Impro-Sitcom der Gorillas

von macro:
BERLIN – Vom 18.-20. September 2013 brachten die Gorillas ein neues Format auf die Bühne des ausverkauften Ratibor-Theaters – die Impro-Sitcom. Ich besuchte die letzte Vorstellung am Freitag. In jeder Vorstellung wurden 3 Episoden der Sitcom, die nicht aufeinander aufbauten, improvisiert. Norbert Riechmann, der Musiker des Abends begrüßte das Publikum und forderte verschiedene Lacharten vom Publikum ein, die er mittels iPad aufnahm, um sie später genregerecht immer wieder einzuspielen, was ich als hübsche Idee empfand.

Setting und Charaktere standen vorher schon fest

Danach wurde etwas mühsam die Titel für die beiden Folgen der Sitcom vom Publikum abgefragt, die in der ersten Halbzeit dann direkt hintereinander gespielt werden sollten. Das Setting und die Charaktere standen vorher schon fest und wurden bei der Eröffnungsansage dem Publikum vorgestellt. Es spielt in einem Hotel im Besitz der ehemaligen Schlagersängerin Sandra Stark, die wieder auf die Bühne will – dargestellt von Billa Christe. Die beiden anderen Hauptcharaktere waren eine rüstige Rentnerin, die im Hotel angestellt und gleichzeitig Vorsitzende des Fanclubs von Sandra Stark ist, gespielt von Ramona Krönke sowie deren Tochter, eine leicht depressive Autorin und aktuell an der Biographie Sandra Stark schreibend, gespielt von Barbara Klehr. Alle Charaktere kamen in entsprechendem Kostüm auf die Bühne. Selten kamen Nebenfiguren in die Szenen – ebenfalls von den drei Gorillas-Damen gespielt, die durch schnellen Kleidungswechsel unterscheidbar gemacht wurden.
Ein weiteres Genremittel der Sitcom, das plötzliche und unvermittelte auf- und abgehen aus Szenen wurde stark eingesetzt. Generell bewegte sich die Geschichte in beiden Teilen der ersten Hälfte relativ wenig, die permanent eingespielten Lacher unterkühlten eher noch mehr die Stimmung, ich hatte das Gefühl als Publikum da gar nicht gebraucht zu werden. Ramona hatte offensichtlich richtig Spaß am Setup und erreichte damit auch das Publikum.

Die Komödie ist eines der schwierigsten Genre

Nach der Pause gab es als „Staffelabschluß“ eine lange Folge, diesmal angereichert mit Zetteln, die das Publikum in der Pause mit wörtlicher Rede schreiben konnten. Ansonsten änderte sich wenig. Billa Christe und Barbara Klehr sangen ein schönes Duett, blieben aber für meinen Geschmack zu passiv in ihren Rollen verharrend. Ramona Krönke blieb auch hier die spielbestimmende Figur und setzte mit einer charmanten Nebenfigur – der großen Liebe der Schlagersängerin Sandra die Hauptakzente.
Die Zettel dienten teilweise als Notanker und wurden reihenweise gezogen, ohne die vorlesende Figur vorher auf entsprechende Fallhöhe zu bringen. Und selbst tolle Angebote auf den Zetteln wurden dann eher wegdiskutiert, was auch vom Publikum nach der Show in einzelnen Gesprächen thematisiert wurde. Zum Ende gab es artigen Applaus, von einem kochenden Haus wie ich es öfter dort schon erlebt habe war dieser Abend allerdings entfernt.
Fazit für mich: Die oft gehörte Improweisheit „Don’t try to be funny“ fand hier ihre Entsprechung. Es braucht mehr ernst in den Figuren, um dann in absurden Situationen lustig zu sein. Nicht umsonst gilt die Komödie als eines der schwierigsten Genre überhaupt. Ich habe ja auch nur diese eine Show gesehen und natürlich ist es Impro, es kann ganz unterschiedlich werden. Scheitern gehört manchmal dazu.

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macro

Mirko 'macro' Fichtner schreibt seit 2011 für Impro-News. Er ist Mitglied bei 4gewinnt und Mitorganisator des Berliner Impro Marathon. Webseite: macrone.de
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