Wenn wir ‘Improvisation’ hören, neigen wir dazu, zunächst an improvisierte Musik, Theater, oder Tanz zu denken; aber jenseits der ihnen eigenen Freude sind diese Kunstformen auch Türen zu einer Erfahrung, die unser gesamtes Alltagsleben bestimmt. Wir alle improvisieren. Die am weitesten verbreitete Form der Improvisation ist die Alltagssprache. — Stephen Nachmanovitch
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BERLIN – Es ist die traditionell einzige Show am letzten Festivaltag: die Open Stage. Hier können die TeilnehmerInnen der Festival-Workshops ihr neu erlerntes Handwerkszeug zusammen mit den FestivalspielerInnen und anderem spielwütigen Publikum präsentieren. Im gut gefüllten Ratibor-Theater führte Randy Dixon (unexpected productions/Seattle) durch die Show, während Katie Freudenschuß (Hamburg) am Keyboard und Evren Gülseven (Istanbul) an der Gitarre für breite musikalische Unterstützung sorgten. Als erster Programmpunkt präsentierten sich die verschiedenen Workshops mit kurzen und knackigen Szenen.
Lee von den Crumbs mit dem Kubus, Foto: Sören Boller
Der Rest des Abends war für alle Improvisateure und ein breites Festivalensemble offen. Besonders interessant wurde es, als Randy Dixon ein geschlossenes Paket von Burkhard (“Burki”) Freutel, dem Gestalter des Ratibor-Theaters, entgegennahm. Es enthielt einen bis dato niemandem außer Burki bekannten Gegenstand, der als zentrale Requisite für die folgendes Szenen dienen sollte. In ihrer Ideenvielfalt kaum zu bremsen spielte das Festivalensemble eine bunte Collage verschiedenster Geschichten mit dem mittlerweile enthüllten Gegenstand: ein metallischer Kubus.
Masse und Klasse
Mit zunehmender Zeit wurde es auf der Bühne auch immer enger. Sowohl SpielerInnen aus dem Festivalensemble als auch aus dem Publikum wollten sich die letzte Halbzeit des Festivals nicht entgehen lassen. Damit nahm dann auch die Zahl der Protagonisten in den Szenen deutlich zu, so dass zum Schluss mit knapp 20 Improvisateuren auf der Bühne nur noch Massenszenen zu sehen waren. Erstaunlich dabei, dass es den SpielerInnen immer wieder gelang, den Fokus der Geschichte auf einige wenige zu konzentrieren und eine spannende Geschichte zu etablieren.
Crumbs, NTotW und ein Gorilla gemeinsam auf der Bühne, Foto: Sören Boller
Der insgesamt gelungene Abend bildete einen würdigen Abschluss eines durch und durch gelungenen und vor allem immer wieder überraschenden Festivals. Wir danken allen Beteiligten für die zehn Tage voller Spontanität, Spielfreude, Witz, großen und kleinen Emotionen, sowie erstklassigem Theater! Zum Schluss bleibt deswegen für mich nur noch eines zu sagen: Hut ab, weiter so und bis zum nächsten Jahr!
Und hier gleich noch das Video der Kubus-Szene von Stefan Holzapfel:
von macro: Es ist das Wetter für Erkältungen und Viren und das macht auch nicht vor Improspielern halt. So suchten die auf Steffi Winni geschrumpften Foxy Freestyle spontane Ersatzspieler und so kam ich zusammen mit Stephanie Maile (die Gimmicks), Claudia Hoppe und Peter Nitsch (beide wie auch ich von den Improbanden) auf die Bühne der Alten Kantine in der Kulturbrauerei. Musik steuerte Fee Stracke bei. Es stand eine Open Stage an, das Publikum durfte und sollte mitspielen. Dabei führten wir fünf die Szenen und bauten die Publikumsgäste so ein, dass sie immer gut aussehen, egal was sie machen (siehe auch den bereits erschienene Artikel zu den Foxy Freestyle Open Stages).
Zur Vorbereitung setzten wir uns kurz vor dem Auftritt zusammen und machten den Gameplan. Es ist dabei gut, das Publikum langsam aufzubauen, denn zuerst trauen sich wenige mitzumachen. Wenn das Publikum dann sieht, dass nichts passieren kann und wir alle auch mal heiter scheitern, trauen sich hoffentlich mehr. Daher war unser Aufbau: Einwortgeschichte, gefolgt von einer ABC-Szene, beides ohne Publikumsbeteiligung. Wir wollten erst einmal warm werden und dem Publikum zeigen, wie Impro grundsätzlich funktioniert. Anschließend steigerten wir die Publikumsbeteiligung mit einer Szene, bei der zwei Gäste Sätze vervollständigen mussten. Anschließend folgten noch eine Heldenreise (mit einem Held aus dem Publikum) und eine „Mööp“-Rede kombiniert mit Diavortrag (das Dia und „Mööp“ mit Publikumsspielern).
Nach der Pause: Freeze-Tags und eine „Story in a Row“ mit Buch-Genres ohne Publikumsbeteiligung. Danach eine Synchro-Szene mit 2 Spielern und 2 Sprechern, bei der je ein Spieler und ein Sprecher aus dem Publikum kamen und ein Blind Date mit einer trizophrenen Persönlichkeit, in der ein Zuschauen ein Drittel der Persönlichkeit spielt. Und zum Schluss Best-Of Freeze-Tags zusammen mit allen Zuschauerakteuren gemeinsam auf der Bühne.
Foto: Sebastian Gelbke (www.eye-gelb.de)
Der Moderation – souverän von Steffi gemeistert – fällt dabei ein sehr wichtiger Teil zu. Die Anmoderationsfragen zeigten: es waren wenige Improerfahrene im Publikum, ein Großteil hatte noch nie Impro gesehen. Dazu noch eine 10. Klasse aus Krefeld. Das Publikum muss sich sicher fühlen, sonst wird die Beteiligung immer weniger. Die Schulklasse war sehr begeistert und konstruktiv, aber auch hier muss die Moderation das Gleichgewicht wahren, so dass auch alle anderen Gäste dabei bleiben. Mit der charmanten Auswahl der Spieler und Vorgaben kann der Moderator viel steuern. Die Anforderungen der Spiele müssen gut verständlich erklärt sein – was aus Sicht erfahrener Spieler manchmal schwer ist, da man leicht zu viel vorraussetzt.
Wir hatten uns auch vorher abgesprochen, welche Vorgaben wir einholen und wie wir den Publikums-Spielern mit Beispielen die Games erklären. Das „Sätze vervollständigen“ haben wir auf ein Wort beschränkt, das klappte hervorragend. Die Heldenreise spielte ein Zehntklässler beeindruckend gut, natürlich mit sehr dankbaren Angeboten von 4 Mitspielern, aber für einen Neuling unerwartet vielseitig. Die Kombination Diavortrag und „Mööp“ war eher zuviel in eine Szene gepackt, die mööpende Zuschauerin war sichtlich überfordert. Hier muss vielleicht noch mehr mit Beispielen vor der Szene das Spielprinzip erklärt werden. Die Synchro ist eigentlich das schwerste Format gewesen. Es herrschte zwar etwas Verwirrung, aber die Szene funktionierte und wurde sehr witzig. Hier griff Steffi als Regisseur ab und zu ein und führte die Spieler dann zu einer schönen Geschichte. Beim „trizophrenen Blind Date“ bekam der Publikumsspieler – hier ein Spieler mit Kurserfahrung – das Gefühl Liebe, während wir ihm das Date als Weltuntergangsprophet und Schuhfetischist erschwerten. Die dankbare Aufgabe wurde mit Bravour gemeistert. Die Best-Of Freeze-Tags wurden mit sehr vielen Spielern auf der Bühne gespielt. Hier waren wir fünf Spieler dafür verantwortlich, die Gäste mit auf die Bühne zu ziehen. Das gelang und bildete einen runden Abschluss.
Die Open Stage ist ein sehr innovatives Format, da die Publikumsbeteiligung weit über das Reinrufen von Vorgaben geben hinausgeht. Die Motivation, vielleicht auch einmal tiefer in Impro einzusteigen, wenn man einmal auf der Bühne stand, ist sicher groß.
Die Foxy Freestyles Open Stage findet am vierten Freitag des Monats statt, allerdings nur, wenn dieser Monat 5 Freitage hat. Nicht ganz einfach zu merken. So stell ich hier mal die Frage an die Improspieler: Habt ihr Interesse an regelmäßigeren Open Stages? Was würdet ihr euch dabei wünschen? Was bräuchte es, um mehr erfahrene Spieler zum gemeinsamen spontanen Spiel zu bewegen? Zum Beispiel könnte ich mir gut das Format Reigen für einen gemeinsamen Abend vorstellen. Dabei entstehen sicher viele schöne szenische Geschichten.
Ich bin gespannt auf eure Vorschläge und Kommentare!
Am 04.02.2011 bietet Foxy Freestyle mal wieder eine dieser seltenen Gelegenheiten, wo man sich als Zuschauer nicht nur durch das Reinrufen von Vorgaben einbringen, sondern einmal aktiv in das Improgeschehen auf der Bühne eingreifen kann. Und das in der schönen Umgebung der Alten Kantine in der Kulturbrauerei zur allerbesten Sendezeit am Freitag Abend (20.00h).
Keiner muss, aber jeder darf mitspielen, egal ob mit oder ohne Impro-/Theatererfahrung. Foxy Freestyle verspricht, jeden gut aussehen zu lassen!
Impro-News.de veranstaltete am vergangenen Sonntag die 1. Berliner IMPRO Open-Air-Stage und wir von Impro-News.de sprachen mit Marco von Impro-News.de über diese außergewöhnliche Open Stage.
Impro-News: Hallo Marco, wie ist die Veranstaltung am Sonntag gelaufen?
Marco: Das Wetter war natürlich perfekt beim 1. Berliner IMPRO Open-Air-Stage, bei dem wir am letzten Sonntag die Bühne in der Parkaue Lichtenberg kurzerhand in ein Open-Air-Theater verwandelt haben. Wir waren uns bis kurz vor der Veranstaltung nicht sicher, ob wir vielleicht nur mit 3-4 Leuten dastehen würden; ich hatte extra eine Kiste Bier besorgt, damit wir uns notfalls anders beschäftigen können… Aber dann kamen insgesamt 16 ImprospielerInnen aus gefühlten 10 verschiedenen Berliner Improgruppen. In den 3 Stunden, die wir nur mit einer kleinen Pause gespielt haben, hatten wir über 50 Zuschauer, viele darunter “Laufpublikum” aus dem Park.
Impro-News: Wie kam es zu der Idee zum Open-Air-Stage?
Marco: Angefangen hat alles mit dem Impro-News.de Artikel “Probenraum zu heiß – geht doch mal raus!”, den ich im Juni geschrieben hatte, nachdem wir mit unser Gruppe vor der Probenraum-Hitze in den Schlosspark Charlottenburg geflüchtet waren. Dabei war es sehr lustig, dass ständig Leute stehen blieben und interessiert zuschauten. Danach habe ich bei einem Crumbs-Auftritt mal geäußert, dass man daraus ja eine gruppenübergreifende Aktion machen könnte. Dan Richter hat sich dann spontan angeboten, die Moderation zu übernehmen und dadurch den entscheidenden Impuls gegeben. Also eine standesgemäß Angebot-Akzeptieren Situation!
Impro-News: Wie wurde auf der Open-Air-Stage improvisiert?
Marco: An dieser Stelle erst mal ein ganz großes Dankeschön an Dan Richter, der uns einen schönen Mix aus unterschiedlichen Impro-Spielen und längeren Szenen moderierte. Wer wollte, durfte auf die Bühne. Wie beim Impro üblich gab es dabei viele High- und einige Lowlights (die Tierszene, die wir extra für eine Gruppe von stehen gebliebenen Kindern spielten, hätte vielleicht nicht unbedingt in ein Schlachtfest ausufern müssen ), und alle kamen glaube ich auf ihre Kosten. Vielleicht mit Ausnahme des Musikers, der sich den technischen und akkustischen Realitäten beugen musste… Da müssen wir uns wohl noch eine bessere technische Lösung einfallen lassen.
Impro-News: Wird es weitere Open Stages geben, noch in diesem Jahr?
Marco: Die Stimmung war jedenfalls toll und es war schön, mal neue Gesichter der Berliner Impro-Szene kennenzulernen. Das Feedback, das wir bekommen haben, war durchweg positiv (Kommentare hier sind natürlich auch willkommen…), so dass wir uns ermutigt sehen, dem 1. Berliner IMPRO Open-Air-Stage auch einen 2. folgen zu lassen. Das wird aber trotz Klimawandel aus temperaturtechnischen Gründen vermutlich erst im nächsten Frühjahr sein.
Ich würde dazu auch gerne mal an einen Ort gehen, wo noch mehr Publikumsverkehr ist. Allerdings ist ein Problem, dass der Geräuschpegel durch Straße oder andere Veranstaltungen nicht zu groß sein darf. Mal sehen. Alles wird sich finden.
Ich würde mich übrigens freuen, wenn sich noch jemand findet, der solche Aktionen gerne mit organisieren & durchführen würde. Wir sind ja bei Impro-News.de immer offen für Mitstreiter.
Obwohl wir am letzten Wochenende ja etwas Pech mit dem Wetter hatten (wer es nicht mitbekommen haben sollte, wir mussten den Termin wegen Regen kurzfristig absagen), lassen wir uns nicht entmutigen und haben als Ersatztermin jetzt ein garantiert sonnigen Sonntag nachmittag ausgewählt:
Sonntag, 12.09.2010, 14.00-17.00h
Alles andere bleibt gleich: Absolut kostenlos, improvisiert und jeder kann mitspielen! Alle weiteren Infos auf unserer Open-Air-Stage Seite.
Am 29. August 2010 ist es soweit: Der 1. Berliner Impro Open-Air-Stage findet statt!
Auf der Bühne in der Parkaue Lichtenberg ist ab 16.00h die Bühne geöffnet für alle spielwütigen Impro-Spieler Berlins. Alle sind eingeladen, ob als Spieler oder Zuschauer. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir hoffen aber natürlich auf großen Andrang!
Mit Dan Richter haben wir einen klasse Moderator dabei, der diesen Nachmittag irgendwie spontan zu gestalten wissen wird. Vermutlich wird es auch Musik geben, wir arbeiten daran.
“Wer hat noch nie Impro-Theater gespielt?” – fragt Moderator Dan. Und tatsächlich, nach einiger Bedenkzeit wagen sich zwei junge Männer auf die Bühne, die – obwohl erkennbar unerfahren – doch eine ansprechende Szene zustande bekommen, denn die Schauspieler von Foxy Freestyle spielen so geschickt um sie herum, dass es schon irgendwie passt. Der vierteljährliche Open-Stage-Abend der Fix-und-foxy-Truppe war am Freitag Abend in der Kulturbrauerei charmant, witzig und natürlich temporeich, denn das ist eine Spezialität der vier, die gestern nur zu dritt spielten, der vierte kam jeweils aus dem Publikum, und darunter waren u.a. Spieler der “Changeroos“, der “Unverhofften” und der “Sonntagsgruppe”, die sich an solch rasante Szenenwechsel teilweise erst gewöhnen mussten. Doch sie alle hatten Spaß und sahen gut aus.
Besonders angenehm empfand Kritiker Zwackelmann (bürgerlicher Name der Redaktion bekannt), die unaufgeregte und sensible Moderation Dan Richters, der dem Publikum die Sicherheit gab, dass niemand vorgeführt wird. Keiner wurde auf die Bühne genötigt, das unangenehme Gefühl, das sich manchmal bei Publikumsbeteiligung einstellt, hatte hier keine Chance. Schön!
Am kommenden Freitag (22.01.2010) ist wieder Impro Open Stage mit Foxy Freestyle in der Alten Kantine der Kulturbrauerei.
Schon seit einiger Zeit veranstaltet Foxy Freestyle diesen Open Stage, bei dem Impro-Kollegen spontan oder auch mit Voranmeldung teilnehmen können, jeden 4. Freitag im Monat, wenn es einen 5. Freitag gibt. Da diese Konstellation 2010 aber nur insgesamt 4 mal vorkommt (22.1., 30.4., 23.7., und 22.10.), heisst es: Nutze den Tag und rauf auf die Bühne!
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