CRUMBS Garage im Ratibor Theater – so war die Show

Crumbs Garage
Lee und René – Foto: Simona Theoharova

von: Simona Theoharova

BERLIN – Am 05.06.2014 spielten Lee White (Crumbs, Winnipeg) und René Dellefont (Dad’s Garage, Atlanta) ihre CRUMBS Garage Show im Ratibor Theater (siehe auch unsere Ankündigung hier). Die musikalische Untermalung kam vom Pianisten Felix Raffel (die Gorillas, Berlin). Es war die vierte Crumbs-Garage-Symbiose-Show in Europa und das Publikum landete direkt im Schlagabtausch zwischen den beiden Protagonisten. Das Warm-up für die Zuschauer bestand daraus, Lee zu bejubeln – ‘Yeah Canada!’ voller Berliner Lautstärke – und den Ami (René) mit einem fast noch lauteren ‘Fuck you!’ daran zu erinnern, dass man nicht mehr „best friends“ ist.

Die Show

Ausgangspunkt waren zwei spannenden Vorgaben: 1. Etwas, wovor man Angst hat. 2. Etwas was man mag. Ersteres führte zu Wasserphobie, zweites zu einer Symbiose aus Alkohol, Sex und Tanzen. Wunderbar griffen Lee und René die Ideen auf und verwandelten sie in ausschlaggebende Charakterzüge. Lee wurde ein Mann, der als Kind das Trauma erlebte, dass sein Vater am Rande des Wassers Suizid beging. Nun war er auf der Suche nach dem Wassermonster.

René hingegen verkörperte einen Meerschweinchen-Rescue-Center-Inhaber, dessen Schützlinge leider von Lausbuben Wodka in die Tränke bekamen, vollgesogen die Hormone spielen ließen und beim wildesten Meerschweinchensex verstarben.

Kritik

Drei witzige und zwischendurch tragische Geschichten entwickelten sich parallel. Die Spieler agierten auf der Bühne in verschiedensten Rollen, mal im Monolog, mal in heftigen Dialogen. Ein Schlagabtausch im übertragenen Sinne folgte dem nächsten und die beiden zeigten wunderbar, dass sie sowohl Meister des Annehmens, Erinnerns, Aufgreifens, Steigerns als auch des gegenseitig Fordern und Quälens sind. Sie schafften es, fast 10 Minuten nur über 400 bzw. 800 tote Meerschweinchen zu diskutieren, ohne dass es langweilig wurde.

Lee blieb düster, René happy und es wirkte als ob schon dieser Gegensatz genug Stoff für ein Jahr bieten würde.

Doch bei allem Lob gab es auch zwei kleine Kritikpunkte: Einige Szenen zogen sich für meinen Geschmack doch ein wenig, da beide Spieler auf andere Verläufe kommen wollten und René im Endeffekt einige Angebote unterschwellig blockte. Ebenso war für meinen Geschmack in manchen Szenen, besonders bei den Monologen, die durchgängig gespielte Musik etwas zu viel. Eine Beschränkung auf wenige konkret gesetzte musikalische Akzenten hätte aus meiner Sicht die Show besser unterstützt, da die szenische Atmosphäre bereits von den Schauspielern hervorragend geschaffen wurde.

Das Publikum jedenfalls war begeistert und forderte eine Zugabe, die auch gerne gespielt wurde.

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