutlich in der gesamten Improwelt unseres Planeten mittlerweile bekannt. Dies bewiesen die Sprachen, die an diesem Abend im Publikum des Ratibor-Theaters zu hören waren.

IMPRO12: Der verzweifelter Polarbär Foto: Manuela Hoffmann

Der verzweifelter Polarbär, Foto: Manuela Hoffmann

Am Anfang der Show gab es allerdings einige „Durchhänger“, die die ersten zwei Szenen der Show ziemlich langatmig und unkoordieniert aussehen ließ.  Erst in der dritten, in der der Butler und sein Gebieter sich endlich näher kamen, gewann das Spiel an Fahrt. Das lag vermutlich an sprachlichen Missverständnissen innerhalb der Gruppe. Lee White sprach im schnellen Englisch und erst ein bisschen später korrigierte er sein Tempo und passte sich dem Sprachniveau der anderen Spieler an. Und dieser ausdrucksstarke Verwandlungskünstler Lee White fiel an diesem Abend besonders in der Rolle des Polarbärs auf.

www.improfestival.de
www.die-gorillas.de
www.crumbs-in-europe.com
www.hiddenshakespeare.de

Auf der Bühne

IMPRO12: W-Show

von Sören Boller:

BERLIN – Eine Show von Frauen für Frauen und Männer sollte es werden im ausverkauften(!) Mehringhoftheater am Mittwoch-Abend. Die Moderatorin des Abends Billa Christe (Gorillas/Berlin) hatte neben ihrer Assistentin Eva mit Inbal Lori (Three Falling/Tel Aviv), Naomi Snieckus (National Theatre of the World/Toronto), Sena Taşkapılıoğlu (Istanbulimpro/Istanbul), Vera Passy (Springmäuse/Bonn), Regina Fabian (Gorillas/Berlin), Mignon Remé (hidden Shakespeare/Hamburg) und der Musikerin Katie Freudenschuß (hidden shakespeare und placebotheater (Münster/Hamburg) ein erstklassiges und rein weibliches Ensemble um sich versammelt.

Weibershow Foto: Sören Boller

Inbal Lori bei einem Expertenvortrag, Weibershow, Foto Sören Boller

Eine der Frauen sollte dabei zur „Miss IMPRO12“ gekürt werden. Für die Wahl wurden den ganzen Abend über klassische Theatersportspiele improvisiert: das Quadrat, „das klingt nach einem Lied“, der Toaster und jede Menge andere Formate.

Das Publikum sollte per Applaus-O-Meter nach jeder Szene über Punkte für die darin auftretenden Spielerinnen abstimmen. Das fast alle Szenen die volle Punktzahl erreichten, war weder überraschend noch verkehrt. Die gute Stimmung der mit Leichtigkeit und Charme improvisierenden Frauen konnten sie vor allem auch dank der lockereren, aber dennoch souveränen Moderation auf das Publikum übertragen. Dem dadurch fast garantierten Szenenapplaus war es auch geschuldet, dass es bis kurz vor dem großen Finale ein Kopf-an-Kopf-Rennen aller Frauen gab, aus dem nur knapp die drei Finalistinnen Mignon Remé, Vera Passy und Naomi Snieckus hervorgingen.

Das Finale

Weibershow Foto: Sören Boller

Die frisch gekürte Miss IMPRO12, Weibershow, Foto: Sören Boller

In der letzten und entscheidenden Runde mussten sich die drei verbliebenen Spielerinnen auch noch als Regisseurin beweisen und mit Hilfe der anderen Schauspielerinnen ein kurzes Stück ganz nach ihrem Geschmack inszenieren. Alle drei konnten dabei unter Beweis stellen, dass sie auch als Dramaturginnen einiges drauf haben. Am Ende musste sich das Publikum natürlich irgendwann entscheiden, so dass die „Miss IMPRO12“ heisst: Naomi Snieckus! Herzlichen Glückwunsch! Weniger allerdings für diesen Titel, als vielmehr für den durch und durch gelungenen Abend!

www.improfestival.de

Auf der Bühne

IMPRO12: Deutsch-türkische Integration durch Impro-Comedy

von Manuela Hoffmann:

BERLIN – Vier „Gorillas“ und vier türkische „Istanbulimpro“-Spieler sowie Atilla Akinci aus Stuttgart, gaben am Montag Abend den 26.03. im Kreuzberger Ratibor-Theater eine zweistündige Impro-Darbietung der besonderen Art. Die Protagonisten des Abends haben eine Reihe von Impro-Instrumenten dazu genutzt, um zu erkunden, ob sie vestanden werden.

Der gesamte Abend kam beim Publikum sehr gut an. Die Zuschauer gewürdigten die ausgereiften Künste der Impro-Profis mit Jubel, Applaus und Lachen. Die  „Gorillas“ an diesem Abend waren: Billa Christe, Leon Düvel, Tom Jahn und Michael Wolf. Die Vertretter der in Istanbul beheimateten Truppe „Istanbulimpro“ waren: Evren Gülseven, Sena Taskapilioglu, Erkan Uyaniksoy und Koray Tarhan. Auch sie besaßen alle eine grundsolide Schauspielausbildung, die sie an diversen türkischen Unis absolvierten. Evren Gülseven kann noch dazu eine fundierte Ausbildung als Musikpädagoge vorweisen und unterstützen so an diesem Abend die gesamte Gruppe mit der elektrischen Gitarre musikalisch. „Istanbulimpto“ ist in der Türkei auch durch TV-Auftritte bekannt. Ein Glücksfall für alle war aber der frischgebackene Schauspieler Atilla Akinci aus Stuttgart. Denn er mutierte im Laufe des Abends zum  Sprachmittler zwischen der spielenden Gruppe und dem Publikum.

Die Gorillas und Istanbulimpro am 26.3 Foto: Manuela Hoffmann

Die Gorillas und Istanbulimpro, Foto: Manuela Hoffmann

Die Impro-Profis haben an diesem Abend versucht , auf die Frage „wer integriert wen und wann werde ich verstanden“, eine trifftige Antwort zu geben. Es ging los mit einem kurzem instrumentalen Intermezzo, in dem u.a. „Exoten“ wie tastenlose Trompette und ein Cajon zum Einsatz kamen. Danach folgten Tanz-Einlagen und ein Impro-Song zum Thema Glück und Freihet, denen ein Vortrag folgte über die  Eigenarten der deutschen und türlischen Seele. Ich persönlich fand an dieser Stelle ziemlich Schade, dass nur der billinguale Teil des Publikums den ersten Teil des Programms voll auskosten konnte. Denn nur diese Menschen konnten auch die türkischen Spieler verstehen.  Und dass diese richtig lustig waren, konnte ich an den Jubel-Reaktionen dieser „Glückspilze“ erahnen. Zum Glück war später Atilla Akinci als Sprachmittler da,  der  „geschwindt“ in beide Sprachrichtungen dolmetschte.

Der mann nach einem Waschmaschinengang, Foto: Manuela Hoffmann

Der mann nach einem Waschmaschinengang, Foto: Manuela Hoffmann

Nach der Pause konnte Evren Gülseven das Publikum zum kurzen Kanon-Singen verleiten, was ich als gutes Mittel empfand, dieses wieder „aufzuwärmen“ und in das Geschehen einzubinden. Weiter ging es mit der deutschen Abwandlung der türkischen Geschichte „Meddah“, die die Istanbuler Truppe gewöhnlich zu Hause spielt. Das Publikum dürfte noch typischen Geschichte-Vorlagen machen und so entstand eine „Gorilla-Version“ des Lebens eines Solar-Mannes, der mit Frau, Hyäne und zwei sprechenden Kamelen seine Existenz als Erbauer der Solaranlagen in der Wüste aufzubauen versuchte.

Danach folgte eine Freez Tag-Reihe, die zeigte, was aus einer simplen Kamera-Tasche in den Händen der Impro-Profis alles so werden kann – vom Taschentuch bis zum Haudegen – war ziemlich alles drin. Zum brüllen komisch war eine Szene der türkischen Spieler, die ich als Improform sehr interssant finde. Die Szene in ihrer Gesamtheit wieder nur von dem billingualen Teil des Publikums verstanden werden konnte. Diese wurde dann von den „Gorillas“ übernommen und so gespielt, wie sie die Szene ohne verbaler Übersetzungshilfe verstanden hatten. Heransgekommen ist ein Waschmaschinengang, in dem ein Mann mit Hilfe einer Ladung Weichspüler schnell gewaschen werden wollte. Dieser köstlicher Abend ging zu Ende mit dem improvisierten Song „Bis zum nächsten Mal in Istanbul !“. Es wunderte mich nicht, dass das Publikum mit lauten Rufen Zugabe verlangte. Diese folgte auch in Form von Takeouts.

www.improfestival.de
www.die-gorillas.de
www.istambulimpro.com

Auf der Bühne

IMPRO12: Work&Result

von Sören Boller:

BERLIN – So richtig viel Platz gab es am Dienstagabend, dem 27.03. nicht in der Werkstatt von Burkhard Freutel, dem Gestalter des Ratibor-Theaters. Mit ca. 15 Gästen, sowie dem Ensemble bestehend aus Lee White (CRUMBS/Winnipeg), Tomaz Lapajne (Kolektiv Narobov/Ljubljana), Davide Arcuri (Teatribu/Mailand), Erkan Uyanıksoy (Istanbulimpro/Istanbul), Robert Munzinger (Gorillas/Berlin) und Evren Gülseven (Istanbulimpro/Istanbul) an der Gitarre sowie natürlich Burkhard Freutel selbst, war es eng, aber gemütlich. Bereits vor der Show versuchten sich die Improvisateure ein wenig mit der Werkstatt und ihrem Interieur vertraut zu machen, wobei der Versuch von Tomaz Lapajne eine gebrochene Sonnenbrille zu reparieren leider scheiterte. Das allerdings, wie es beim Impro sein soll, mit Freude.

Werkstatt-Impro oder Impro-Werkstatt?

Foto: Work&Result von Philippe Schumann

Work&Result Foto: Philippe Schumann

Ziel der Show sollte es sein, ein neues Impro-Format in der zweiten Hälfte live entstehen zu lassen. Doch das war gar nicht nötig, denn von Beginn an war das neue Format bereits geboren. Zu Beginn hatte Burkhard „Burki“ Freutel etwas Zeit über die Werkstatt, ihre Entstehung und ihre Besonderheiten zu erzählen. Dabei kamen nicht nur interessante Details über einige Werkzeuge und Gegenstände, sondern auch über ihn selbst zum Vorschein, so dass die Werkstatt immer mehr eigenen Charakter bekam. Mit dem Slogan der Werkstatt „Alles Denkbare ist auch machbar“ nach A. Einstein und der Offenbarung warum Burki diese Werkstatt so gern hat: „jede beschissene Idee kann man hier verwirklichen“, war auch schon klar, warum gerade hier Impro gespielt werden sollte.

Das bis dahin schon längst gefesselte Publikum bekam wenig später die ersten Szenen des Ensembles zu sehen, in welchen sich die Improvisateure von verschiedensten Elementen der erzählten Geschichten und der „Requisiten“ der Werkstatt inspirieren ließen. Zusammen mit dem Publikum konnten so einige wichtige Fragen des Lebens beantwortet werden. Zum Beispiel die in einer schönen Szenen mit der neuen Berufsgilde der „Schildhalter“ in einem wunderbaren Lied verpackte Antwort: gebraucht zu werden, nützlich zu sein!

Neues Impro-Format?

Work&Result Foto von Philippe Schumann

Work&Result, Foto von Philippe Schumann

Bevor der leider relativ kurze Abend mit einer überzeugenden Science-Fiction-Geschichte endete, wurde allerdings noch schnell in einem Figurentheater geklärt, warum der Weihnachtsmann beziehungsunfähig ist und in welchem Zusammenhang das mit seiner Werkstatt steht.

Wo ist jetzt das neue Format geblieben? In der Werkstatt von Burkhard Freutel! Denn nur hier kann dieses Format bestehen. Es ist unwiderruflich mit „Burki“ und seiner Werkstatt verknüpft und kann nicht wiederholt werden. Genau das hat diesen Abend aber auch so einzigartig schön gemacht!

Work&Result Pnaorama Foto von Philippe Schumann

Panorama Work&Result Foto von Philippe Schumann

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Auf der Bühne

IMPRO12: 15 Minutes of Fame mit den Crumbs

von Sören Boller und Stephan Holzapfel:

BERLIN – Es leuchten ja viele helle Sterne am Himmel der IMPRO12, doch manche lassen sogar das Publikum erstrahlen. So lautete zumindest das Versprechen des kanadischen Impro-Trios „The Crumbs“ für ihre Show „Your 15 minutes of fame“. Um das Publikum besser einordnen zu können, forderten Steven Sim und Lee White gleich zu Beginn das stehende Publikum auf: „Everyone ever having earned a cent with Imrov, sit down please!“ Auf diese Weise wurde weiter ausgesiebt, sodass am Ende nur noch ein gutes Dutzend Improunerfahrener stand. Für jede der kurz darauf beginnenden Szenen suchten sich die Crumbs eine freiwillige Person und eine Vorgabe.

Nach den ersten Szenen über eine warmherzige Professorin, über das einsame Leben im Wald und über den Gegensatz zwischen verkopfter Theorie und “einfach machen”, gewann das Publikum immer mehr an Vertrauen. Die Crumbs führten ihre Hauptakteure gekonnt mit Witz und Charme durch Geschichten von den ganz großen Gefühlen. Sie erzählten von Pedro und seiner dramatischen Familienzusammenführung, über die unerfüllte Liebe zur Yogalehrerin, über Zootiere, die über die Welt grübeln und über mögliche vorherige Leben als Wüstentier. Die Zuschauer machten  dabei Bekanntschaft mit großen Genies, Kindern des Glücks, hoffnungslos Verliebten und flirtenden Supermarktverkäufern.

„Nein, da habe ich keine Lust drauf!“

Obwohl einige der spontan auf die Bühne gesprungenen es den Crumbs nicht ganz leicht machten und auch öfters mal ein bei Impro-Anfängern nicht zu vermeidendes „Nein, da habe ich keine Lust drauf!“ mit auf die Bühne brachten, wurde es nie langweilig. Für Improspieler war es spannend zu sehen, wie Steve und Lee die Szenen voranbrachten und ihre Mitspieler gut aussehen ließen: Konsequentes Akzeptieren, kleinste (auch unbewusste) Angebote aufnehmen und groß machen, die Szene auf die Beziehung zwischen den Figuren lenken und Emotionalität ausspielen. Die Crumbs verstanden es wie keine anderen, ihren eigenen Humor und ihre Spielfreude einzubringen und dabei den Fokus trotzdem den vielleicht an diesem Abend neu entdeckten Improvisateuren zu überlassen. Dass nicht jeder der Bühnengäste an diesem Abend gänzlich ohne Improerfahrung war, war wohl nicht ganz zu vermeiden, denn im rappelvollen Ratibortheater war die Berliner Improszene gut vertreten.

Keiner der insgesamt zehn Freiwilligen wird es wohl bereuen an diesem Abend mit den ganz Großen der Improwelt auf einer Bühne gestanden zu haben. Sie alle ernteten tosenden Applaus für ihre Darbietungen.