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Auf der Bühne

IWT: Das Wochenende der Entscheidungen?

Impro Wildcard Turnier PlakatBERLIN – Heute und Samstag geht es noch einmal richtig zur Sache. Zwei spannende Matchbegegnungen zum Impro Wildcard Turnier stehen im BühnenRausch auf dem Programm.

Freitag: Die Verstörten Wunschkinder vs. Schmetterlings

Heute (16.09.2011) Abend steht ein spannendes Match auf dem Programm. Im BühnenRausch begrüßen die die Verstörten Wunschkinder als Gäste die Mannschaft der Schmetterlings. Beide Gruppen sind im BühnenRausch beheimatet und damit kann keine der beiden den Heimvorteil wirklich nutzen. Jedoch werden die Verstörten Wunschkinder viel dafür geben, ihren errungen Sieg gegen die Unverhofften in diesem Match zu einem Vorsprung auszubauen. Als Unparteiischer wird Stephan Ziron den Abend moderieren.

Karten im BühnenRausch unter 030/44673264 oder wir@buehnenrausch.de

Samstag: Notausgang – TURBINE WILLIAM wie die Birne

Auch am Samstag (17.09.2011) wird beim Match zwischen Notausgang und Turbine William wie die Birne für wichtige Punkte improvisiert. Turbine William konnte sich bisher auch mit einem Sieg absetzen und so wird die Begegnung mit der jungen Mannschaft von Notausgang sehr spannend. Die Begegnung wird von Jörg Zander moderiert.

Karten im BühnenRausch unter 030/44673264 oder wir@buehnenrausch.de

Nach diesem Wochenende gibt es nur noch am Dienstag und zum Finale am Donnerstag die Möglichkeit, das Impro Wildcard Fieber zu spüren. Also wer bisher noch nicht bei einem Match war, sollte die Chancen nutzen!

21 Kommentare zu IWT: Das Wochenende der Entscheidungen?

  • Im ausverkauften Bühnenrausch fing Turbine stark an und spielte direkt nach der Pause eine überzeugende 3er-Synchro, die aber von Publikum nicht honoriert wurde. Das Momentum nutze Notausgang, und riss den Sieg damit an sich. Beide Teams waren sehr unterhaltsam.

  • Michael

    Liebe Kollegen! Liebe Impro-Freunde!

    Das WildCard-Turnier sieht nun seiner finalen Entscheidung entgegen und ich möchte an dieser Stelle meine Eindrücke schildern.

    Sollte dieses oder ein ähnliches Turnier im nächsten Jahr wieder stattfinden, muß meiner Ansicht nach die Art und Weise der Bewertung überarbeitet werden. Wenn sich ein Publikum zu 90% aus Fans einer Mannschaft zusammensetzt ist keine objektive Bewertung mehr möglich. Vielleicht wäre es günstig das Kontingent der Karten pro Team auf 50% zu beschränken? Ansonsten braucht man im Grunde gar nicht mehr zu spielen und könnte die Punkte im Vorfeld vergeben.
    Der Moderator sollte aus meiner Sicht ebenfalls mehr Macht erhalten und die Kriterien, nach denen überhaupt bewertet wird, sollten klar definiert sein.
    Wenn im Fußball das Publikum allein entscheiden dürfte, gingen die Heimspiele immer an das eigene Team, worunter die Qualität der Spiele, vor allen Dingen aber die Spannung gehörig leiden würde.
    In diesem Jahr war die Regelung so wie sie war und alle Teams haben sich dieser Herausforderung gestellt.
    Um langfristig zu einer faireren Abstimmung zu kommen, bedarf es aber meiner Ansicht nach unbedingt einer Modifizierung des Systems.

    Danke für die Organisation des ganzen Turniers. Für das Finale und den anschließenden CUP wünsche ich allen Beteiligten TOI TOI TOI.

  • Hallo Michael, danke für den Dank! ;-)
    Kannst Du genauer sagen, was Dir nicht klar an den Kriterien der Bewertung war? Es sollte die Mannschaft für eine Szene Punkte bekommen, die dem Publikum mehr zusagt. Und wenn das Publikum Szene gut findet, kann man sicher anderer Meinung sein, aber es ist nicht abzustreiten, dass sie für gut befunden wurde, oder? Was ist daran unfair? Ja, eine Mannschaft, hat vielleicht eine treuere Fankurve, die vielleicht auch besser klatschen kann, aber ist das unfair?
    Improtheater ist kein Sport und ich finde der Fußballvergleich, so schön auch seine Phrasen sind, hinkt. Ich sehe keine Möglichkeit objektiv zu bewerten, denn es geht um Unterhaltung und die wirkt auf jeden je nach Zeit und Umstand anders.
    Es sollte ein Spaß sein und was wir meiner Meinung nach tun sollten ist, jedem glaubhaft machen, dass Sieg oder Niederlage in einem Match überhaupt nichts über die Qualität einer Improgruppe sagt.

  • Stephan

    Richtig – Improtheater ist nicht Fußball und eine objektive Bewertung ist Illusion. Das ganze Setting des Turniers mit öffentlicher Tabelle und “Punktspielen” suggeriert aber genau das.

    Und wenn es nur ein Spaß ist – warum darf der Schiedsrichter dann nicht willkürlich Punkte abziehen, wie beim Theatersport ja üblich? Warum bekommt alles einen klar geregelten Rahmen, der “Vergleichbarkeit” garantieren soll?

    Und wenn diese Vergleichbarkeit dann durch die Umstände ausgehebelt wird, dann heißt es, dass alles nur Spaß ist und Vergleichbarkeit eigentlich gar nicht möglich.

    Das da nicht jeder mitkommt ist verständlich. Und solange sportliche Fairness überhaupt eine Rolle spielt, ist es natürlich “unfair”, wenn eine Mannschaft gewinnt nur weil sie lautere Fans hat.

    Es wäre fürs Improtheater auch besser, wenn nicht immer nur Lautstärke gewinnen würde.

    Da ich mich mit diesem Turnier unwohl fühle, spiele ich auch nicht mit. Meine Hochachtung für alle, die die Ambivalenzen dieses Settings locker aushalten.

  • Michael

    Ich glaube eben doch, dass neben allem Spaß und aller Unterhaltung eine objektivERe Bewertung möglich ist.

    Jeder auch nur halbwegs offene Zuschauer vermag meiner Ansicht nach handwerklich geschulte Spieler zu erkennen und wird auch ein Gespür dafür haben, ob ein dramaturgischer Bogen einer Szene gelungen ist oder nicht. Und ebenso wird er erkennen, wenn eben diese Spieler, die eben brillierten, im nächsten Moment auch mal “in die Tonne greifen” und eine Szene nach Strich und Faden an die Wand fahren. Weil ich eben glaube, dass nahezu jeder spürt, wann eine Geschichte zu einer Geschichte wird. Dieses Training fängt im Kindesalter an, wenn die “Gute-Nacht-Geschichte” vorgelesen wird, setzt sich im Deutsch-Unterricht fort und wird beim Verlassen des Kinos weiter ausgebildet, wenn das Gefühl zurückbleibt, dass der Film “nich´ so dolle” war.

    Will sagen: Wenn Theatersport NUR Unterhaltung ist, dann darf es den Begriff Theater nicht führen. Denn Theater ist mehr als Unterhaltung und hat auch mit Handwerk und Auseinandersetzung zu tun. Ich glaube nicht, dass das nur in den Langformen vorkommen muss.

    Ansonsten wird auf lange Sicht der Begriff Impro immer weiter mit Comedy gleichgesetzt. Und das wird Improvisation – in welchem Format auch immer gespielt – einfach nicht gerecht.

  • Lieber Stephan: Wie schon geschrieben sind die Metaphern aus dem Fussball toll. Daher gibt es Punktspiele und solch ein Setting – hier wird witzig etwas kopiert, obwohl es nicht übereinander paßt. Dass ist der Spaß. Dem gegenüber finde ich das willkürliche Abziehen von Punkten in keiner Art von Match gut oder witzig. Deshalb gibt es hier einheitliche Regeln.

    Das strickte Moderationsregularium beim Wildcard Turnier befördert aber, dass die Moderation sachlicher wurde und mehr in den Hintergrund trat und dafür die Szenen nach vorn. Dass finde ich gut, so sollte es sein.

    Und ich sehe nicht den Punkt, warum es unfair sein soll, wenn die Mannschaft mit den “lautesten” und “meisten” Fans gewinnt. Improtheater ist Schauspiel und davon gehe ich aus, dass es vor Menschen, am besten vor vielen, stattfinden sollte – wir können kein Impromatch ohne Zuschauer spielen. Deshalb sollte jede Mannschaft die Matches als Chancen nutzen, sich mit ihren Qualitäten vor den Zuschauern zu präsentieren, auch wenn sie “laute” Fans der “anderen” sind.

    Du hast Recht, dass es besser wär, wenn nicht immer nur Lautstärke gewinnen würde. Aber dass ist auch hier nicht der Punkt: denn eine Abstimmung mit Zetteln hätte das gleiche Ergebnis erbracht. (Ich weiß, dass Du Lautstärke auch auf das Improspiel im allgemeinen beziehst.)

    Ich hoffe, ich konnte Deine Fragen nun auch hier beantworten! Und wenn Du diese Art des Improvisierens nicht magst, ist Deine Entscheidung absolut richtig und nachvollziehbar, nicht mitzumachen. Aber wenn Du es als Protest formulierst, fände ich es “unfair”.

  • @ Michael: Ich bin sehr gespannt auf Euer Bewertungsmodell! Es würde mich auch sehr freuen, wenn Ihr es schafft, dass Publikum mehr zu sensibilisieren. Ob es aber das “Fankurvenproblem” löst? Ein Fan hält zu seiner Mannschaft, auch wenn sie schlecht spielt, oder?

  • Stephan

    Wichtig ist mir, dass ich niemanden den Spaß verderben möchte. Wichtig ist mir aber auch, dass die Irritationen, die diese Form des Turniers auslöst, ernst genommen werden. Denn Unwohlsein spüre ich nicht nur bei mir, auch wenn es die meisten tendenziell lockerer sehen mögen.

    Ich bin auch pessimistischer als Michael: das Publikum hat einerseits sehr wohl ein gutes Gespür dafür, was gelungen ist und was nicht. Andererseits bevorzugt zumindest der lautere Teil des Publikums auch das, was mehr “knallt”, mag es auch improtechnisch schlechter sein.

    Wenn man schon auf Konkurrenz spielt bin ich für eine fachlich versierte Jury, die Zusatz- und Minuspunkte vergeben darf. Und zwar mit kurzer Begründung, so kann auch das Laienpublikum seinen Blick auch auf andere Aspekte lenken.

    In anderen künstlerischen Wettbewerben hat aus gutem Grund nie das Publikum allein das Sagen. Wer differenziert spielen will, braucht eine differenzierte Bewertung und die kann das Publikum allein nicht leisten.
    Klar muss aber auch sein, dass vollständige Objektivität im künstlerischen Bereich prinzipiell unmöglich ist.

    Die Kunst hat sich in einem jahrhundertelangen Emanzipationsprozess von dem Anspruch frei gemacht, sich bedingungslos dem Publikum unterwerfen zu müssen. Heute mögen viele Künstler übers Ziel hinaus schießen und sich um die Zuschauer kaum kümmern, was mir wiederum auch falsch erscheint. Sich aber komplett dem Publikum zu unterwerfen beschneidet die eigene Entfaltung.

    Wenn die Bewertung des Publikums alles ist, dann verzichtet das Improtheater auf den Anspruch, mehr zu sein als Unterhaltung.

    Es ist sicher ok, “nur” unterhalten zu wollen. Aber wer sich auch künstlerisch ausdrücken möchte, für den kann die Bewertung anderer nie alles sein.

    Übrigens: Lautsprecherboxen werden unabhängig von der Tonqualität besser beurteilt, wenn sie lauter eingestellt sind.

  • Stephan

    Lieber Thomas,

    ich glaube langsam verstehe ich deine Sicht besser. Tut mir Leid, dass ich etwas humorlos reagiere. Mir (und vielleicht manch anderem) hätte es geholfen, wenn es von Anfang an klar ausgesprochen worden wäre:

    “Hey Leute, wir machen uns mal ‘ne Gaudi und tun so, als ob man Impro wie ein Fußballturnier aufziehen könnte. Wer ernsthaft glaubt, dass hier die beste Gruppe gewinnt, darf nicht mitspielen.”

  • Zunächst einmal vielen Dank, lieber Thomas, für deinen initiierten Start in einen Wettbewerb zwischen einzelnen Berliner Gruppen, für die viele Arbeit und dein großes Engagement.
    Klar ist, dass danach ein Resümee gezogen werden muss.
    Ich habe viele Matches gesehen und bei einem auch mitgespielt, so dass ist sozusagen von außen und von innen Erfahrungen sammeln konnte. Zudem habe ich das große Glück, die Eindrücke und die Äußerungen vieler Spieler und Zuschauer im BühnenRausch hautnah “mitzubekommen”.
    Wenn ich also jetzt nicht alles falsch interpretiere, hatten die meisten Spieler und Gruppen zunächst große Freude, am Wettbewerb teilzunehmen. Immer wieder betonend, dass es ja um den Spaß gehe und nicht um einen Gewinn. Und wie es denn so ist, war der Spaß denn auch meistens auf der Seite der Sieger, weniger auf der Seite der Verlierer. Gut, das liegt in der Natur eines Wettbewerbs.
    Vielleicht ist es ja auch die Suche nach dem Grund für das Verlieren, dass die häufigen Diskussionen jedoch um die Modalität der Punktevergabe gingen. Aus meiner ganz persönlichen Sicht muss ich sagen, dass mir die Punktevergabe auch zu starr und zu wenig aussagekräftig für die Ermittlung eines Matchsiegers und des Gesamtmatchsiegers war. Ich verstehe auch deine Vorüberlegungen, verstehe jedoch jetzt nicht dein Beharren auf dieser Art der Punktvergabe.
    Als Zuschauer war nach einem gewissen Punktestand die Spannung weg, welche Gruppe denn gewinnen könne. Die zurückliegende Gruppe konnte lange vor Matchende nur noch kapitulieren, wissend, dass sie trotz geringfügigem Punkterückstand nur noch verlieren kann.
    Welche Auswirkungen das auf Spielfreude und die Unterhaltung des zahlenden Publikums hat, müssen wir hier nicht erörtern. Und ob die Spieler sich in dieser Situation professionell verhalten oder nicht, spielt ja auch keine Rolle, soll doch so ein Turnier auch für nichtprofessionelle (ich schreibe extra nicht unprofessionelle!) Gruppen offen sein.
    Schlussendlich will ich sagen:
    Theatersport-Turniere für alle Berliner Gruppen unterstütze ich, finde aber, dass Initiatoren solcher Matche sich klar über ihre eigenen Intentionen sein sollten und diese dann auch offen darlegen könnten.
    Das Punktesystem müsste so gewählt werden, dass bis zum Schluss eines Matches die Spannung bleibt, wer gewinnt und/oder ob das Match evtl. noch “herumgerissen” werden kann,z.B. durch einen Joker, den eine Mannschaft setzen kann. (Klar war mir überhaupt nicht, warum die verlierende Mannschaft einen Punkt erhält.)
    Zu überlegen ist, ob gemeinsame Spiele zu bewerten sind, kommt es doch da leicht zu (mir verständlichen
    rampensauähnlichen Kämpfen um die Punkte und nicht zu einem “gemeinsamen” Spiel, die ich als Zuschauer nicht sehen will.
    Zu überlegen ist auch, ob es “Richter” gibt – die zusätzlich Punkte vergeben oder abziehen können, oder ob ein Moderator Punkte zusätzlich vergeben oder abziehen kann z.B. wegen Störens oder gutem Unterstützen usw., so dass auch ein Moderator es in der Hand haben kann, die Spannung eines Matches zu erhöhen.
    Und wenn dann trotzdem Matche nicht durch die spielerische Leistung sondern durch “Fans” entschieden werden… das gab es solange es Theatersport gibt, wird es immer geben, bringt auch Spannung, verhindert Langeweile im Turnier und schlussendlich setzt sich m.M. langfristig Qualität durch.
    Also – auf ein Neues!

  • Hallo in die Runde, möchte auch mal meinen bescheidenen Beitrag dazu abgeben. Ich war beim Spiel Impro Berlin vs. Flughunde und die Flughunde haben eine wirklich imposante Fankurve. Das hat aber nicht dazu geführt, dass die Flughunde automatisch gewinnen. Gewonnen haben hier Impro Berlin und das einfach, weil sie das Publikum für sich gewonnen haben.Sie haben einfach etwas frischer gewirkt, die Beats haben gefunzt und darüber hinaus haben sie die Flughunde exzellent supported (sensibel ohne aufdringlich zu werden) und damit waren die Flughunde nicht schlechter – man konnte sehr schön die Erfahrungsunterschiede und die Stärken sehen. Die Flughunde spielen erst seit knapp 2 Jahren miteinander und sind Game-erprobt, hinter Impro Berlin steht hingegen eine lange Bühnenerfahrung aller Spieler – das haben auch die Fans der Flughunde kapiert. Darüber hinaus war IB einfach auch sympatisch und das ist auch wichtig – die Spieler müssen Laune machen, unser Herz gewinnen und dann sind mir freundlich, offene Gesichter mit Spass viel lieber als ernst und angestrengte Gesichter. Grundsätzlich glaube ich, dass diejenigen Mannschaften gewinnen, die in einem Match die Sympathie gewinnen – und entschuldigt bitte: ich erwarte in einem Match Tempo, Schnelligkeit, Beats, saubere Pointen und Arena-Atmosphäre (dazu gehört auch evtl. Grölen) – wie beim Fußball eben – wenn ich das nicht bekomme, wohl bemerkt beim Match – dann bin enttäuscht als Zuschauer und finde den Abend doof. Das hat einfach mit Erwartungserfüllung zu tun und diese gebürt dem zahlenden Publikum.
    Wenn das anders sein soll, dann muss man das zwingend auch genauso bewerben um keine falschen Erwartungen zu wecken und dann wäre es ein anderes Spiel – zwei Langformen gegeneinander (auch spannend)- aber ganz anderer Tenor. – Hier muss man sauber, im Sinne des Publikums, trennen.
    für mich war es lustig – es trifft aber auch einfach einen Teil meines Geschmacks – ich tippe schließlich auch jeden Samstag Fußballspiele, gehe gern ins Stadion und finde ein Rumgrölen dabei rundet das Fußballgeschehen ab.
    Match bleibt Match und auch hier können schöne Geschichten entstehen – ich habe schon Matches gesehen, da wurden ganze Stränge und Details aus Vorszenen neu mit aufgegriffen und die Spieler war wunderbar und haben zauberhafte Abende entstehen lassen, wo alles irgendwie zusammengehörte. Ich denke, eines der Hauptprobleme ist doch, dass sich die eine oder andere Gruppe gleich wieder denkt, toll jetzt sind wir schlechter oder auch innerhalb der Improszene Bewertungen stattfinden. Hier sollten wir alle daran arbeiten, frei nach Stephen Sim: “Don´t Force, Don´t Judge!”

  • Hier stimme ich Karin zu… vielleicht sollte man nochmals über die Punktevergabe nachdenken. Ich habe das in meinen Spielberichten auch erwähnt, dass ein beherztes Abziehen von Punkten manchmal angebracht ist. ich finde dagegen nichts auszusetzen und bestätige auch, dass die Spannung deutlich nachlässt, wenn klar ist, wer der Sieger ist. Auch dies sollte man im Sinne des zahlenden Publikums überdenken.

  • Martin

    Hallo allerseits,

    auch ich möchte mich erstmal für dir Organisation dieses Turniers bedanken. Aller Anfang ist schwer und das Ergebnis Eurer Bemühungen kann sich trotz oder vielleicht auch gerade wegen der geführten Diskussionen wirklich sehen lassen.

    Anscheinend sind wir uns mehr oder weniger einig, dass man Theater/Impro nicht wirklich objektiv wie ein Fußballspiel bewerten kann. Also gibt es auch kein noch so ausgeklügeltes Punktesystem, mit dem man diesen Umstand überwinden könnte. Es geht also wirklich nur um Unterhaltung (des Publikums … wenn man denn möchte, dass Zuschauer anwesend sind) und die empfinden die Menschen wie oben bereits diskutiert unterschiedlich.

    Deshalb anbei ein paar Punkte, die meiner Meinung nach zu größerer oder allgemein zur Unterhaltung des Publikums beitragen. Ohne Anspruch auf Vollsändigkeit oder “Urheberrecht” … ist eigentlich alles geklaut ;-)

    – Ein Match braucht immer eine Entscheidung am Ende.

    – Eine Herausforderung hingegen muss auch mal unentschieden ausgehen können (War im Turnier nicht immer so. Wenn ich beide Mannschafften toll fand, möchte ich mich als Zuschauer nicht für eine entscheiden müssen!)

    – Der Moderator/Richter/Jury kann zusätzliche Punkte nehmen oder geben aus beliebigen Gründen.(Warum will ich mir ein unbewertbares Match mit einem superneutralen Schiedsrichter und einem ausführlichen Regelkatalog ansehen? Ich will Stimmung (oder wie sagen andere? I want, that the audience cares!)! Und wenn der Ar*** ungerechtfertigter Weise der besseren Mannschaft Punktabzug gibt, weil sie die Herausforderung nicht deutlich genug ausgespielt hat bekomme ich sowas wie Stimmung!)

    – Der Zuschauer muss dennoch das Gefühl haben, dass seine Stimme wichtig ist und er das Spiel kippen kann. (Auch hier stimme ich Karin zu: Die Entscheidung sollte möglichst lange offen sein.)

    Am schwierigsten erscheint mir jedoch der Punkt wie ich die Mannschaften auf der Bühne sehen möchte. Einerseits müssen sie unbedingt gewinnen wollen, andererseits dürfen sie nicht ernsthaft traurig oder geknickt sein wenn sie verlieren, was nicht heißt, dass sie sich nicht ärgern dürfen. Ich denke es ist so ähnlich wie es der alte Johnstone beschreibt mit seinem Bananbeispiel (Es ist lustig zu sehen wie jemand auf einer Bananenschale ausrutscht, weil/wenn dieser seinen Hochstatus dabei verliert. Nicht lustig ist es, wenn er dabei seine Wirbelsäule bricht und danach querschnittsgelähmt ist, Alkoholiker wird und sich schließlich umbringt .. oder so ähnlich).
    Bei den Matches bei denen ich war, war die Stimmung (oder sollte ich lieber von Karma sprechen?) der Mannschaften auf der Bühne wie ich fand diesbezüglich größtenteils sehr unterhaltsam. Abseits der Bühne reden wir reden viel darüber, dass Gewinnen oder Verlieren egal ist, aber der Eindruck entsteht doch so manches mal, dass wir es eigentlich nicht ganz so meinen. Dieses und hoffentlich zukünftige Turniere oder Ligen sind meiner Meinung nach eine wundervolle Methode um sich diesem Gegensatz (Gewinnen wollen und fröhlich dabei scheitern) auszusetzen und damit den sagenumwobenen Improgeist zu fördern.

    In diesem Sinne mache ich mich jetzt auf den Weg zum Spiel um den letzten Platz des IWT.

    Scheiter Heiter und Fuck off (?)
    Martin

  • Stephan

    Großartiges Kino hier. Allein die Kommentare waren mir das flattr’n wert! Macht einfach weiter so, dann ist die Improszene in 10 Jahren auch genau noch da, wo sie jetzt ist und wo sie vor 10 Jahren schon war. Großartige Unterhaltung!

  • Dan Richter

    1. Es gibt ein schwer aufzulösendes Spannungsfeld bei Impro-Matches, in denen es um etwas geht. In diesem Turnier war es ganz klar die Wildcard. Wenn man nicht wirklich völlig entspannt ist, dann wurmt es natürlich, wenn man z.B. die eigene Mannschaft benachteiligt sieht – egal ob durch den Schiedsrichter oder durch das Publikum. Oder um es anders zu sagen: Wer nicht verlieren kann, sollte nicht antreten.
    2. Gerechtigkeit bei diesen Matches ist weder durch Jury- noch durch Publikumsbewertung herzustellen. Dafür ist das Ganze zu willkürlich. Außerdem stehen beim Improtheater zu viele Kriterien zur Bewertung an: Da wäre zum einen das von Michael genannte “Handwerk”. Aber wie will man beispielsweise das Storytelling-Handwerk der einen Mannschaft abwägen gegen das Gesangshandwerk der anderen Mannschaft? Aber es gibt auch andere Kriterien, die eine Rolle spielen, z.B. Spontaneität, Mut und Engagement. Was davon am Ende am meisten überzeugt, ist situationsbedingt. Man kann versuchen, durch Moderation, Bewertungssystem usw. auf eine transparente Punktevergabe Einfluss zu nehmen, aber am Ende ist es willkürlich, und darauf muss man sich einlassen, wenn man TS spielt.

  • Sehe ich ähnlich wie Dan. Wenn Du eine Jury einsetzt, die die Punkte vergibt, wird es immer Leute im Publikum geben, die deren Wertung nicht nachvollziehen können und deshalb frustriert sind. Das passiert zwar auch, wenn das Publikum selbst abstimmt, aber ich glaube, die Zuschauer können das einfacher verzeihen, wenn nach Mehrheitsvotum einfach die bessere “Mannschaft” gewonnen hat. Außerdem finde ich, dass durch eine Jury dem Publikum ziemlich deutlich gezeigt werden würde, dass man an deren Wertung nicht interessiert ist und es ergo nicht sonderlich ernst nimmt. Das ist m.E. das schlimmste, was passieren kann, und was mich auch an diesen ganzen Diskussionen und bissigen Kommentaren über vermeintliches “Gagging” nervt: “Dem Publikum gefällt’s, aber eigentlich ist es scheiße.” Wir wissen alle, dass die Masse nicht automatisch Recht hat. Aber mich nervt, dass man sich hier über das Urteil des (zahlenden) Publikums stellt. Zumal mir bisher noch keiner eine Definition geben konnte, was dieses “Gagging” eigentlich sein soll und wo die Grenze zu “wirklich Lustigem” denn gezogen wird.

  • Stephan

    Interessant ist, dass bei Johnstone das Publikum aufgefordert wird, die Richter auszubuhen, wenn es mit deren Wertung nicht einverstanden ist. Damit die Stimmung kocht. Trotzdem urteilen die Richter ernsthaft.

    Ich wäre für eine Jury zusätzlich zum Publikum. Weniger aus Gerechtigkeitsgründen, sondern in der Hoffnung, dass dadurch eine breitere Palette von Spielarten gewürdigt wird und damit die Show gewinnt.

    Beim Eiskunstlauf ist das Publikum ja auch nicht beleidigt, dass es eine Jury gibt. Ich glaube, das Publikum akzeptiert erst mal das Setting, das man vorgibt, wenn man selbstbewußt und freundlich auftritt.

    Beim Impro gibt es einen Kult ums Publikum. “Wir tun alles, was ihr wollt!” Das hat einen großen Reiz und viele mögen genau das. Aber es gibt Nebenwirkungen, z.B. auch das Gagging.

    Gagging ist z.B. wenn jemand als Hund über die Bühne läuft, weil er gelernt hat, dass dann das Publikum lacht. Nur hat der Hund die Szene nicht unterstützt, sie nicht verändert, keine Bedeutung für die Geschichte. Es war nur ein Gag und sonst nichts.

    Ist das schlecht? Moralisch nicht. Theatralisch schon eher. Denn der Hundespieler hat womöglich eine sich aufbauende Spannung zerstört. Er hat nicht aufgegriffen, was in der Geschichte angelegt war und das gefördert. Er suchte nicht die große Befriedigung einer gelungenen Szene, bei der alles ineinandergreift, sondern den kleinen Reiz eines schnellen Lachers. Der im Grunde auch nicht improvisiert war, denn es war ja ein gezielt eingesetzter Effekt. Aber was soll’s. Ist ja “nur” Impro und das Publikum scheint es zu mögen.

    Aber hey – ich bin auch Publikum und ich würde gerne etwas anderes sehen. Und kalkulierte Lacher gibt’s ja auch bei Mario Barth.

    Oft finden wir doch Menschen besonders anziehend, die ihr Ding machen und gerade nicht versuchen, es allen Recht zu machen. Wetten, das funktioniert auch beim Impro?

  • Wie auch der Vergleich mit dem Fußball, so glaube ich, dass auch der Vergleich mit dem Eiskunstlauf hinkt… Du sagst ja selber, dass es beim Impro diesen Kult ums Publikum gibt, und das finde ich persönlich auch toll (und das muss ja nicht heißen, dass es man sich dem Publikum anbiedert – es geht um Kommunikation mit und Respekt ggü. dem Publikm, etwas, das ich in keiner anderen “Disziplin” so ausgeprägt sehe, wie beim Impro)!
    Danke für das Beispiel, jetzt habe ich zumindest eine bessere Idee, was unter “Gagging” verstanden wird – allerdings würde ich sowas (jemand kommt unvermittelt und ohne Sinn als Hund auf die Bühne) schon fast eher als Sabotieren der Szene bezeichnen, denn es bringt die Szene nicht nach vorn und hat auch sonst keinen Sinn (irritiert möglicherweise sogar noch die Mitspieler). Zählst Du Kalauer (wenn sie nicht gerade völlig aus dem Zusammnhang heraus gerissen sind) auch schon zu Gagging?

  • Was spricht denn gegen eine erklärende Jury (3 mit je einer Stimme) und den Publikumsvote mit 3 Punkten? Jury-Erklärungen halt kurz und knackig, das ist sicher sehr interessant. Zusätzlich finde ich Punktzugaben des Schieries fürs tolle Unterstützen einer Szene viel schöner als Unsportlichkeits-Abzüge (die wohl eh eher Ausnahmen sind) btw.

  • Stephan

    In einer Probe haben wir mal versucht, Gagging gezielt zu vermeiden. Wir haben es bald aufgegeben, da wir ständig diskutiert haben, ob etwas schon Gagging war oder nicht. Für mich bedeutet es, für einen kurzen Lacher etwas “Größeres” zu opfern wie Spannung, Sinn, etwas gemeinsam entwickeln, Originalität, Wahrheit.

    Natürlich kann man auch kleine, witzige Dinge einflechten, wenn das nicht zur Hauptsache wird. Oder es wird zur Hauptsache, aber dann mal gezielt als “Spiel”, nicht als Dauerprinzip. Für ausgesprochene Gagging-Spieler sind Szenen aber eigentlich nur der Anlass, etwas anzubringen, was “immer gut ankommt”.

    Deshalb hört man auch so oft sexuelle Bemerkungen: “Der ist aber klein!” – immer ein Lacher. Wie oft habe ich schon etwas in dieser Art gehört. Kurz gesagt, schnell gelacht, zack – nächste Szene.
    Doch man stelle sich vor, so ein Satz fiele im echten Leben. Für viele Männer wäre das ein Drama. Ich möchte mal eine Improszene sehen, bei der dieses Drama gespielt wird. Da wäre aber Spannung im Saal! Und es wäre eine Szene voller “Wahrheit”, weil sie echte menschliche Gefühle auf die Bühne bringt. Drama heißt übrigens nicht zwangsläufig Tragödie, auch in der Komödie muss der Held ordentlich leiden, nur geht es am Ende gut aus. Komödie ist nicht nur eine Abfolge von Gags, das wäre eher eine Comedy-Show. Um Spannung aufzubauen darf man nicht ständig Witze reißen, denn Lachen ist immer Entspannung.

    Viele Improspieler interessieren sich für solche Feinheiten aber gar nicht. Schade, denn sie bringen sich (und das Publikum) um viele spannende Erfahrungen.

  • Das habe ich fast vermutet, dass es schwierig ist, da eine wirklich scharfe Trennlinie zu ziehen… Um so neugieriger bin ich, wie das wohl in der anstehenden Impro-Liga umgesetzt wird, denn da ist laut Regelwerk (http://www.improliga-berlin.de/regelwerk.html; §3) Gagging bei Strafe verboten (und wird offenbar als schlimmer erachtet als bewusste Sabotage der anderen Mannschaft, da es gleich an erster Stelle genannt wird; für mich nicht nachvollziehbar).

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