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Wenn der ganze Abend frei improvisiert ist, braucht man sowohl Freiheit als auch Fokus. Darauf muss man sich einstimmen. Man nehme sich die Zeit. — Dan Richter

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Kunst&Handwerk

Interview with Jacob Banigan

von Stephan HolzapfelJacob Banigan Show:

The Canadian improviser Jacob Banigan, 40, started his career over 20 years ago at Rapid Fire Theatre in Edmonton. He followed his Austrian girlfriend to Graz, where he now lives.

He talks about his solo-show “Game of Death”, why he likes to play animals, what a good improviser should have, how everything started and about the cultural differences in improv.

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Videos with Jacob Banigan

Another Interview with Jacob Banigan

Auf der Bühne

IMPRO 2013: Interview mit Christoph Jungmann

BERLIN – Die IMPRO 2013, das internationale Improvisationstheaterfestival der Gorillas, wirft seine Schatten voraus. Wie es nun schon zur Tradition geworden scheint, sprach Redakteur Thomas Jäkel mit dem Festivalleiter Christoph Jungmann. Die Themen des Podcasts sind: die eingeladenen internationalen Improvisierer, die neuen und bewährten Formate des Festival sowie der diesjährige Schwerpunkt des Festivals.

Wir hoffen mit diesem Interview einen umfassenden Einblick sowie einen komplexen Vorgeschmack auf des Festival geben zu können. Und hiermit eröffnen wir unsere Berichterstattung zum Festival.

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Personen&Gruppen

Video vom Keith Johnstone-Gespräch

von Stephan Holzapfel:

Am 24. September 2011 fand im English Theatre Berlin ein Gespräch von Keith Johnstone mit seinem deutschen Verleger Alexander Wewerka vom Alexander Verlag Berlin statt. Das folgende Video ist eine Aufzeichnung dieses Gesprächs vor Publikum.

 

Personen&Gruppen

Interview mit Keith Johnstone

Am 24.09.2011 hatten wir (Thomas, Stephan, Marco) die Gelegenheit, die Impro-Legende Keith Johnstone bei seinem möglicherweise letzten Besuch in Deutschland zu interviewen. Mit dabei war Alexander Wewerka vom Alexander Verlag, der seine Bücher in Deutschland verlegt.

Keith Johnstone und Alexander Wewerka, Foto: Impro-News

Keith Johnstone und Alexander Wewerka, Foto: Impro-News

Eigentlich müssen wir Keith hier vermutlich nicht mehr vorstellen. Der heute 80-jährige gilt zusammen mit Viola Spolin und Del Close als der Begründer des Improvisationstheaters. Er hat das berühmte Loose Moose Theater in Calgary/Kanada gegründet und das Theatersport-Format (sowie etliche andere bekannte Impro-Formate) erfunden. Keith verdanken wir viele der heute im Training und auf der Bühne ausgeführten Impro-Spiele. Seine Bücher “Improvisation und Theater” sowie “Theaterspiele: Spontanität, Improvisation und Theatersport” (beide erschienen im Alexander-Verlag) gehören zur Grundausstattung jedes Impro-Interessierten.

Wer wissen möchte, warum Keith seit Jahren kein Improvisationstheater mehr anschaut, was er von Publikums-Vorgaben hält und warum ihm das Risiko beim Improtheater so wichtig ist, der kann das ganze Interview gleich hier anhören oder es als Podcast herunterladen:

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Personen&Gruppen

Interview mit Jim Libby

Jim Libby, Foto: Impro-News

Jim Libby stammt aus Maine (USA), lebt aber mittlerweile in Österreich, wo er als Schauspieler, Regisseur, Autor und Musiker tätig ist. Jims Engagement für Improvisations-Theater begann bereits vor über 10 Jahren, als Gründungsmitglied der Wiener Impro-Gruppen “The English Lovers” und “urtheater”. Auch bekannt als der “Impro-Papst von Wien” ist Jim eine treibende Instanz der Europäischen Impro-Szene. So ist er z.B. Kapitän der Österreichischen Impro-Nationalmannschaft und tritt mit internationalen Impro-Größen auf.

Jim liebt die Langform und hat selbst viele Impro-Formen etabliert: u.a. Blind Dates, Pfadfinder der Liebe (Beste neue Langform, Halle 2006), Salon Eva, Damen Dramen (Beste neue Langform, Halle 2009) und Ella Meant.

Jim tourt als Spieler und Trainer durch Europa und Nordamerika. Wir haben ihn im Rahmen des 10. Impro-Cup Berlin am 05.06.2011 in Berlin interviewt.

Im Interview hört ihr…:

  • wie Jim die Kraft der Improvisation für sich entdeckt hat, indem er Songs auf seiner Gitarre für das Straßenpublikum erfunden hat.
  • wie er seiner Gruppe “The English Lovers” gegründet hat.
  • warum die Impro-Szene eine Verantwortung hat, besser zu werden.
  • warum Impro-Spieler sich nicht hinter den Impro-Spielen verstecken sollten.
  • was ist eine Langform eigentlich ist.
  • warum eine Langform dichter am klassischen Theater ist und warum man hierfür mehr Handwerkszeug benötigtt
  • was die Bedeutung von Regeln bei Langform-Formaten ist.
  • warum man Regeln kennen sollte, um sie anschließend brechen zu können.
  • welche Formate Jim selber aktuell spielt.
  • was hinter seinem Format “Historionix” steckt.
  • wie der private Mythos zum öffentlichen Traum werden kann.
  • wie man während einer Show etwas vom Publikum lernen kann.
  • wo Improtheater in 20 Jahren stehen kann.
  • warum Jim der Meinung ist, dass unwiederholbare Ereignisse in der heutigen Zeit an Wert gewinnen können.

Hier das Interview gleich zum Anhören:

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Links zu Jim:

Jim Libby kann als Trainer von Improgruppen gebucht werden. Weitere Infos unter: jim(at)jimlibby.com


Auf Impro-News erschienen bereits folgende Audio-Interviews mit international bekannten Impro-Trainern:

Interview mit Stephen Sims (Crumbs)

Interview mit Billa Christe (Gorillas, Berlin)

Interview mit Shawn Kinley (Loose Moose Theater, Kanada)

Interview mit Matthieu Loos zu “Im Stile von..: Ionesco” (Compagnie Combats Absurdes, Frankreich)

Personen&Gruppen

Impro seit der Schulzeit: Interview mit Sonja Vilč vom Kolektiv Narobov

Von Ronald Pabst

Sonja Vilc

Sonja Vilč ist Mitglied des Kolektiv Narobov; die Gruppe aus Slowenien wurde für ihre Arbeit schon mit zahlreichen internatioalen Preisen ausgezeichnet – Publikumspreis für die Performance “Call” (Improvaganza Festival, Edmonton, Kanada; Impronale, Halle/Saale), Ježek-Preis für das interaktive Hörspiel “Big Sister”, Beste Langform für die Performance “De.Kons” (Impronale, Halle/Saale). Die Narobovs gastierten in den sechs Jahren ihres Bestehens bereits auf zahlreichen Bühnen in Europa (u.a. in Amsterdam, Antwerpen, Berlin, Bremen, Graz, Köln, Lyon, Stockholm, Skopje, Wien, Zürich) sowie Nordamerika (Edmonton, Portland, Seattle, Vancouver, Victoria). Auch als Trainer und Workshopleiter treten sie in Erscheinung. Im Nachklang zum 6. Kölner ImproFestival sprach Sonja über ihr Verständnis von Impro-Theater, ihre Projekte und gab Tipps fürs Spielen.

 

Impro-News.de: Hallo Sonja. Du hast ja schon in vielen Ländern auf der Bühne gestanden. Wie reagieren denn die Menschen auf deine Shows?

Sonja Vilč: Ich merke, dass es andere Gewohnheiten gibt. Menschen in den verschiedenen Ländern lachen an ganz unterschiedlichen Stellen. Im Vergleich zu klassischen Theatern ist das Impro-Publikum viel lockerer. Die Leute sind ja Teil der Show; wenn das Publikum gut drauf ist, läuft die Show besser. In Deutschland müssen wir nach den Shows meist mehrmals auf die Bühne, um den Applaus ganz mitzunehmen (lacht).

Gibt es denn Unterschiede in der Art, wie Impro gespielt wird?

Die Gruppen „erziehen“ ihr Publikum. Wenn eine Gruppe immer klassischen Theatersport bietet, dann erwarten ihre Zuschauer genau das. Wer es sich zutraut, eine breitere Palette zu zeigen, der wird ein Publikum finden, das dafür offen ist. Genauso entscheidend ist der Ort, an dem die Vorstellung stattfindet: In einem Comedy-Club entstehen andere Shows als in einem Experimentaltheater.

Wie hat dir denn das Festival in Köln gefallen?

Das Festival hat viel Spaß gemacht; aber auch viel Arbeit. Ich habe zusammen mit Maja eine Narobov-Show gespielt und beim Improstern mitgemacht. Zudem habe ich drei Tage lang einen Workshop geleitet. Außerdem habe ich mir noch zwei Shows angesehen. Und das alles in nur 5 Tagen. Es war sehr abwechslungsreich. Unsere Show war in einem kleinen Underground-Theater; die Gala um den Improstern war hingegen sehr vornehm.

Wie bist du denn dazu gekommen, Impro-Theater zu spielen?

In der Schule: In Slowenien spielen bereits die vierzehn- bis achtzehnjährigen Schüler; oft gibt es Gruppen, die von Trainern angeleitet werden. Im Theatersport treten verschiedene Schulen gegeneinander an. Diese Auftritte sind natürlich gut besucht; es ist schön, sehr lustig und geht manchmal richtig zu Sache. Dort habe ich Maja (Dekleva Lapajne) und Alenka (Marinič) kennengelernt, die auch beim Kolektiv Narobov mitspielen.

Was genau macht ihr beim Kolektiv Narobov?

Unser Kolektiv besteht aus fünf Mitgliedern. Wir machen ganz unterschiedliche Projekte – nicht nur Impro. So spielen wir zum Beispiel die „Grand Big Tour“. Das ist eine Performance, bei der wir als Stadtführer gewöhnliche Viertel eines Ortes vorstellen. Dabei erzählen wir ein paar Geschichten von dem Ort und arbeiten mit einstudiertem Text – der dann doch wieder an Situation und Zuschauer angepasst wird. Das nächste Mal sind wir mit dieser Show am 13. Mai in Enschede (Niederlande) zu sehen. Im Mai spielen wir auch in Slowenien. Dort machen wir bereits schon das 10. Jahr ein großes Spektakel – eine Art Parodie des European-Song-Contests. Jedes Jahr im Oktober veranstalten wir ein Theaterfestival. Es heißt: „The Naked Stage.“ Wir haben schon viele ganz unterschiedliche Künstler eingeladen: Schauspieler, Tänzer und Musiker. Bei den bisher neun Festivals hatten wir schon 31 Gruppen aus 15 Ländern zu Gast.

Wie seid ihr zu dem Namen gekommen? Was bedeutet er?

Bei der Namensgebung haben wir uns entschieden, auf das Wort „Impro“ zu verzichten: Einerseits passen unsere ganz unterschiedlichen Projekte in die Kategorie „Darstellende Künste“ oder „Live Arts“; andererseits wollen wir keinen Unterschied zwischen „Impro“ und „Theater“ machen. Wir haben erst unter dem Namen „Theater Narobov“ gespielt. Aber wegen unserer Arbeitsweise passt da Wort „Kolektiv“ viel besser. Narobov ist ein Wortspiel. Auf slowenisch klingt es nach „am Rande“ und „nicht richtig“; zugleich klingt das Wort aber wie ein osteuropäischer Theaterexperte; den gibt es aber nicht.

Was ist dein Ziel auf der Bühne?

Ein übergeordnetes Ziel kann ich gar nicht nennen. Das hängt immer vom konkreten Projekt ab. Auf jeden Fall habe ich das Ziel, das jeweilige Konzept ins Leben zu bringen. Ich möchte gute Shows spielen und in dieser Zeit eine spannende Beziehung oder sogar Verbundenheit zwischen den Performern und dem Publikum erreichen.
Was mir auf der Bühne sehr wichtig ist, ist Zwischenräume zu schaffen, in denen aktives Zuschauen stattfinden kann – wo die Zuschauer ihre eigenen Gedankenwelten und Bilder einbringen können. Es ist immer eine Herausforderung, eine Reibung unterschiedlicher “Wahrheiten” und verschiedener Wahrnehmungsebenen hervorzurufen. Das heißt, für die Zuschauer ein Feld zu öffnen, wo sie gleichzeitig mehrere Perspektiven eines Ereignisses erleben können, wo sie eine Verschmelzung von Bildern, Klängen, Sprache erfahren können und einzigartige, unerklärbare Details spüren. Daraus stammt die Kraft nicht nur des Theaters, sondern der Künste im Allgemeinen.
Natürlich mache ich andererseits auch gerne Shows, wo man nur mit purem, trashigem Spaß spielen will. Wobei auch dieser Ansatz durchaus seine eigene Poesie erzeugen kann.

Hast du einen Tipp für Impro-Spieler? So etwas wie eine goldene Regel?

Das ist eine schwere Frage. Vielleicht ist es die: Sei offen und habe selber Spaß an dem, was du auf der Bühne machst.

Was hast du in deinem Kölner Workshop „Rhythmus in Improvisation“ unterrichtet?

In meinem Kurs habe ich vier Möglichkeiten gezeigt, mit denen der Rhythmus einer Szene beeinflusst werden kann. Es sind die Bewegung, die Sprechgeschwindigkeit, die Reaktion auf den Partner und der Abstand zwischen den Beats. Jede davon kann variiert werden: von ganz langsam bis superschnell. Auf der Bühne tendieren Spieler oft dazu, im gleichen Tempo zu agieren. Dabei können sich aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Spieler sehr interessante „Stilwandel“ und schöne, aber auch fesselnd ungewöhnliche Szenen ergeben.

Kunst&Handwerk

Masken im Improvisationstheater

von Heike Reissig:

Masken haben eine uralte und faszinierende Tradition. Ihre Wurzeln liegen im Kult und bei vielen Völkern werden sie noch heute bei rituellen Tänzen verwendet. In unseren Breitengraden haben bekanntlich viele Menschen große Freude daran, sich zu Karneval oder Fastnacht hinter einer Maske zu verstecken. Auf der Bühne sind Masken hierzulande eher selten zu sehen; sie werden vor allem mit Commedia dell’arte sowie japanischem und chinesischem Theater in Verbindung gebracht.

Masken finden aber schon seit langem auch im Improvisationstheater Verwendung. Keith Johnstone, der legendäre Schauspiellehrer, Gründer des Loose Moose Theatre in Calgary, Kanada und einer der Begründer des modernen Improvisationstheaters, arbeitet schon seit den 1960ern mit Ganz- und Halbmasken und entwickelte daraus sein Konzept der „Trance Masks“. Diese Tradition der Maskenarbeit wird heute vor allem von Steve Jarand weiter vermittelt, einem Schüler von Keith Johnstone und Ensemblemitglied des Loose Moose Theatre.

Steve Jarand

(c) Steve Jarand

Kürzlich nahm ich an einem Masken-Workshop mit Steve teil und konnte bei dieser Gelegenheit ein interessantes Interview mit ihm führen. Darin gewährt er einige philosophische Einblicke in die faszinierende Welt der „Trance Masks“ und erklärt, wie die Arbeit mit Masken Impro-Darstellern helfen kann, auch wenn sie beim Improvisieren eigentlich gar keine Masken benutzen.

H: Steve, du arbeitest schon sehr lange mit Masken. Warum arbeitest du so gern mit ihnen?

S: Weil sie nicht urteilen, weil sie keine bestimmte Haltung haben, weil sie nicht versuchen, besser zu sein als ich. Sie sind einfach nur. Wir können keine Referenzen oder rationale Argumente benutzen, um sie besser zu machen. Solche Dinge können wir in unserem alltäglichen Leben einsetzen, wenn wir erreichen wollen, dass etwas besser aussieht als es ist. Wenn jemand viele Diplome hat, kann er so reden und handeln, als ob er mehr weiß, auch wenn das keinen Sinn ergibt; die Leute werden ihm glauben oder es zumindest versuchen, sie werden ihren Instinkt und ihre tieferen Gefühle unterdrücken, nur um ihm zu glauben, denn das ist das, was sie denken sollen oder was sie zuvor bereits gedacht haben. Doch all diese gesellschaftlichen Spielregeln oder Statusgeschichten kann man bei Masken nicht einsetzen, denn Masken sind viel einfacher gestrickt und viel näher an der Wahrheit als wir.

Wenn Kinder während einer Show aufstehen und gehen, weil sie sich langweilen oder sagen „das ist blöd!“, was kannst du darauf erwidern? Du kannst es nicht abstreiten. Du kannst nicht sagen, „weißt du, wir sind hier in einem Theater und du sollst so und so denken und fühlen“. Das geht nicht. Sie sind Kinder, also akzeptieren wir es. Und genau so ist es auch mit Masken: Was auch immer sie fühlen oder nicht fühlen, müssen wir akzeptieren.

H: Du bietest Masken-Workshops und die Arbeit mit Trance Masks für Improdarsteller an. Warum nennt sich das „Trance Masks“?

S: Weil wir versuchen, die Teilnehmer durch die Arbeit mit den Masken in eine Art Trance zu versetzen und ihnen so zu ermöglichen, diesen urteilsfreien, einfachen, kindlichen Wesenszustand, von dem ich eben sprach, wieder zu entdecken.

H: Damit sie nicht so verkopft sind und stattdessen intuitiv reagieren?

S: Genau.

H: Trance Masks bezieht sich auf die Arbeit mit Halbmasken, also auf Masken, die nur einen Teil des Gesichts bedecken.

S: Das stimmt. Wir arbeiten zwar auch mit Ganzmasken, aber wir verwenden Halbmasken, um die Leute in diesen tranceähnlichen Zustand zu versetzen und ihnen so zu ermöglichen, ihren Verstand und ihre Gedankenmuster einmal beiseite zu stellen. Dann können sie mithilfe der Halbmaske ganz unmittelbar und intuitiv aus dem Moment heraus reagieren. Sie können spüren, was genau gerade in diesem Moment passiert und wie sich das von Moment zu Moment ändert.

H: Kannst du mal etwas näher beschreiben, wie die Arbeit mit den Halbmasken eigentlich abläuft?

S: Wir benutzen dabei einen Spiegel, um auf diese Weise das Gesicht zu isolieren. Dieser Spiegel wird der Person, die die Maske trägt, vor das Gesicht gehalten. Sie sieht dann nur die Halbmaske im Spiegel und die Teile ihres Gesichts, die nicht von der Maske bedeckt sind, also vor allem den unteren Gesichtsbereich, Mund, Kiefer, Kinn. Und dann erlebt sie, wie dieser sichtbare Teil von ihr sich mit der Halbmaske zu einem neuen, ausdrucksstarken Wesen verbindet. Dieser Moment der Begegnung ist sehr aufregend.

H: Wenn ich dich richtig verstehe, geht es also darum, spontan und ohne nachzudenken auf den Anblick des Spiegelbildes zu reagieren und die Halbmaske auf diese Weise ganz intuitiv durch die eigene Gesichtsmimik zu ergänzen. Bei unserem Workshop heute Nachmittag hast du gesagt, dass es auch auf die richtige Balance ankommt. Es geht darum, wirklich sofort zu reagieren, sobald man das Spiegelbild sieht. Warum?

S: Wenn man zu lange wartet, reagiert man nicht mehr intuitiv, sondern weil man eine bestimmte Idee oder Vorstellung im Kopf hat. Meistens haben die Leute die Maske vorher ja auf dem Tisch liegen sehen, bevor sie sie aufsetzen und dann fängt man oft ganz automatisch an, sich vorzustellen, wie sie sich wohl anfühlen wird und wie sie wohl aussehen wird, wenn man sie erst trägt. Ganz wichtig ist aber auch, dass man das Spiegelbild wirklich gut sehen kann. Wenn du die Maske aktivierst, bevor du sie überhaupt sehen kannst, reagierst du ebenfalls nicht intuitiv, sondern auf Basis einer bestimmten Vorstellung, die du hast. Dann bist du nicht wirklich im Moment und deine Begegnung mit dem Spiegelbild ist nicht intuitiv, sondern überlegt.

H: Es ist ja sehr wichtig, dass du als Trainer die Leute anleitest, wenn sie eine Maske tragen und sie bei dieser Erfahrung begleitest.

S: Ja. Manche Leute erleben so eine Art allgemeines, abstraktes Gefühl des „Maskiertseins“, andere reagieren ganz aufgeregt oder wild. Wenn ich die Teilnehmer anleite, fordere ich sie bewusst dazu auf, ihre Reaktion groß und stark zu machen. Das erzeugt bei vielen einen wahren Energieschub. Das ist auch gut so, aber es kommt auch darauf an, dieser Energie und Ausdrucksstärke eine Richtung zu geben. Wir, die Zuschauer, möchten auch sehen, dass die Person in der Maske etwas Konkretes, Reales tut und dass sie ehrlich dabei ist. Vor allem aber versuchen wir darauf zu achten, dass die Person in der Maske wirklich unmittelbar und intuitiv reagiert, ohne es vorher zu planen.

H: Es geht also darum, ehrlich zu sein, zu spüren, was in dem Moment, wenn man sein Spiegelbild erblickt, wirklich da ist und diese intuitive Reaktion dann zu nutzen, um die Maske mit Leben zu füllen?

S: Ja.

H: Ehrlich zu sein bedeutet dann also auch, dass man vielleicht lernen kann zu erkennen, wann man nicht ehrlich ist und einfach nur schauspielert? Und dass man das Erkennen dieses Unterschieds mithilfe der Masken trainieren kann?

S: Das stimmt. Es geht nicht darum, ob unser Verstand dazwischenfunkt und versucht, unsere Handlungen zu kontrollieren, zu manipulieren oder zu beurteilen, sondern darum, wann er es tut. Unser Verstand funkt immer dazwischen. Das ist ja die Aufgabe unseres Verstandes, er soll verstehen, begreifen, Pläne machen. Es ist also ganz normal, dass wir unseren Verstand dauernd einsetzen wollen, auch dann, wenn wir mit Masken arbeiten. Worum es geht, ist die Fähigkeit zu entwickeln, den Verstand im Hintergrund zu halten und zu sehen, wie weit wir ihn ausschalten können, damit unsere Intuition, Spontaneität, Impulsivität oder wie auch immer man es nennen will, mehr Raum bekommt. Im Grunde trainieren wir, den Verstand auszuschalten.

H: Inwiefern kann die Maskenarbeit hilfreich für Improdarsteller sein, wenn sie beim Improvisieren gar keine Masken benutzen?

S: Alle Improdarsteller, ob es ihnen nun bewusst ist oder nicht, haben diese Neigung, die Dinge mit ihrem Verstand zu kontrollieren und in ihren Gedanken eine Zukunft zu erschaffen, die noch gar nicht da ist. Das bedeutet aber, dass sie eigentlich gar nicht mehr improvisieren: Stattdessen sind sie verkopft, sie denken darüber nach, wo sie sein sollten oder darüber, wo sie gerade waren. Sie sind überall, nur nicht im Moment. Die Maskenarbeit kann uns helfen zu lernen, nicht ständig im Voraus zu planen und stattdessen im Moment zu sein. Und diese Lernerfahrung kann man dann natürlich auch in die reguläre Improvisation ohne Masken mit einbringen. Die Zuschauer planen niemals im Voraus, sie sind einfach nur bereit und warten auf das, was passiert. Wenn du es schaffst, mehr wie sie zu sein, entsteht dadurch eine Verbindung oder Nähe, die vieles beim Improvisieren einfacher macht. Es ist doch schade, wenn wir diese Nähe zerstören, indem wir versuchen, besser oder anders oder mehr zu sein, als wirklich da ist.

Steve Jarand ist derzeit wieder in Europa unterwegs (Termininfos hier), um Masken-Workshops zu geben, unter anderem auch am 9. und 10. April 2011 in Köln. Am 9. April 2011 findet in Köln außerdem eine Maskentheater-Show statt.

Allgemein

Interview mit Matthieu Loos zu "Im Stile von..: Ionesco"

von Marco:

Matthieu Loos von der Compagnie Combats Absurdes

Am Sonntag Abend stand Matthieu Loos zusammen mit seinen 3 Mitstreitern von der Compagnie Combats Absurdes aus Frankreich im Rahmen des Festivals IMPRO 2011 mit der Premiere ihrer Show “Im Stile von..: Ionesco” auf der Bühne des Ratibor Theaters (siehe auch unseren Bericht Absurdes Improtheater). Am Dienstag Abend hatte ich dann die Gelegenheit, Matthieu zu dem Auftritt und dem Festival zu befragen.

Über das Projekt “Notre Ionesco” der Compagnie Combats Absurdes gibt es auch eine ausführliche Beschreibung (allerdings in französisch…).

Hier das Interview gleich zum Anhören:

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Auf der Bühne

IMPRO 2011: Noodt auf hoher See

Am Samstag 19. März begibt sich Christopher Noodt, Sänger, Bassist und Tasteninstrumentalist der Berliner Band Ohrbooten “vom” Heimathafen Neulkölln aus auf eine improvisierte Reise. Die Show heißt “Noodt macht erfinderisch” und ist eines der besonderen Formate auf dem diesjährien Improfestival. Wir sprachen mit Christopher Noodt über Improvisation und seine Erwartung an die internationalen Kollegen:

Impro-News: Sie begleiten schon seit langer Zeit die Gorillas musikalisch. Wie sind Sie dazu gekommen?

Christopher Noodt

Christopher Noodt. Fotograf: Tamon Imai

Christopher Noodt: Zum Improtheater bin ich vor zehn Jahren über einen Freund gekommen, der mich begeistert mit in den Schlot zu einer Show der Gorillas geschleppt hat. Ich war auf Anhieb fasziniert von dieser Theaterform und habe nach intensivem Training, einigen Workshops und vielen, vielen Auftritten in diversen Gruppen das Glück, nun schon seit sieben Jahren bei Theatersport, den Gorillas und der Hamburger Gruppe hidden shakespeare als Musiker dabei zu sein.

Impro-News: Was schätzen Sie am improvisierten Theater?

Christopher Noodt: Es ist natürlich das Unvorhersehbare, das Spontane, das jede Show spannend und reizvoll macht. Kein Abend gleicht dem anderen und die szenischen Möglichkeiten sind geradezu unbegrenzt. Ich vergleiche Improtheater gern mit Jazz: Alles ist erlaubt und dennoch gibt es eine gemeinsame Sprache, an die man sich hält.

Impro-News: Woher kam die Idee, dass Sie bei “Noodt macht erfinderisch” in die Rolle eines Barpianisten auf einem Kreuzfahrtschiff schlüpfen?

Christopher Noodt: Sowohl das Barpiano als auch das Kreuzfahrtschiff sind meiner Biographie entnommen, wenn auch nicht in dieser Kombination. Aber ich habe früher in Hamburg viel in Hotels und Bars gespielt und mit hidden shakespeare einige Kreuzfahrten unternommen. Inspiriert wurde das Setting durch die Langform “Hotel”, das die Kollegen von hidden shakespeare entwickelt haben. Das Tolle daran ist, dass viele Spieler unterschiedlichster Herkunft zusammentreffen und sich in dem Mikrokosmos Kreuzfahrtschiff bewegen. Sie können es sogar in jeder beliebigen Hafenstadt verlassen. Für mich ein perfektes Format auf einem internationalen Festival.

Impro-News: Worauf freuen Sie sich bei diesem Abend am meisten?

Christopher Noodt: Am meisten freue ich mich darauf, dass ich mal wieder nicht weiß, was genau passieren wird. Darüber hinaus bin ich in der Rolle des Pianisten auch ein wenig szenisch integriert, ich darf also auch mal was sagen.

Impro-News: Hat das Musizieren fürs Improtheater Einfluss auf die Musik der Ohrbooten?

Christopher Noodt: Natürlich gibt es da eine Wechselwirkung, schließlich sind die Ohrbooten ja auch ganz klar Freunde von Improvisation und Spontaneität, auf der Bühne wie auf der Straße. Und auch die Genrevielfalt des Improtheaters findet man bei den Ohrbooten wieder. Trotzdem gibt es eine klare Trennlinie zwischen diesen beiden Welten.

Impro-News: Vielen Dank.

——

Mit Impro-News.de Freikarten Gewinnen.

Die Gorillas und Christoph Noodt waren so freundlich uns 2 x 2 Freikarten für “Noodt macht erfinderisch” (in englischer Sprache) am Samstag, 19. März um 20 Uhr im Heimathafen Neukölln zur Verfügung zu stellen. Wer also Lust hat mit auf große Fahrt zu gehen, beantworte bitte folgende Frage:

Wie heißt das erste Album der Ohrbooten? (Kleiner Tipp: Der Name hat etwas mit dem zu tun, was man unbedingt beim Improtheater braucht)

Bitte die Antwort (das Lösungswort) bis Freitag 14:00 Uhr über das folgende Kontaktformular verschicken. Die Impro-News.de Redaktion informiert die Gewinner am Freitag Nachmittag, der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen:

Update: Die Verlosung ist abgelaufen und die Gewinner stehen fest. Danke an alle, die mitgemacht haben.

Bitte beachten Sie zum Datenschutz: Die E-Mailadresse wird ausschließlich für dieses Gewinnspiel verwendet und nicht weitergehend gespeichert!

Auf der Bühne

Düsseldorfer Improfestival 2011 vom 18.-20. März

Logo Improfestival

Der März 2011 steht für die sieben Spieler des Düsseldorfer Improvisationstheaters Phönixallee ganz im Zeichen von Show, Freundschaft und Vernetzung. Vom 18.-20.03. empfangen die sieben SpielerInnen Christina Arnold, Christina Rupp, Bernadette Gandaa, Mareen Meibeck, Thomas Mesmer, Tobias Reitz und Wolfgang Poly wieder Gastspieler aus beinahe ganz Deutschland auf der Bühne des Theatermuseums Düsseldorf und bieten außerdem erneut Workshops für unerfahrene wie auch versierte Spieler an. Das  Ensemble tritt regelmäßig im Theatermuseum auf, bereichert seit drei Jahren die Düsseldorfer Kleinkunstszene und war mit seinen Programmen u. a. schon in Dortmund, Nürnberg und Essen zu Gast.

Der “Goldenen Phön”

Beim Improfestival 2010 ging René Mauer vom Kölner Ensemble “Lauter!” als Maestro hervor. In diesem Jahr wird er gemeinsam mit der Phönixallee am Freitag (18.03) das Festival eröffnen. Am Samstag (19.03., 11-16:00) lockt dann ein Kombi-Workshop schnupperwillige und erfahrene Spieler in die Probenräume der Phönixallee, wo Tricks und Praktiken des Impro-Spiels erklärt und vertieft werden. Ab 19:30 Uhr folgt eine Session, d. h. eine offene Bühne für Improvisationsspieler unter dem Motto „Jeder darf – keiner muss“. Am Sonntag  wird erneut ein Maestro gesucht, der die Siegestrophäe, den “Goldenen Phön”, mit nach Hause nehmen kann.

Impro-News sprach mit den Phönixen

Impro-News: Warum heißt ihr Phönixallee?
Phönixallee: In Anlehnung an die wunderschöne Düsseldorfer Flaniermeile Königsallee.
Und weil Geschichten wie Phönix aus der Asche entstehen, vergehen, neu gespielt werden…
Impro-News: Seit wann gibt es die Gruppe?
Phönixallee: Seit 2007
Impro-News: Ihr spielt jeden 3. Samstag im Monat im Theatermuseum. Warum? Was ist so besonders daran?
Phönixallee: Das Theatermuseum ist nicht nur wie der Name sagt ein Museum, sondern dort finden im Theatersaal regelmäßig Veranstaltungen statt. Nicht nur Ausstellungen, sondern auch “gelebtes Theater” hat das Haus zu bieten. Das Theatermuseum ist so nett die Bühne grundsätzlich den 3. Samstag für unsere Impro-Shows zur Verfügung zu stellen.
Impro-News: Voriges Jahr habt ihr zum ersten mal das Düsseldorfer Improfestival veranstaltet. Wie kamt ihr auf die Idee, ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen?
Phönixallee: Weil Düsseldorf eine absolute Impro-Diaspora ist und wir das ändern wollten!
Impro-News: Was ist das Besondere am Düsseldorfer Festival?
Phönixallee: Es ist klein und fein und bietet an drei aufeinander folgenden Tagen drei unterschiedliche Showformate, sowie Workshops für Anfänger und erfahrene Spieler an.
Impro-News: Worauf freut ihr Euch dieses Jahr am meisten?
Phönixallee: Erst einmal auf den 17. April, denn da tritt die Phönixallee im offiziellen Rahmenprogramm des European Song Contest mit ihrer Impro-Contest-Show auf.

Karten für alle Veranstaltungen, Workshop-Voranmeldungen und weitere Informationen gibt es direkt im Theatermuseum unter 0211 – 899 6130. Ausführliche Informationen zur PHÖNIXALLEE finden sich unter www.phoenixallee.de.

Das Programm:

Freitag, 18.03 19.30 Uhr Eröffnungsshow „Die Show mit dem René“
Samstag, 19.03 11-16.00 Uhr Workshop I – Einsteiger
11-16.00 Uhr Workshop II – Fortgeschrittene
19.30 Uhr Impro-Session  „Jeder darf – keiner muss“
Sonntag, 20.03 18.00 Uhr Maestro 2011 „Der Goldene Phön“