Szenen einer Freundschaft von Tante EDMA’s ImproLounge

Tante EDMA's ImproLounge von macro
BERLIN- Am Freitag den 22. August 2014 spielte Tante EDMA’s ImproLounge im ausverkauften Bühnenrausch ihre dritte Impro-Langform “Szenen einer Freundschaft”. In einer durchgehenden 90minütigen Szene (!) zeigte sich hohe spielerische Klasse.

Das Projekt Tante EDMA steht für die Anfangsbuchstaben der Mitglieder: Emilia, Dominik, Marcus und Anne sind EDMA. Das Sommerloch erzeugte drei freie Freitagtermine im Bühnenrausch, die Tante EDMA’s ImproLounge für eine experimentelle Formateserie nutzten. Es entstanden drei komplett unterschiedliche Langformformate – die “Szenen einer …”-Reihe. Dominik, bekannt als Moderator bei Die Verstörten Wunschkinder kümmerte sich um Konzepte, Anne, Emilia und Marcus – alle drei Spieler von Notausgang, standen in unterschiedlichen Konstellationen auf der Bühne. Das Format-Triptychon begann mit “Szenen einer Liebe”, in der Elemente des Theatersports in einer Langform die Momente einer Liebe ergründen. In “Szenen einer Ehe” wird der Verlauf eines Ehelebens nicht chronolgisch erforscht, die Szenen springen auf der Zeitlinie hin und her.

Szenen einer Freundschaft

Tante EDMA's ImproLounge
Foto: macro

Nun also das dritte Format “Szenen einer Freundschaft”. Anne und Emilia fokussieren sich auf einen einzigen Moment in einer durchgehenden Szene. Zwei ehemals beste Freundinnen, die sich voneinander entfernt hatten, treffen sich nach langer Zeit erstmalig wieder.

Zu Anfang holen sie Vorgaben der Zuschauer ein: Namen, Ort, Ereignis ein gemeinsames Erlebnis, Gegenstände. Lichtblende, es geht los. Die beiden Charaktäre beginnen vorsichtig, die unangenehme Situation zu erforschen. Die beiden schaffen es mit wenigen Worten zu zeigen, das hier Spannungen nicht verarbeitet sind. Dem ersten Austausch von Höflichkeiten folgen relativ schnell Vorwürfe – der primäre Zerwürfnisgrund formt sich. Wir sehen die Verletztheit der beiden Protagonistinnen in gegenseitiger Härte aber auch Berührung. Die beiden Schauspielerinnen nehmen sich genügend Zeit, diese intime Phase zu zeigen. Es herrscht hohe Intensität ohne Hektik – ganz im Gegenteil trägt die Stille dazu bei, die Emotionalität zu verstärken. Wir lernen die beiden Charaktäre in ihrem momentanen Leben kennen und sehen zwei Frauen, die sehr unterschiedliche Lebensentwürfe haben. Und beide sind zerrissene, vielschichtige Personen. Eingige lustige Momente lenken aber nicht von der eingentlichen dramatischen Handlung ab. So unterschiedlich die Werte der beiden sind, die alte Freundschaft scheint erst ganz leicht durch und wird nach weiteren emotionalen Ausbrüchen zum Schluß auch wiedergefunden. Die Freundschaft war stärker, sie können sich verzeihen.

Zwei Charakterdarstellerinnen

Anne und Emila meistern mit Bravur die schwierige Aufgabe, in einer Szene Emotion und Intensität so zu taxieren, so dass das Publikum gefesselt bleibt. Große Wahrhaftigkeit der Figuren zieht sich durch den Abend. Sie spielen sehr aufmerksam ihrer Partnerin gegenüber, erinnern sich an Details und zeigen deren Wichtigkeit. Sie nutzen den eingegrenzten Raum und wirken nie statisch. Die schauspielerischen Fähigkeiten der beiden erblühen, es standen hier zwei Charakterdarstellerinnen auf der Bühne.

Eine vom Gesamtbild unabhängige Erkenntnis: Die Abfrage zu Anfang gerät in ein theatersportliches Chaos, was meines Erachtens das Publikum in eine etwas falsche Richtung lenkte. Es hatte es dann schwer, sich auf die folgende Intensität und Wahrhaftigkeit einzulassen, unpassende Zwischenrufe zeugten anfänglich davon. Einige der Vorgaben wurden auch einfach nicht gebraucht. Zwar geschickt als Wortspiel abgehandelt zeigte es doch, dass die Geschichte auch ohne diese Vorgabe ähnlich verlaufen wäre. Eine Beschränkung in der Vorgabenanzahl sowie eine “leisere” Abfragemethodik würden das Format noch mehr unterstützen denke ich. Aber das nur am Rande.

Dieses Formatexperiment ist mehr als gelungen. Eine sehr anspruchsvolle, theatrale Spielform wurde toll umgesetzt. Chapeau! … und bitte mehr davon. Denn die Zukunft von Tante EDMA’s ImproLounge ist nach eigenen Angaben noch offen. Wir sind gespannt. Mehr über die Zukunft von Tante EDMA’s ImproLounge erfahrt ihr bei Facebook oder Twitter.

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Mirko 'macro' Fichtner schreibt seit 2011 für Impro-News. Er ist Gründungsmitglied der Improbanden und Mitorganisator des Berliner Impro Marathon. Webseite: macrone.de
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