IMPRO 2018 – SPRANGUAGE oder die Kraft des Mißverständnisses

BERLIN – Am Sonntagabend spielte das internationale Festival der Gorillas, die IMPRO 2018, eine seiner großen Stärken aus: die Vielfalt an Sprachen. Und wohin hätte diese Show besser gepasst als in den BühnenRausch, den Ort, der für die Berliner Impro-Vielfalt steht.

Ein Reigen an Games

Als erstes ertönte ein Lied. Mit einem kleinen Akapellagesang in der Muttersprache stellten sich die Spieler*innen zum Auftakt vor. Zuerst sang Gilles Delvaulx aus Belgien auf Französisch und nannte dann seinen Namen und sein Heimatland. Diese schöne Idee brachte bereits das Publikum im voll besetzten BühneRausch zum Lachen – insbesondere, als sich Leon Düvel von den Gorillas mit “Fuchs du hast die Gans gestohlen” vorstellte.

SPRANGUAGE, v.l.n.r., Raquel Racionero, Gilles Delvaulx, Billy Kissa, Lukáš Tandara, Savvas Thoma, Hannu Risku, auf dem Boden: Leon Düvel; Foto Impro-News

Danach folgte ein bunter Reigen an Games, die reihum von den SpielerInnen anmoderiert wurden. So ließ Billy Kissa aus Athen, Griechenland, zwei Kollegen eine Szene erst auf Englisch spielen, die dann zwei weitere nur in der Wiederholung als Gromolo sehen durften und dann wieder auf Englisch nachspielen sollten. Die zwangsläufigen Missverständnisse machten nicht nur dieses Game unterhaltsam.

Besonderen Reiz entwickelte der Abend, wenn sich die Spieler*Innen an anderen Sprachen versuchten. So war es ein Genuss, als Billy Kissa und Lukáš Tandara aus der Slowakei eine Vater und Tochter-Szene auf Deutsch spielten und dabei jeden Satz souffliert bekamen. “Deutsch ist eine so schöne Sprache!” Sprachlich verbunden war der Abend durch Englisch und da kein Muttersprachler dabei war, bestand hierin eine beruhigend gleiche Unsicherheit. Mit viel Spielfreude und Witz wurden diese Unsicherheiten in gute Unterhaltung umgemünzt.

Die Sprengkraft der Sprache

Angekündigt war: “Ein Abend über die Sprengkraft der Sprache.”, jedoch blieb er meines Erachtens hinter seinen Möglichkeiten zurück. Mit Raquel Racionero aus Spanien sowie den beiden Musikern Hannu Risku (Finnland) und Savvas Thoma (Zypern) war mit den anderen Spieler*Innen nicht nur sechs Sprachen, sondern auch ein riesiger Kulturraum vertreten. Leider wurde das durch die ausgewählten Games nicht ausgeschöpft. Warum also Szenen in Gromolo spielen, wenn man sich sowieso kaum versteht, wenn jeder seine Muttersprache spricht? Oder warum lässt man in einer Synchronisationsszene die Spielerinnen stumm spielen, anstatt ihre Muttersprachen zu “übersetzen”? Oder warum spielt man eine Szene, in der alle nur den gleichen Satz “Oh, I’m sorry.” sagen dürfen, auf Englisch und nicht in all den Sprachen?

Und man kann noch viel weiter denken. Was ist mit Worten, die aus anderen Sprachen eingewandert sind? Oder was sind die Lieblingsworte der Spieler? Oder was lässt sich aus der eigenen Sprache nicht übersetzen? Und wie wäre es damit die Sprachkenntnisse im Zuschauerraum abzufragen und das zu nutzen?

Es war ein guter Impro-Abend, der noch 15-20 Minuten hätte länger gehen können! Und ich persönlich hoffe, es gibt noch mehr solche babylonischen Sprachshows, doch vielleicht das nächste Mal besser kuratiert.

Leon Düvel (rechts) moderiert die Show ab.
Thomas Jäkel
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Thomas Jäkel

Gründungsmitglied und Redakteur von Impro-News.de, Gründer und Improspieler beim Theater ohne Probe, Leiter der Freien Studentenbühne Eberswalde, Mitorganisator des Berliner Impro Marathon und Anhänger eines gelassenen und tiefsinnigen Improvisationstheaters. Webseite: thomas-jaekel.de
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One thought on “IMPRO 2018 – SPRANGUAGE oder die Kraft des Mißverständnisses”

  1. Unsere erste Brot&Spiele Show basierte auf dem gleichen Konzept. Dabei hatten wir Deutsch, Spanisch, Dänisch, Kroatisch, Französisch und als gemeinsame Fremdsprache Englisch. Wir hatten zum Beispiel eine Szene dabei, in der jeder in der Sprache sprechen sollte, in der er nur ein paar Worte sprechen kann. Oder wir haben die gleiche Szene in den unterschiedlichen Sprachen wiederholt, aber eben auch mit den Spielern, die die Sprache gar nicht sprechen.
    Das war für mich eine schöne Erfahrung, die gleichzeitg viele Improgrundsätzen (Keep it simple, weniger quatschen mehr tun, Follow your body und natürlich scheiter heiter) gefeiert hat.

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