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Auf der Bühne

IMPRO2011: Stockholms Improvisationsteater erweckt Strindberg

von Sonja Dif:

August Strindberg

August Strindberg, Quelle: Wikimedia

„KEEP IT REAL!“ ist einer der Impro-Leitsätze, den Janne Berg und das Ensemble vom Stockholms Improvisationsteater beherzigen. Regina Fabian kündigte die Schweden u.a. mit den Worten: „natürlich bringen die Schweden den Strindberg mit“, an. Den schwedische Autor August Strindberg interessierte sich in seinen Texten immer wieder für den Geschlechterkampf und die Hassliebe zwischen Mann und Frau. In den Geschichten spiegelen sich dabei der Existentialismus, Realismus und auch der Naturalismus seiner Zeit wider. Darüber hinausgehend ergeben sich in seinen Werken auch fließende Geschichten mit surrealen Elementen, so wie im „Traumspiel“. Strindberg selbst war von einer düsteren Jugend geprägt, die sich als Aggressivität und Pessimismus in Bezug auf das Leben und seine Umwelt äußerte.

Das Stockholmer Improvisationsteater begab sich auf seine Spur, in dem sie uns eine dreifach verwobene Geschichte in Form von Kammerspiel, Biographie und Traumspiel mitbrachten. Alles im Sinne von Strindberg.

„The suitcase“, so lautete die Vorgabe des Publikums. Mit viel Ruhe und Liebe zum Detail erschufen die Schweden ein Kammerspiel mit spannender dichter Atmosphäre. Ständig wechselte die Hassliebe zwischen den Eheleuten, wobei der Mann (großartig verkörpert von Per Gottfredsson) befürchtete dem Wahn zu verfallen. Seine Frau schien zunächst die Zügel fest inne zu haben, um am Ende brutal und herzlos vom Sockel gestoßen zu werden. Die Schweden vergaßen kein Detail von Strindberg und lieferten uns mit den Figuren des Dieners Gustav und der Köchin Agnes das niedere Volk mit ihren Sehnsüchten. Toll gespielt von Janne Berg und Helena Lindeström.

In der Biographie spielte Janne Berg den Schriftsteller Strindberg mit solch einer beeindruckenden Intensität und Energie, dass sie fast greifbar im voll besetzten Ratibortheater zu fühlen war. Subtil, fast schon boshaft säte er den Zweifel im kleinen Vermieter, ob er wirklich der Vater seiner Kinder sei, indem er ihm die einfache Frage stellte: „Can you ever be really sure?“

Im surrealen Traumspiel, wo Erlebnisse, freie Erfindung, Ungereimtheiten und die Grenzen von Raum & Zeit zerfließen, begab sich Helena Lindeström auf die Suche nach der Distanz von Sonne und Mond, um ihrem Vater näher zu kommen. Als sie erkannte, dass sie ihre eigene Liebe finden muss, wurde sie sehr unglücklich. Die Suche wurde jedoch gekrönt von der Erkenntnis nachdem sie „Unhappy“ alias Johan Humlesjö traf und beide feststellten: “When we are both unhappy then we are married.“

Schwedens Improvisationsschauspieler überzeugten mit großartig gespielten und ausdrucksstarken Charakteren, denen sie eine eigene persönliche Note gaben, sensationell fließenden Übergängen und der Entscheidung zu minimaler Kostümausstattung. (Für mich persönlich ein Volltreffer, da ich selbst der Meinung bin, dass ein gut gewähltes Kostüm oder Requisite einem Spiel erst die rechte Atmosphäre gibt.) Die Kostüme im Stil des 19. Jahrhunderts trugen maßgeblich dazu bei, dass der Autor Strindberg und seine Werke für das Publikum so lebendig wurden.

Die Schweden begeisterten mit virtuos improvisiertem Theater und legten damit Zeugnis ab, dass die großen Klassiker neben den klassischen Texten auch improvisiert die Zuschauer in den Bann ziehen können und nichts von ihrer Magie verlieren.

„God cries when women are unhappy.“ sagte die Hausherrin auf dem Schoss vom Diener Gustav. Heute Abend, glaube ich, sind Gottes Tränen vor Freude geflossen über dieses herausragende Spiel. Die Lust auf Strindberg wurde meisterlich geweckt.

Dickes Danke schön an das schwedische Ensemble.

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